Wirtschaft

1,06-Dollar-Marke unterschritten Euro-Absturz geht ungebremst weiter

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Der Euro ist auf einem 12-Jahres-Tief. Deutsche Exporte werden dadurch günstiger.

(Foto: REUTERS)

Der Euro setzt seine Talfahrt fort: Die Gemeinschaftswährung fällt auf unter 1,06 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren. Grund ist die Geldpolitik der Notenbanken in den USA und Europa. Am Markt wird diskutiert, wie es mit dem Euro weitergeht.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,22

Der Kurs des Euro macht auch nach dem 12-Jahres-Tief vom Vortag auf dem Weg nach unten keinen Halt. Belastet wird die europäische Gemeinschaftswährung derzeit durch die am Montag gestarteten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Allein seit Ende Februar hat der Euro bereits sieben US-Cent eingebüßt. Am heutigen Mittwoch fiel er sogar unter die Marke von 1,06 Dollar, nachdem er erst am Vortag erstmals seit April 2003 unter 1,07 Dollar gerutscht war.

Fachleute führen diese Verluste aber nicht nur auf die extrem lockere Geldpolitik der EZB zurück - die Devisenexperten der Commerzbank erklären damit lediglich ein Drittel der jüngsten Abgaben des Euro. Vielmehr belastet die drohende Zinsanhebung der US-Notenbank Fed Europas Gemeinschaftswährung - denn die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA treibt Investoren in Dollar-Anlagen. Zudem wird die amerikanische Währung von einer guten Konjunkturlage gestützt.

Marktteilnehmer warnen vor überzogenen Erwartungen

Doch der schwache Euro ist nicht unbedingt ein Grund zur Panik: Einige Dax-Unternehmen etwa könnten davon profitieren. Deutsche Exportgüter werden durch den schwachen Euro im Ausland billiger. Dank der günstigen Wechselkurse können etwa deutsche Autobauer den amerikanische Kunden ihre Fahrzeuge günstiger anbieten. Der größte Teil der deutschen Exporte geht allerdings in Länder der Eurozone, was den positiven Wechselkurseffekt in Grenzen hält.

Dennoch sind deutsche Aktien in jüngster Zeit sehr gefragt: Zuletzt markierte der Leitindex Dax ein weiteres Allzeithoch - getrieben vor allem von den steigenden Aktien der exportorientierten Autobauer Daimler, Volkswagen und BMW. "Momentan werden die Börsen vor allem von der Währungsentwicklung dominiert", heißt es an der Börse.

Wie geht es nun weiter mit dem Euro? Analysten gehen davon aus, dass die Schwäche der Gemeinschaftswährung erst einmal anhalten dürfte. Andere Marktteilnehmer warnen aber auch vor überzogenen Erwartungen an das weitere Abwärtspotenzial. "Die Parität ist sicherlich drin, wenn die US-Notenbank kommende Woche den Begriff 'geduldig' bezüglich der ersten Zinserhöhung herausnimmt", sagt ein Marktteilnehmer. Andererseits kursierten aber schon wieder Erwartungen eines Rückgangs auf die Rekordtiefs bei 85 US-Cent. "Angesichts eines Rückgangs um 25 Prozent seit vergangenem Mai dürfte das überzogen sein", sagt der Marktteilnehmer.

Quelle: ntv.de, sgu/DJ/dpa/rts