Wirtschaft

Bahn zahlt zweimal 3 Prozent Eisenbahner bekommen mehr

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Deutsche Bahn: Die Mitarbeiter wollen mehr sehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Angebot geht an die "Grenzen des Verkraftbaren": Um neue Streiks zu vermeiden, lenkt die Deutsche Bahn ein und zahlt ihren rund 130.000 Beschäftigten in zwei Schritten jeweils drei Prozent mehr Geld.

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Der Arbeitgeber bleibt nur knapp darunter: Die EVG war unter dem Motto "Gemeinsam für 6,5 Prozent" in die Tarifverhandlungen gezogen.

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Bahnreisende können aufatmen: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat sich mit der Deutschen Bahn auf Lohnerhöhungen für die 130.000 Beschäftigten des Konzerns geeinigt. Damit werden Tarifauseinandersetzung beendet, in deren Verlauf zehntausende Bahnkunden Verzögerungen und Zugausfälle hinnehmen mussten.

Die DB-Beschäftigten erhalten zum 1. Mai 2013 und zum 1. Juli 2014 jeweils drei Prozent mehr Lohn. Zudem wurde eine Einmalzahlung von 500 Euro vereinbart. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 19 Monaten und endet am 31. Juli 2014, teilte die Bahn mit. "Damit gehen wir an die Grenzen des Verkraftbaren", erklärte DB-Personalvorstand Ulrich Weber.

Die EVG hatte ursprünglich für ein Jahr 6,5 Prozent mehr Lohn gefordert. Die Bahn hatte zunächst verteilt auf zwei Jahre eine Anhebung um 2,4 und 2,0 Prozent angeboten. Durch EVP-Warnstreiks waren an einem Tag bundesweit über 150 Züge ganz oder teilweise ausgefallen.

Am Nachmittag waren der EVG-Bundesvorstand und die beiden zuständigen Tarifkommissionen zu einer gemeinsamen Sitzung zusammengekommen, um über Annahme oder Ablehnung der Offerte zu entscheiden. Innerhalb der Gewerkschaft waren vor allem die geplanten unterschiedlichen Tarifvertragslaufzeiten für einige Berufsgruppen umstritten.

Satte Gewinne

Für den Eigentümer der Bahn wirft der Schienenverkehrs- und Logistikdienstleister derzeit stabile Erträge ab. In diesem Jahr überweist die Deutsche Bahn eigenen Angaben zufolge dem Bund eine Gewinnbeteiligung von 525 Mio. Euro und damit genauso viel wie im vergangenen Jahr. Das habe die Hauptversammlung so beschlossen, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vor dem Wochenende erklärt.

Der Bund ist hundertprozentiger Eigentümer der Deutschen Bahn und kann damit im Alleingang festlegen, wie hoch die jährliche Zahlung ausfällt. Die Bahn hatte vergangene Woche ihre Bilanz 2012 veröffentlicht. Der in Deutschland marktbeherrschende Bahn-Konzern fuhr demnach insgesamt einen Rekordgewinn von 1,5 Mrd. Euro ein. 2011 hatten die Bahn einen Reingewinn von 1,3 Mrd. Euro verzeichnet.

Millionen für die Schiene

Kritiker monieren die Gewinnausweisung der Bahn als Augenwischerei: Das Unternehmen habe ein Drittel seines Gewinns mit Entgelten erwirtschaftet, die Dritte für die Nutzung des Schienennetzes bezahlten, schrieb das Bündnis "Bahn für Alle" in seinem Alternativen Geschäftsbericht 2012. Die Bahn verdient demnach an einer Infrastruktur, die zu einem großen Teil aus Steuergeldern finanziert wird.

Der Bund zahlt der Deutschen Bahn viel mehr Geld als er an der Dividende verdient. So wandert gut die Hälfte der Einnahmen aus der Gewinnausschüttung vom Bundeshaushalt an das Verkehrsministerium, das mit dem Geld den Schienenausbau kofinanziert.

2012 zahlte der Bund der Bahn allein für den Erhalt des 64.000 Kilometer langen Streckennetzes 2,5 Mrd. Euro. Weitere 1,2 Mrd. Euro kamen für den Ausbau der Schienen hinzu. Die Bahn selbst steckte gut 3 Mrd. Euro in das Netz.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa