Wirtschaft

Der "Falke" macht den Abflug EZB-Chefvolkswirt wirft hin

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Jürgen Stark hält nichts von den Aufkäufen von Staatsanleihen durch die EZB.

(Foto: picture alliance / dpa)

Paukenschlag zum Abschluss der Woche: Jürgen Stark gibt seinen Posten als EZB-Chefvolkswirt auf. Die Notenbank führt persönliche Gründe für die Demission an. Stark ist ein Gegner der Staatsanleihenkäufe durch die EZB. Nachfolger wird womöglich Finanz-Staatssekretär Asmussen. Dax und Euro gehen nach der Nachricht auf Tauchstation.

Die Schuldenkrise wird binnen weniger Monate für den zweiten deutschen Top-Notenbanker zum Stolperstein. Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, tritt noch in diesem Jahr zurück. Die EZB bestätigte die Demission des gebürtigen Rheinhessen.

Grund für Starks Abgang sei ein Zerwürfnis über die vor allem in Deutschland umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB, verlautete aus Finanzkreisen. Bereits im Februar war der damalige Bundesbank-Chef Axel Weber zurückgetreten. 

Starks Nachfolger im sechsköpfigen EZB-Direktorium soll der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, werden. Auf jeden Fall soll der Posten erneut mit einem Deutschen besetzt werden, da die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone sonst in dem Gremium nicht mehr vertreten wäre. Die EZB teilte mit, Stark werde so lange im Amt bleiben, bis der Nachfolger feststehe. Das solle bis zum Ende des Jahres klar sein.        

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Jörg Asmussen ist als neuer EZB-Chefökonom im Gespräch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Stark gehört seit Monaten zu den heftigsten Kritikern der Staatsanleihenkäufe, mit denen die EZB seit Mai 2010 Problemländer wie Griechenland stützt. Die Amtszeit des 63-Jährigen wäre normalerweise erst Ende Mai 2014 zu Ende. Der Euro fiel nach der Nachricht auf ein neues Sechs-Monats-Tief. Auch der Dax bewegte sich nach unten.  

Die EZB nannte persönliche Gründe für Starks Ausscheiden. Der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet würdigte Starks Engagement für die Währungsunion in den vergangenen Jahren. Insbesondere in seiner Zeit im Direktorium seit 2006 habe er sich "mit ganzem Herzen" für den Euro stark gemacht. 

"Taube" für "Falken"?

Die EZB und die Euro-Zone trifft der Rückzug des promovierten Ökonomen Stark in einer sehr labilen Phase. Ende Oktober muss Präsident Trichet nach acht Jahren an der Spitze der Zentralbank turnusmäßig gehen. Nachfolger des Franzosen wird der Italiener Mario Draghi. Der aktuelle Chef der Banca d'Italia ist vor allem in Deutschland umstritten, lange Zeit galt zudem Weber als Favorit für die Trichet-Nachfolge. Aus deutscher Sicht geht mit Stark der zweite geldpolitische "Falke" nach Weber.    

Asmussen wird dagegen zu den "Tauben" gezählt, die eine weichere geldpolitische Linie verfolgen. Er steht der SPD nahe, wurde aber wegen seiner im In- und Ausland hoch geachteten Expertise vom CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble nach dem Machtwechsel in Berlin im Amt gelassen. Er hat gemeinsam mit Weber und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann - damals noch Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel - bei mehreren Bankenrettungen eine wichtige Rolle gespielt.

Quelle: ntv.de, rts