Wirtschaft

Politik irrational Die rote Gefahr für Opel?

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Wird der Blitz bald wieder glänzen? Noch ist die Zukunft von Opel offen.

(Foto: AP)

Politik ist manchmal schon ein groteskes Geschäft. Im Superwahljahr 2009 überschlagen sich die Politgrößen unseres Landes in Rettungsaktionen für die Wirtschaft, eine fragwürdiger als die andere. Das Paradebeispiel der Disziplin "Politik rettet Wirtschaft" ist allerdings der Fall Opel. Nicht nur, weil es der erste Beinahe-Kollaps war, sondern auch, weil es die bekannteste zu rettenden Marke ist. Im Zeichen des Wahlkampfs schaltet sich offensichtlich ein großer Teil wirtschaftlichen Sachverstandes aus und Fakten werden weggeblendet.

Zu klein zum Überleben und zu groß zum Sterben, das ist das Dilemma von Opel. In einer Situation, wo der Wahlkampf offensichtlich sämtliche rationale Überlegungen beiseite räumt, sollte man sich vergegenwärtigen, dass General Motors nicht viel Spaß mit dem Investment Opel gehabt hat. In rund 80 Jahren amerikanischen Engagements hat GM selten Geld aus Europa abholen können. Seit den achtziger Jahren war Opel ein Verlustgeschäft für die Amerikaner.

Allerdings hat der globale Ansatz des einstmals größten Autobauers der Welt auch viel kaputt gemacht. Die Qualität hat unter den drakonischen Sparmaßnahmen der Manager massiv gelitten. Insbesondere des rigorose "Sparfuchs" José Ignacio López hat die Marke an den Rand des Ruins geführt. Kapitale Qualitätsprobleme bei den Volumenmodellen Kadett, Rekord und später Astra und Omega haben Opel den Anschluss an Volkswagen fast völlig verlieren lassen. Statt die Tugenden der deutschen Autobauer zu importieren, entschied man sich in Detroit, die US-amerikanischen Fehlentwicklungen zu exportieren. Erst in jüngster Zeit wurde der deutschen Tochter erlaubt, ihren eigenen Weg zu gehen. Das Ergebnis ist ein erfolgreicher Insignia als spektakuläre Neuvorstellung im vergangenen Jahr und in diesem ein vielversprechender Astra. Da stand GM allerdings schon mit dem Rücken zur Wand.

Objektivität gefragt

Doch aller Blick zurück im Zorn hilft dem Autobauer nicht. Das Pech, dass die Pleite von GM und die globale Autokrise die Deutschen in einer Phase der Regeneration erwischt hat, muss nicht das Aus bedeuten. Doch die Engstirnigkeit der Politik verbaut so manche Wege in diesen Tagen. Eine Insolvenz, wie sie Wirtschaftsminister zu Guttenberg in Erwägung zog, wäre sicher nicht die schlechteste Alternative gewesen. Auch das deutsche Insolvenzrecht lässt ausreichend Spielräume für ein erfolgreiches Wiedererwachen eines Unternehmens. Dann aber befreit von Altlasten. Politisch scheint ein solches Szenario allerdings nicht machbar, wenn selbst die Bundeskanzlerin vor dem bösen Wort zurückschreckt.

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Vor Rettern kaum zu retten: Ministerpräsident Koch (l.), Wirtschaftsminister zu Guttenberg und Finanzminister Steinbrück (r.).

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das chinesische Angebot jedoch völlig außen vor zu lassen, ist ein Vergehen an der Verantwortung für den Umgang mit Steuergeldern. Sicher kann man die Gefahren, die von der Offerte von BAIC ausgehen, schwer abschätzen. Wahrscheinlich ist ein Szenario, dass Arbeitsplätze und Know how mittelfristig in das Reich der Mitte abwandern. Allerdings bietet das Angebot die Perspektive eines eigenständigen Weiterlebens, ohne am Tropf der Politik zu hängen.

Wundertüte Magna

Letzteres ist bei dem Angebot von Magna ausgesprochen unsicher. Das Konglomerat, bestehend aus dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer, der russischen Sberbank und der Opel-Belegschaft, kommt mit relativ leeren Händen daher. Eine Bürgschaft von 4,6 Milliarden Euro wird verlangt, bei den Chinesen wären es nur 2,64 Milliarden. Man kann sich leicht ausmalen, was passieren würde, wenn Opel nicht aus eigener Kraft aus der Krise findet. Magna und Co. würde wohl immer wieder die Hand aufhalten und sich jeden einzelnen Arbeitsplatz mit Steuergeldern bezahlen lassen. So könnte die Marke mit dem Blitz zu einem Fass ohne Boden werden.

Kühle Köpfe sind gefragt in diesen Tagen. Nicht das Vorpreschen eines Roland Koch oder Dieter Althaus. Die beiden Landesfürsten unterminieren jede Verhandlungsposition der Bundesregierung massiv mit ihren Aussagen. So kann keine vernünftige Lösung zustande kommen, wie auch immer das am Ende aussehen mag. Im kommenden Jahr wird es ohnehin ein böses Erwachen geben, wenn die Rechnungen für die großzügigen Wahlkampfaktionen aufsummiert auf dem Tisch liegen. Einen kleinen Vorgeschmack hat der diesjährige Haushalt bereits gegeben. Und dann werden die Herren Wahlkämpfer ihren Bürgern erklären müssen, wie sie die Abgründe in ihren Etats zu stopfen gedenken. Die meisten Bürger sind übrigens weitaus realistischer als die Politiker. Eine Mehrheit hätte gegen eine geordnete Insolvenz nichts einzuwenden gehabt.

Quelle: n-tv.de