Wirtschaft

Richtlinie soll 2014 in Kraft treten EU will Bank-Provisionen kippen

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Eine Hand wäscht die andere: Hohes Risiko, hohe Provision und fertig ist die Finanzkrise. Das soll sich nach dem Willen der EU ändern.

(Foto: picture alliance / dpa)

Provisionen gelten als eine Ursache der Finanzkrise, weil der Verkauf riskanterer Anlageformen den Bankberatern höhrere Erträge versprechen. Der Politik ist dieses Vorgehen ein Dorn im Auge. Mehrere Lösungsvorschläge stehen im Raum, darunter auch radikale Schritte.

Nach dem Willen des Europäischen Parlaments sollen Vermittler von Finanzprodukten wie Fonds keine Provisionen mehr bekommen. Die finanzielle Belohnung für einen Verkauf soll nur noch erlaubt sein, wenn die Provision an die Kunden weitergereicht wird. Damit soll verhindert werden, dass die Vermittler aus Gründen des eigenen finanziellen Vorteils die Kunden falsch beraten, erklärte der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold, der die Position der Parlamentarier mit ausgehandelt hat. Mit der Forderung wollen die Abgeordneten in die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten über die Finanzmarkt-Richtlinie Mifid II ziehen, die ab 2014 gelten soll. Sollten die Regierungen zustimmen, würde sich der Markt für die Vermittlung von Finanzprodukten grundlegend verändern.

"Die Auszahlung von Provisionen hilft eine Finanzberatung ohne massive Fehlanreize zu finanzieren", betonte Giegold. "Ziel ist es, Produkte für den Verbraucher bereitzustellen und nicht für den Vertrieb", betonte auch der CSU-Abgeordnete Martin Ferber, der die Verhandlungen mit den EU-Staaten führen wird.  

Provisionen gelten als eine Ursache der Finanzkrise, weil sie Vermittler von Finanzprodukten verleitet haben, ihren Kunden riskante Anlageformen zu verkaufen, nur weil diese ihnen höhere Provisionserträge bringen.

Mehrere Möglichkeiten

Das Parlament will mit der Forderung zudem den Weg zu einer Beratung gegen Honorar ebnen, bei der der Anbieter von Produkten vom Kunden eine Pauschale für alle Gebühren bekommt. Diese Form hat in der Praxis bisher allerdings wenig Anhänger gefunden: Vor allem Privatkunden, die überschaubare Summen anlegen wollen, sind nach den bisherigen Erfahrungen kaum bereit, für den Rat von Experten zu bezahlen. Dass sie Berater auch über Provisionen indirekt mitfinanzieren, ist ihnen weniger bewusst.

Dass Banken schon jetzt ihre Provisionen gegenüber Kunden offenlegen müssen, reiche nicht, um Interessenkonflikte zu verhindern, sagen die Abgeordneten. Deswegen müssten nun härtere Vorgaben gemacht werden. Nach der Parlamentsposition sollen Vermittler ihre Einkünfte nicht mehr weitgehend über Provisionen bestreiten dürfen.

Die EU-Kommission war in ihrem Vorschlag noch weiter gegangen: Sie wollte nur noch Anbieter zulassen, die gar keine Provisionen kassieren. Dies hätte nach Einschätzung von Kritikern jedoch die Folge, dass Anbieter wie Banken nur noch eigene Produkte vertreiben und Angebote aus anderen Bereichen des Finanzmarktes ins Hintertreffen geraten. Dies würde zudem nicht nur die klassische Vermögensberatung von kleineren Instituten wie Sparkassen beeinträchtigen, sondern auch das Geschäftsmodell von Finanzvermittlern wie MLP oder AWD.

Die deutsche Kreditwirtschaft will beide Formen der Beratung nebeneinander laufen lassen: gegen Provision und gegen Honorar. Sonst sei zu befürchten, dass Kunden mit geringerem Vermögen ganz auf eine Beratung verzichteten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Es geht um tausende Euro

Der Streit muss nun in den Verhandlungen zwischen Parlament, Kommission und Mitgliedsstaaten über die Ausgestaltung der Richtlinie gelöst werden. Die Position des Parlaments wird am Mittwoch im zuständigen Ausschuss für Wirtschaft und Währung und soll am 19. November im Plenum verabschiedet.  

Die Richtlinie Mifid II gilt nicht für Versicherungsprodukte. Bei Versicherern gab es bis vor kurzem sogar ein Verbot der Rückerstattung von Provisionen an die Kunden, das der Bundesgerichtshof erst in diesem Jahr aufgehoben hat. Bei Lebensversicherungen erreichen die Provisionen leicht mehrere Tausend Euro, meist betragen sie mehr als einen Jahresbeitrag.

Quelle: ntv.de, rts