Wirtschaft

Neue Töne aus Frankfurt EZB deutet Zinswende an

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Auf dem Weg zur EZB-Pressekonferenz: Die Zentrale der Europäischen Zentralbank im Osten Frankfurts.

REUTERS

Der Leitzins im Euroraum bleibt unverändert bei 0,0 Prozent. Wie die Europäische Zentralbank mitteilt, halten die Währungshüter um EZB-Chef Draghi - vorerst - an der Nullzinspolitik fest. Zwischen den Zeilen erkennen Experten erste Anzeichen für einen Kurswechsel.

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der regulären Märzsitzung in Frankfurt, wie die Notenbank mitteilte. Den für Banken maßgeblichen Einlagensatz hielt der geldpolitische Rat ebenfalls unverändert bei minus 0,4 Prozent. Damit müssen Kreditinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken wollen, weiterhin einen Strafzins im negativen Bereich einrechnen. Die EZB geht weiterhin davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.

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Insgesamt jedoch scheint die Zentralbank die Märkte auf einen bevorstehenden Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vorbereiten zu wollen. Das jedenfalls lasen Analysten aus der Mitteilung zum Zinsentscheid heraus. Bei der Bekanntgabe der Beschlüsse verzichtete die EZB auf die zuletzt übliche Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihenkäufe ausweiten könnte, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Volkswirte werten das als Signal zur Vorbereitung der Finanzmärkte auf ein Ende der Geldflut.

Im Oktober hatte die EZB ihr gewaltiges Kaufprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert, das monatliche Volumen von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Volkswirte waren davon ausgegangen, dass sich die EZB mit der Streichung der sogenannten "Easing Bias"-Formulierung noch Zeit lassen würde.

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Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke.

Zwar ist dieses Ziel nach wie vor weit entfernt - im Februar fiel die Inflationsrate im Euroraum mit 1,2 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Doch das zuletzt stärkere Wirtschaftswachstum macht der Notenbank offenbar Hoffnung. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder mit 2,3 Prozent so kräftig zu wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Bei der Bekanntgabe des Zinsentscheid bestätigte die EZB ihre Linie, dass sie die Anleihekäufe im Volumen von 30 Milliarden Euro monatlich bis Ende in den Herbst fortführen werde - oder darüber hinaus und auf jeden Fall so lange, "bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht". Lediglich eine Ausweitung des Volumens steht für die Euro-Hüter jetzt nicht mehr zur Debatte.

Störfeuer aus Rom und Washington

Volkswirte erwarten, dass die EZB bis zum Jahresende schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm ("Quantitative Easing"/QE) zurückfahren wird. Mit steigenden Zinsen sollten Sparer frühestens 2019 rechnen, heißt es in Fachkreisen. Für private Kreditnehmer, die größere Summen wie etwa zum Immobilienkauf aufnehmen wollten, tickt damit die Uhr.

Erschwert werden könnte die Rückkehr zu geldpolitischer Normalität durch die jüngsten politischen Ereignisse: Nachdem US-Präsident Donald Trump Strafzölle für ausländische Güter angekündigt hat, droht ein weltweiter Handelskonflikt. Auch im Inneren des Europas gibt es potenzielle Störfaktoren: Draghis Heimatland Italien steht nach dem Sieg europakritischer Kräfte bei der Parlamentswahl eine schwierige Regierungsbildung bevor.

Beobachter gehen davon aus, dass sich EZB-Chef Draghi in der gegen 14.30 Uhr beginnenden Pressekonferenz neben den neuen Prognosen zum Wachstum und zur Inflation im Euroraum auch mit den protektionistischen Drohungen des US-Präsidenten und mit dem Wechselkurs des Euro befassen wird.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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