Wirtschaft

Ungemach durch Coronavirus Deutschlands Banken fürchten Sturm

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Geldinstitute stehen vor großen Herausforderungen.

(Foto: dpa)

Bei Deutschlands Geldinstituten herrscht bereits Alarmstimmung. Immer mehr Experten sagen eine Rezession infolge des Coronavirus voraus. Sie befürchten steigende Kreditausfälle. Die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank befinden sich unter Druck. Anleger fürchten eine weitere Kapitalerhöhung.

Noch vor wenigen Wochen freute sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing über bessere Geschäfte. Doch mittlerweile dürften bei dem Boss von Deutschlands größtem Geldhaus alle Alarmglocken schrillen. Die sich ausbreitende Coronavirus-Krise braut sich zum perfekten Sturm für die Banken zusammen. An den Börsen geht es weltweit seit Tagen bergab, immer mehr Firmen warnen vor Einbußen und Volkswirte sagen eine Rezession voraus.

Für die Deutsche Bank käme eine Wirtschaftskrise zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Ihr Fundament ist nach vielen Milliarden Euro Verlusten schwach und die Erholung fußt darauf, dass es im Geschäft mit Firmenkunden und an den Kapitalmärkten aufwärts geht. Auch die Commerzbank mit ihrem riesigen Kreditportfolio würde eine Konjunkturschwäche ins Mark treffen.

"Sowohl für die Deutsche Bank als auch für die Commerzbank wäre eine Wirtschaftskrise eine große Herausforderung, da beide Banken schon heute nur eine niedrige Profitabilität aufweisen", sagt Analyst Philipp Häßler vom Broker Pareto Securities. Komme es tatsächlich zu einer Rezession, würden die Kreditausfälle deutlich zulegen und die Risikovorsorgen in den Bilanzen könnten auf Größenordnungen wie zu Zeiten der Finanzkrise steigen.

Däumchendrehen statt Arbeit

Deutsche Bank
Deutsche Bank 8,82

Auch das Kapitalmarktgeschäft könne wieder unter die Räder kommen. Der Handel mit Anleihen und Aktien befand sich gerade erst auf dem Weg der Besserung. Zudem hatten Unternehmen wieder mehr Schuldscheine herausgegeben und Börsengänge geplant. Inzwischen drehen viele Banker Däumchen. "Ich bin im Büro, aber ich verbringe mehr Zeit damit, Sport im Fernsehen zu schauen als zu arbeiten", sagt ein Investmentbanker, der bei einer großen europäischen Bank für Fusionen und Übernahmen zuständig ist.

Die Deutsche Bank würde eine Talfahrt im Investmentbanking hart treffen. Sewing sieht die Sparte als einen wichtigen Wachstumstreiber. Bis 2022 sollen die Erträge um zwei Prozent jährlich zulegen und Schwächen im Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung ausgleichen. Die Märkte in Asien, wo das Coronavirus seinen Ursprung hat, sollen dabei eine wesentliche Rolle spielen.

Noch im Januar hatte Sewing gesagt, die Bank habe das Schlimmste überstanden und sei in diesem Jahr wieder in der Lage, vor Steuern einen Gewinn zu erwirtschaften. Jedoch war da noch nicht absehbar, dass die neuartige Lungenkrankheit weltweit solche Schockwellen durch die Märkte schickt. Der Dax brach innerhalb von einer Woche um zwölf Prozent ein, die Aktien von Commerzbank und Deutsche Bank verloren jeweils rund 20 Prozent.

Notenbanken könnten Zinsen weiter senken

Deutsche-Bank-Finanzchef James von Moltke räumte zuletzt ein, kein Mensch könne absehen, wie gefährlich das Virus sei und welche Schäden an den Börsen und in der Wirtschaft dadurch entstünden. Seit Wochen steht in China, dem Wirtschaftsmotor der Welt, das wirtschaftliche und soziale Leben weitgehend still. Produktion und Lieferketten sind unterbrochen, wichtige Messen werden abgesagt. Vor allem die exportorientierte deutsche Wirtschaft könnte empfindlich getroffen werden. "Es besteht das Risiko, dass hoch verschuldete Unternehmen ihre Schulden nicht mehr bedienen können, da ihnen die Umsätze wegbrechen", sagt Ökonom Edgar Walk von der Privatbank Metzler. Auch die Volkswirte der Deutschen Bank gehen von einer Rezession in Deutschland aus.

Commerzbank
Commerzbank 4,60

Experten gehen davon aus, dass die Notenbanken auf eine Konjunktureintrübung mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik reagieren. "Noch niedrigere Zinsen wären Gift für das Bankensystem", sagt Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Die Institute ächzen schon seit Jahren unter den Niedrigzinsen und haben Schwierigkeiten, auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

Einen Teil der niedrigeren Zinsen konnten die Banken durch die Ausweitung des Kreditvolumens auffangen. Wenn nun auch noch die Kreditnachfrage nachlässt, wird es noch schwieriger, auf einen grünen Zweig zu kommen. Massive Sparprogramme und der Abbau Tausender Jobs sind die Folge. Zuletzt sah es noch so aus, als ob sich die Lage bessern würde. Die Zinsen an den Märkten stiegen, die Aktien der Banken hatten sich von ihren Tiefs im Sommer 2019 deutlich erholt.

Gespenst Kapitalerhöhung geht wieder um

Eine große Sorge von Investoren ist, dass die Institute bald die Aktionäre um frisches Kapital anbetteln müssen. "Die große Frage wird sein, ob die Banken es ohne zusätzliches Kapital durch eine schwere Wirtschaftskrise schaffen", sagt Häßler. Auch Burghof macht deutlich: "Was als Eigenkapitalpuffer aufgebaut wurde, ist in einer Krise schnell verbraucht." Die Deutsche Bank besorgte sich in den vergangenen Jahren rund 30 Milliarden Euro frisches Kapital. Die Commerzbank wurde während der Finanzkrise 2008 mit Steuergeldern gestützt, der Bund ist mit 15,6 Prozent noch immer der größte Aktionär.

Zugutehalten kann man den Instituten jedoch, dass sie seit der letzten Krise ihre Bilanzen aufgeräumt haben, wie Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon sagt. "Die Banken sind viel risikoärmer als vor der Finanzkrise. Die Liquidität und die Kapitalquoten sind ausreichend, um einen Anstieg der Risikokosten aufzufangen." Allerdings hänge alles davon ab, wie lange die Unsicherheit durch Corona bestehe. "Eine länger anhaltende Krise würde die Banken vor größere Herausforderungen stellen."

Quelle: ntv.de, Patricia Uhlig, rts