Wirtschaft

Einhörner überbewertet Die Tech-Blase wird größer

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(Foto: REUTERS)

Eine ambitionierte Bewertung von Aktien muss nicht bedeuten, dass die Aktienmärkte überbewertet sind und kurz vor einem Crash stehen. Doch für Tech-Aktien und Einhörner könnte dies jetzt zutreffen.

Die Fabelwelt hat es dem amerikanischem Wirtschaftsprofessor Keith Wright von der Villanova Universität angetan, genauer gesagt Einhörner. Den Wesen mit einem langen dünnen Horn an der Spitze des Kopfs gehört aber nicht seine Aufmerksamkeit, sondern den Startups, die noch nicht börsennotiert sind, aber einen Marktwert von mindestens einer Milliarde Dollar haben. Diese als Einhörner bezeichneten Unternehmen seien derzeit überbewertet und dies könnte zu heftigen Korrekturen führen: "Wir sind offiziell in einer größeren Tech-Blase als im März 2000", lautet Wrights Fazit. Damals begann eine der größten Korrekturen von Technologieaktien, die den gesamten Aktienmarkt bis zum Jahr 2003 erfasste.

Es gebe zahlreiche Beispiele für eine Überbewertung, so Wright, die sich auf die börsennotierten Tech-Aktien übertragen könnte. Viele Unternehmen erreichen ihre Umsatz- und Gewinnziele nicht, sondern weiten sie aus. Selbst Uber, das Unternehmen vermittelt per App private Autos als Taxis und ist derzeit das am höchsten bewertete Einhorn, weitet seinen Verlust deutlich aus. Nach 2,8 Milliarden Dollar 2016 verlor Uber im vergangenen Jahr 4,5 Milliarden Dollar.

Die hohen Bewertungen hängen auch mit dem seit Jahren niedrigen Zinsumfeld zusammen. "Zahlreiche Einhörner sind dadurch gar nicht auf einen Börsengang (IPO) angewiesen, sie können durch die geringen Zinsen schon vorher genug Kapital einsammeln", sagt André Stagge, Portfoliomanager und Börsencoach gegenüber n-tv.de. Ein Beleg hierfür sei die Zeit bis ein US-Tech-Unternehmen an die Börse geht. "1999 zu Zeiten der Internet-Blase dauerte es noch rund vier Jahre, bevor ein Tech-Unternehmen einen IPO startete, aktuell sind es elf Jahre", so Stagge.

50 Prozent Überbewertung

Neben dem preiswerten Geld erweiterte auch eine Gesetzesänderung, der sogenannte Jobs Act, im Jahre 2012 die Möglichkeiten, Investoren am Unternehmen zu beteiligen. Dazu gehörten in der Folge nicht nur Risikokapitalgeber (Venture Capitalist), sondern auch Hedge Fonds oder auch ganz allgemein ausgerichtete Fonds. Diese Investoren können nach der Einführung des Gesetzes auch unterschiedlich am Unternehmen beteiligt werden. Private Aktien mit und ohne Stimmrecht, Dividende oder Prüfmöglichkeiten sind nun möglich.

Wright hat zusammen mit der Universität St. Gallen die unterschiedlichen Unternehmensbeteiligungen bewertet und kommt zu dem Schluss, dass der durchschnittliche Einhorn, der durch Kapitalgeber finanziert wurde, 49 Prozent über dem errechneten "fairen Wert" liegt. Die Undurchsichtigkeit der Beteiligungsformen liegt auch an den zahlreichen Finanzierungsrunden, die es den Unternehmen ermöglicht haben, schnell Geld einzusammeln und zu wachsen.

Wachstum um jeden Preis, noch vor Gewinn, war auch das operative Motto von Einhörnern. Diese Strategie wird nach Wrights Ansicht scheitern und die ersten Anzeichen sind schon deutlich sichtbar. So sind 67 Prozent der Unternehmen, die im vergangenen Jahr einen IPO begangen haben, unprofitabel. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es 81 Prozent. Doch inzwischen werden solche Einhörner von Anlegern abgestraft. Snap fiel zum Beispiel von 17 Dollar zum IPO auf 11 Dollar aktuell. Blue Apron kam zu 10 und notiert derzeit bei 3 Dollar. Fitbit kam schon 2015 zu 45 Dollar an die Börse und krachte bis auf aktuell fünf Dollar zusammen. Entsprechend gering ist derzeit auch die Nachfrage nach solchen Aktien.

Das Zeitalter der Einhörner geht allerdings bereits seit 2016 dem Ende zu. Gab es in den beiden Vorjahren noch mehr als 40 solcher fabelhaften Unternehmen in den USA, waren es 2017 noch 33, und in diesem Jahr sind es bisher nur 11 neue Einhörner. Die steigenden Zinsen hinterlassen ihre Spuren in diesem Markt. Das Geld sitzt nicht mehr so locker, und könnte für weitere Turbulenzen sorgen, die dann auch die börsennotierten Technologieaktien erfassen könnte. Denn auch dort haben viele Unternehmen vor allem auf Wachstum gesetzt. Das hat dazu geführt, dass die US-Tech-Aktien höher bewertet sind als alle Aktien aus der Eurozone, oder dass Facebook mit 25.000 Angestellten eine größere Marktkapitalisierung aufweist als der Aktienmarkt Indiens, einem Land mit 1,3 Milliarden Menschen.

Quelle: ntv.de