Wirtschaft

Welt-Index Die Industrie schiebt die Weltkonjuktur an

Für Anleger gilt derzeit: nur nicht vom Devisenmarkt verrückt machen lassen! Der starke Euro schadet den europäischen Firmen bislang nicht. Zudem widerspricht die Entwicklung am Währungsmarkt derzeit den fundamentalen Trends.

Der größte Impulsgeber, der im Rahmen der "Welt-Index-Analyse" in den letzten vier Wochen festgestellt werden konnte, war die weiterhin sehr robust verlaufende Industriekonjunktur weltweit. Eine besonders starke Dynamik konnte allen voran in Japan, aber auch in China quantifiziert werden. Aber auch Europa befindet sich auf einem soliden Wachstumspfad. Hervorzuheben sicherlich weiterhin Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien.  Endlich zeigt sich eine höhere Traktion in der Weltindustrieproduktion.

"Ich sehe eine Belebung der Produktion in allen relevanten Volkswirtschaften", sagt Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die monatlich den „Welt-Index“ veröffentlicht. "Wichtig wäre jetzt nur, dass in den kommenden Monaten die Auftragseingänge in den einzelnen Industrien nochmal einen positiven Schub bekommen, sonst könnten negative Anpassungen auch für die sehr positiven Wachstumsaussichten erfolgen."

Die Weltwirtschaft bleibt auf Wachstumskurs. Dies bestätigt der "Index der Konjunkturdaten" mit einem aktuellen Niveau von 71 Prozent (Vormonat 69 Prozent).

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Die Erwartungen an die Weltkonjunktur waren nach den vielen politischen Ereignissen der vergangenen Monate mit großen Sorgen aufgeladen, die sich nun langsam abgebaut haben. Dies führte zunächst zu einer Erleichterungsrallye im Frühsommer. Aktuell preisen die Märkte mehr und mehr die Realitäten ein. Fakt ist auch, dass sich in den letzten vier Wochen die globalen Gewinnschätzungen für börsennotierte Unternehmen um 0,7 Prozent angehoben haben - 2017 wird jetzt ein Plus von 13,7 Prozent erwartet. Das ist nicht gerade niedrig und muss erst mal erreicht werden.

Jetzt könnte eine Periode kommen, in der sich hinsichtlich der Auswahl der Anlagen innerhalb einer Anlageklasse die Spreu vom Weizen trennt. Der "Index der Markterwartungen", welcher auf ein Niveau von 57 Prozent (Vormonat: 55 Prozent) angestiegen ist, zeigt einerseits, dass die Erwartungen an die Konjunktur und die daraus sich ergebenen Umsätze für die Unternehmen im historischen Kontext der letzten 24 Monate immer noch recht hoch sind, auch wenn sich jüngst sich wieder etwas reduziert haben.

WELT-Index: Währungsmärkte außer Kontrolle?

  • Eurokurs erreicht die 1,20-Dollar-Marke.

  • Geldpolitik, Trump und Weltkonjunktur sind die Treiber.

Die Musik im Sommer 2017 spielt eindeutig an den Währungsmärkten. Wer hätte noch zu Beginn des Jahres für möglich gehalten, dass der Euro im Wechselkurs zum US-Dollar eine Renaissance in Sachen Stärke erleben wird, nachdem die Parität ausgerufen worden war, und sich heute um die 1,20er Marke einpendeln wird. "Normalerweise preisen die Märkte die Zinsdifferenzen und die fundamentalen Relationen zwischen den Währungspaaren ein", erklärt Zschaber. "Dies scheint aber aktuell beim Euro und dem US-Dollar außer Kraft gesetzt zu sein, da die Zinsdifferenzen und die Zinsaussichten eigentlich für einen starken US-Dollar sprechen sollten."

Viele Marktteilnehmer hatten sich in Sachen Währungspolitik bereits mehr Orientierung vom wichtigsten jährlichen Notenbanktreffen in Jackson Hole vor zwei Wochen, vor allem von Janet Yellen und Mario Draghi erhofft. Die Chefin der US-Notenbank legte ihren Schwerpunkt auf Fragen der Regulierung. Zu den Themen Zinsen und zukünftige Zinspolitik, welche auch Draghi eher nur randläufig behandelte, bleibt für die USA folgendes zusammenzufassen: Die US-Wirtschaft ist robust, was den Arbeitsmarkt entsprechend untermauert. Gleichzeitig bleibt aber die Inflation verhalten. "Auch die Aussagen einiger US-Notenbanker in dieser Woche bekräftigen ja eigentlich den eingeschlagenen Fed-Kurs, sprich die Zinsen sollten weiter erhöht werden", so Zschaber.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgesellschaft, die monatlich den "Welt-Index" veröffentlicht.

Die Märkte machen allerdings aus diesen Aussagen gegenteiliges, wenn man auf die Entwicklung des Wechselkurses Euro/US-Dollar beziehungsweise die weiter fallende Renditekurve der zehnjährigen US- Staatsanleihe als Marktindikation heranzieht. Fundamental machen diese Bewegungen schlichtweg wenig Sinn. "Der einzige plausible Grund für diese Entwicklung ist, dass Kapitalströme aktuell zurück nach Europa kommen, hier nach den vielen Krisenjahren wieder angelegt werden", konstatiert Markus C. Zschaber. "Die Regierung um Donald Trump scheint schlichtweg, zu viele Investoren zu verschrecken und zu einem unkalkulierbaren Risiko werden, vor allem da die angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen, wie Steuererleichterungen und milliardenschwere Infrastrukturausgaben politisch feststecken. Gleichzeitig performt Europa immer stärker und hat seit Emmanuel Macrons Amtsantritt als Frankreichs Präsident auch wieder einen Visionär."

"Dennoch, ich gehe von einer kurzfristigen technischen Konsolidierung des Euros aus beziehungsweise von einer Stärkung des US-Dollars und auch von einem Anstieg der Treasuries-Renditen", prognostiziert Zschaber. "Jetzt, wo die inoffiziellen Kapitalmarktferien auch in den USA endlich vorbei sind, sollten die internationalen Kapitalströme wieder den fundamentalen Zukunftsaussichten der Zinsmärkte folgen und das Thema Trump erstmal in den Hintergrund rücken", so der Experte weiter.

US-Unternehmen lassen sich laut Zschaber noch nicht von höheren allgemeinen Zinslevels unter Druck sezten. In den USA wurden im August hochverzinste Anleihen mit schwächerer Bonität in Höhe von knapp 20 Milliarden Dollar emittiert, was unterhalb des durchschnittlichen Niveaus liegt. "Ich sehe keinen Liquiditätsstress im Markt. Dax bestätigt auch die Ausfallrate, die von 4,7 Prozent im ersten Quartal auf 3,8 Prozent im zweiten Quartal nochmals gefallen ist. Es gibt Ratingagenturen die von einer Ausfallrate von 2,5 Prozent künftig ausgehen. Hintergrund ist eindeutig die besser funktionierende Weltkonjunktur", so Zschaber. 

Auch in Europa scheint die Gesamtlage bei den Unternehmen noch entspannt zu sein, trotz des hohen Euro-Wechselkurses. Die europäischen Geschäftsberichte und Quartsalzahlen belegen eindeutig, dass die Kostensenkungen aus den letzten Jahren weiterhin Früchte tragen. Die operativen Margen sowie die Umsätze steigen. Gerade in Asien konnten sehr gute Geschäfte zuletzt gemacht werden, genauso wie im eigenen Binnenmarkt. "Die ganz große Angst, dass der starke Euro eventuell in unerträgliche Höhen ansteigen könnte, sehen wir nicht", sagt Zschaber. "Aber selbst bei einem Niveau von 1,20 sehe ich keine schädliche Wirkung für die Geschäftsmodelle aus Europa beziehungsweise auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, trotz der hohen Exportlastigkeit. Kurz um:  Wir sehen Kursrückschläge weiterhin als Chance, qualitative Aktienengagements in Europa weiter aufzubauen", beschreibt der Kölner Vermögensverwalter die aktuelle Lage. Europa gehört zu den Favoritenmärkten in 2017 und zwar in Sachen Aktien und auch bei ausgewählten Unternehmensanleihen.

Dass die unkonventionelle globale Notenbankpolitik auch zu völligen irrationalen Zinseffekten geführt hat, kann derzeit am Beispiel der Mongolei beobachtet werden. Das Land hatte kürzlich eine vierjährige Staatsanleihe emittiert, welche nicht einmal sechs Prozent Zinsen bietet. Das Rating der Mongolei ist allerdings auf dem Niveau von Venezuela. Die Staatsverschuldung steigt zudem rasant, da die niedrigen Rohstoffpreise große Löcher in den Staatshaushalt gerissen haben. "Die globalen Zinsen, vor allem die in den westlichen Nationen, sollten sich trotz der Argumente der Notenbanker, welche vehement ihre Zinspolitik verteidigen, von der Abhängigkeit der Notenbankprogramme sukzessive lösen", mahnt Zschaber. "Die Gefahr den Zeitpunkt zu verpassen, in dem unkontrollierte Preisentwicklungen mit exzessiven Übertreibungen die Folgewirkung niedriger Zinsen und ansteigender Verschuldung sein werden, ist nicht zu unterschätzen." 

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

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Neben der internationalen Zinspolitik stand im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit die Welt- und Industriekonjunktur. Noch ist die Stimmungslage in den Industrieetagen in den USA ordentlich, allerdings ist diese nach Angaben des Kölner Geldmanagers sehr eng an die dort offerierten staatlichen Investitionspakte beziehungsweise an die Steuersenkungsprogramme gekoppelt. Die Trump-Regierung sollte nicht den Fehler begehen und nach den vollmundigen Ankündigungen denken, man müsste nicht liefern. "Der Wachstumszyklus in den USA ist positiv, keine Frage, aber unsere Zahlen verifizieren eindeutig, dass gerade die positive Dynamik, welche sich seit langer Zeit erstmals wieder in der Industrie abzeichnet und hier vor allem bei den Investitionen, auf der Annahme fußt, dass staatliche Impulse durch die neue Regierung folgen werden", kommentiert Zschaber die Situation in den USA. "Dieses Vertrauen sollte Trump, beziehungsweise seine Administration, jetzt nicht gänzlich verspielen, wenn es nicht sogar bereits sehr großen Schaden genommen hat."

Auch in Fernost zeigt sich die Konjunkturlage weiterhin auf sehr solidem Niveau. Hervorzuheben sind die Regionen Japan und China in den letzten vier Wochen. Die Großindustrie in beiden Volkswirtschaften hat derzeit hohe Expansionswerte, gemessen an den Ergebnissen der Analyse zum "Welt-Index". Gerade Neuaufträge in der japanischen und in der chinesischen Industrie sind zuletzt, anders als aktuell in Europa, sehr stark angestiegen. "Unsere quantitativen Konjunkturmodelle, welche im Rahmen der 'Welt-Index-Analyse' zum Einsatz kommen, beziffern für beide Nationen eine hohe Konstanz im industriellen Neuauftragsvolumen. Die fundamentalen Trends sollten hier andauern, was die Zyklik des Wachstums auch weiterhin sehr robust verlaufen lassen sollte", so Zschaber weiter. "Die jährlich stattfindenden Debatten über eine 'harte Landung' der chinesischen Konjunktur sind wie auch im vergangenen Jahr völlig absurd." Die Lohnsummen in Japan steigen aktuell deutlich, was wiederum den Konsum belebt. Die konjunkturelle "Wetterlage" in Japan ist weiterhin sehr "sommerlich".

Fazit & Ausblick für Anleger:

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Die Aktienmärkte gerade in Europa haben nach wie vor Luft nach oben, gerade die soliden Wachstumswerte mit starker Bilanz und entsprechender Position im Wettbewerb. "Ich bin aber auch davon überzeugt, dass ein Dax in diesem Jahr noch zulegen wird. Zwar dauert der Aufschwung schon sehr lange, aber der Bullenmarkt ist fundamental in Takt", konstatiert Markus Zschaber. "Ich sehe keine Risse oder Schäden in der Weltkonjunktur, was zur Folge hat, dass höhere Umsätze und Gewinne bei intelligenten Unternehmen und produktiven Geschäftsmodellen umsetzbar sind. Wir rechnen mit einem Weltwirtschaftswachstum von mindestens 3,6 Prozent in 2017." Kurzfristig höhere Volatilität an allen Aktienmärkten erwartet der Vermögensverwalter nur bei einer Eskalation mit Nordkorea oder sollte Donald Trump im September tatsächlich einen "Government Shutdown" - also den Stillstand der Administration - wagen beziehungsweise nicht abwenden. "Wir würden in einem solchen Umfeld allerdings als strategische Käufer von Qualitätsaktien, vor allem in Europa und in den Emerging Markets auftreten."

Strategie & Veränderungen im Musterportfolio:

  • Leichte Erhöhung der aktuellen Aktienquote (72,5%) innerhalb des Musterportfolios gegenüber dem Vormonat. Large Cap - Übergewichtung bleibt bestehen.

  • Cash – Quote wird auf 8,5% verringert, bleibt aber als wichtiger Asset – Baustein vorhanden

  • Rentenmarkt wird weitestgehend bis auf einzelne Bausteine untergewichtet à u.a. europäische Hochzinsanleihen

  • Edelmetallquote bleibt unverändert

 

Zukäufe-/Nachkäufe aus den letzten 4 Wochen:, L‘Oreal, Visa, Caterpillar, MC Donalds, Microsoft, ETF Japan (Nikkei), ETF MSCI Emerging Markets, ETF MSCI Emerging Asia,  ETF Österreich (ATX),

Haltepositionen: Airbus, Fielmann, Osram, Wacker Chemie, Iberdola, Telefonica, Immobilaria Colonial, Alphabet, ETF Global Titans 50, CSX Corp, Fresenius, General Electric, Allianz, Anheuser Busch, Fuchs Petrolub, Apple, Netflix, SAP, Bayer, BASF, Symrise, Beiersdorf, Rheinmetall, Amazon, Deutsche Post, MTU Aero Engines, Bechtle, RIB Software, LVMH, Continental, Mastercard, Siemens, Linde, Duke Energy, Unilever, RATIONAL, Jungheinrich, ETF Schweden, ETF Frankreich;

Verkäufe aus den letzten 4 Wochen: Münchener Rück, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, Vonovia, Swatch Group, ABB Ltd., ETF SMI, Geberit:

Asset-Allokation:

Erhöht / Neu aufgenommen werden: Aktien (Large Caps) USA von 13% auf 15%; Aktien Japan von 7% auf 8%; Aktien Emerging Markets von 4% auf 6%; Staatsanleihen Emerging Markets von 2% auf 3%;

Beibehalten werden: Aktien (Large Caps) Europa von 9,5%; Aktien (Nebenwerte) Deutschland von 9,5%; Aktien (Nebenwerte) Europa von 6,5%; Wandelanleihen von 2%; Unternehmensanleihen von 3%; Hochzinsanleihen Europa von 4%; Edelmetalle von 7%;

Reduziert werden: Aktien (Large Caps) Deutschland von 16,5% auf 15%; Aktien Nebenwerte USA von 1,0 % auf 0 %, Aktien (Large Caps) Schweiz von 5% auf 3%; Cash von 10% auf 8,5%;

Das Musterdepot zum „Welt-Index“ beinhaltet diverse Anlageklassen wie beispielsweise Aktien,  Unternehmens-, Wandel- und Staatsanleihen sowie Rohstoffe als auch Edelmetalle. Das Portfolio wird aktiv seit 5 Jahren gemanagt und auch abgesichert je nach Börsenphase, so dass je nach Kapitalmarktsituation auch flexibel die Bargeldquote erhöht oder minimiert wird. Zur Absicherung und Gewinnmitnahmen werden auch ETF`s auf Indices und Märkte verwendet. Mit dieser Art der direkten Abbildung des „Weltwirtschaftszyklus“ ist es dem Musterdepot gelungen, eine konstante und höhere Wertentwicklung als der MSCI World  zu erwirtschaften. Informationen hierzu und den Gedankengängen bei der Auswahl der Anlageklassen finden Sie unter www.kapitalmarktstudie.de

Zur Methode: Die Grundlage des "Welt-Index" ist die Analyse von Wirtschaftsindikatoren aus der ganzen Welt, die eine hohe wirtschaftliche Relevanz und eine hohe Reaktion an den Finanzmärkten mit sich bringen. Diese werden weltweit von Statistikämtern und Forschungsinstituten sowie weiteren hochrangigen wissenschaftlichen Quellen veröffentlicht. In der Endform konzentriert sich der "Welt-Index", der aus zwei Komponenten besteht, dem "Index der Konjunkturdaten" und dem "Index der Markterwartungen", auf die monatlich 50 wichtigsten Konjunkturdaten, zugrunde liegen mehr als 1.000 internationale Indikatoren, die monatlich ermittelt und bewertet werden. Die Verknüpfung der Datenreihen in einer nach Dominanzfaktoren gegliederten Gewichtung gibt Aufschluss darüber, in welchem Zyklus und Stadium sich die Weltwirtschaft befindet. Aufgrund der Kombination von frühzyklischen, gleichzyklischen und nachzyklischen Indikatoren sowie der Integration einer Erwartungskomponente ermöglicht der "Welt-Index" eine sehr genaue Messung des aktuellen Status. Um dieses zu vereinfachen, werden dann zwei Trenddaten erstellt, die Aufschluss darüber geben, wie viele der ermittelten Daten in den vergangenen vier Wochen gefallen oder gestiegen sind. Nähere Informationen hierzu unter: www.weltindex.de

Das Musterportfolio zum "Welt-Index" ist nur als begleitende Information zu verstehen und dient nicht als konkreter Anlage-Ratschlag. Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH erstellt den Index monatlich exklusiv für die "Welt am Sonntag" und den Nachrichtensender "n-tv". Informationen zum Index unter www.zschaber.de und www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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