Wirtschaft

Neue Inflationssorgen? Draghi bleibt Albtraum für Sparer

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Deutsche Sparer können sich gegen Draghis Geldpolitik schützen.

(Foto: REUTERS)

Die Inflationsraten waren zuletzt im Rückwärtsgang. Allerdings wird EZB-Chef Mario Draghi weiter mithelfen, die Inflation anzuheizen. Wie können sich deutsche Sparer davor schützen oder gar davon profitieren?

Gute Nachrichten für die Konsumenten in der Euro-Zone: die Verbraucherpreise lagen im Mai um 1,5 Prozent über dem Vorjahr, womit die Inflation deutlich zurückgegangen ist gegenüber einer Rate von 1,9 Prozent für April. Verantwortlich dafür ist vor allem, dass der Anstieg der Ölpreise im Vergleich zum Vorjahr nicht mehr ganz so groß war wie im Vormonat.

Wie sich die Inflationsrate in den nächsten Monaten entwickelt, dürfte kurzfristig nicht zuletzt von der weiteren Entwicklung der Ölpreise abhängen. Sollte es die OPEC schaffen, durch die Verlängerung der Kürzung der Fördermengen bis März 2018 die weltweit hohen Lagervorräte merklich abzubauen, könnte die Notierung des Energieträgers deutlich klettern. Das würde die Inflation in der Euro-Zone wieder beschleunigen.

EZB unternimmt alles, um die Inflation anzuheizen

Ein anderer Inflationstreiber bleibt auch weiterhin EZB-Chef Mario Draghi. Die EZB kauft für 60 Milliarden Euro monatlich Anleihen, um die Inflation in Richtung zwei Prozent anzuheizen. Draghi hat zudem wiederholt klar gemacht, dass die EZB jederzeit bereit ist, das Programm aufzustocken oder zu verlängern, sollte es nicht zu einem nachhaltigen Inflationsanstieg kommen. Damit bleibt Draghi der Alptraum für jeden deutschen Sparer, die sich aber gegen die Auswirkungen seiner Geldpolitik mit einer fünfjährigen Inflationsanleihe der IKB (WKN: A2E4P4) schützen können.

Sie befindet sich in der Zeichnung und wird ab dem 27. Juni an der Börse gehandelt. Der Ausgabeaufschlag liegt bei 0,5 Prozent. Der Zinssatz ist im ersten Jahr bei 1,25 Prozent fest. Das kann sich gegenüber den Zinsen von rund minus 0,7 Prozent für einjährige Bundesanleihen mehr als sehen lassen. In den Jahren zwei bis fünf errechnet sich die Rendite aus einer Mindestverzinsung von 0,5 Prozent pro Jahr plus der Inflationsrate - bereinigt um den Bereich Tabak. Diese Inflationsrate lag im April bei 1,8 Prozent.

Eine andere Möglichkeit ist direkt auf steigende Zinsen zu setzen, etwa in Form des 10-Jahres-CMS-Swapsatzes Euribor, dem Basiszins für langfristige Kreditverträge zwischen Banken und Kunden. Die Société Générale bietet seit kurzem verschiedene Call-Optionsscheine auf diesen Zinssatz an, die unterschiedlich eingesetzt werden können, wie Stefano Angioni, Derivateexperte der Société Générale, erläutert: "Mit Calls auf den 10-Jahres-CMS-Swapsatz können chancenorientierte Anleger von steigenden 10-Jahres-Zinssätzen profitieren, diese aber auch zu Absicherungszwecken etwa für Zinsänderungsrisiken bei Hypothekendarlehen und Anschlussfinanzierungen einsetzen. Anleger erhalten damit Zugang zu der bisher schwer investierbaren Anlageklasse der Zinsen beziehungsweise Zinsänderungen."

Mit einem Swap können insbesondere Banken schnell und kostengünstig Zinsrisiken, wie sie aus Kreditvergabe und Kreditaufnahme resultieren, managen. Dazu müssen sie weder Geld anlegen noch aufnehmen, vielmehr tauschen sie mit einem Swap lediglich deren Zinszahlungen aus. 

Inflationsgeschützte Anleihen

Anleger, die dagegen auf einen Anstieg der Inflation in den USA setzen möchten, greifen zu dem Lyxor US TIPS ETF (WKN: LYX0VY). Er bildet die Entwicklung inflationsgeschützter US-Anleihen (TIPS) ab. Die Gesamtkostenquote liegt bei 0,09 Prozent. Da das Papier auf Dollar-Basis notiert, sollten Anleger allerdings auch das Währungsrisiko im Auge haben.

Warum sollte es sich lohnen, auf steigende Inflation in den USA zu setzen? Immerhin war die Rate zuletzt auch in den USA im Rückwärtsgang, während die Notenbank wiederholt signalisiert hat, dass sie bei der Sitzung am 14. Juni erneut die Zinsen anheben möchte, was der vierte Schritt nach oben in diesem Zinszyklus wäre.

Das Problem dabei ist, dass die Fed die Zinsen in einem Umfeld erhöht, indem die Konjunkturdaten seit Mitte März deutlich schwächer als erwartet ausfallen. Sollte die von der Fed vorhergesagte deutliche Konjunkturbelebung ausbleiben, zumal US-Präsident Donald Trump eine Steuerreform frühestens am Jahresende durch den Kongress bringen könnte, könnte die Fed nach der Erhöhung im Juni weitere Anhebungen erst einmal auf Eis legen. Damit würde die Wirtschaft nicht so sehr belastet wie befürchtet, womit sich das Wirtschaftswachstum beleben und damit die Inflation angeheizt würde. In diesem Umfeld wäre ein ETF auf inflationsgeschützte US-Anleihen ein geeignetes Investment.

Sparer und Konsumenten sollten sich nach dem jüngsten Rückgang der Inflation in der Euro-Zone und den USA nicht in Sicherheit wiegen. Sowohl die EZB als auch die Fed streben höhere Inflationsraten an und bleiben damit eine Gefahr für Sparer auf der ganzen Welt - viele von ihnen sind allerdings hierzulande anzutreffen.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.  

Quelle: ntv.de