Wirtschaft

Parität zum Dollar Eurokollaps - das kann böse enden

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Der Euro ist in der Abwärtsbewegung.

(Foto: dpa)

Mit täglichen Rekorden feiert der Dax den drastischen Euro-Verfall. Anleger richten dabei den Blick nur auf die Exportchancen. Verbraucher werden die Euroschwäche aber noch spüren.

Auf das tiefste Niveau seit März 2003 ist der Euro gegenüber dem Dollar abgestürzt: Seit Jahresanfang hat die Gemeinschaftswährung um mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Greenback verloren. Dabei verbleiben noch mehr als zwei Wochen bis zum Quartalsende. Der aktuelle Rückschlag übertrifft damit selbst den Rückgang um elf Prozent während der Schuldenkrise im dritten Quartal 2008. Für derartige Kursbewegungen wie aktuell braucht es am Währungsmarkt üblicherweise ein Jahr oder noch mehr. Nun geht es innerhalb weniger Wochen. Die Kursziele vieler Analysten, wonach am Jahresende die Parität erreicht wird - also ein Euro einen Dollar kosten wird -, könnten bei dem aktuellen Tempo bereits in der nächsten Woche erreicht werden.

Deutschlands Export profitiert noch

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,21

Im Jahr 2014 hat der Euro gegenüber dem Dollar um zwölf Prozent abgewertet. Inklusive der Veränderungen gegenüber anderen Währungen hat der handelsgewichtete Euro aber um lediglich fünf Prozent nachgegeben. In dem Zeitraum waren die gesamten deutschen Ausfuhren um 3,7 Prozent auf 1133,6 Mrd. Euro gestiegen. Wie sehr der schwache Euro in diesem Jahr die Ausfuhr ankurbeln wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Denn die Deutschen exportieren vor allem Autos und Maschinen und konkurrieren eben genau nicht über den Preis, sondern über die Qualität.

Derweil bremst der starke Dollar die US-Wirtschaft erheblich. So prognostiziert die Notenbank von Atlanta, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal auf annualisiert 1,2 Prozent abkühlen wird. Das dämpft die Exportchancen der deutschen Unternehmen. Zudem kühlt sich das Wirtschaftswachstum in China zusehends ab.

Party beim Dax

Im Januar waren die deutschen Exporte um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. "Das neue Jahr startet somit für den Außenhandel enttäuschend. Die großen Zugpferde USA und China konnten die Einbrüche aus den anderen BRIC-Staaten sowie die anhaltende Wachstumsschwäche in der Eurozone nicht ausgleichen. Lediglich die Ausfuhren in die europäischen Länder außerhalb der Eurozone konnten ihr Wachstum auch im neuen Jahr fortsetzen“, sagte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). "Trotz niedrigem Euro-Kurs ist der Exporterfolg kein Selbstläufer. Vor diesem Hintergrund sehen wir die jüngsten Entscheidungen von Herrn Draghi kritisch. Die EZB hat hier eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufs lauert.“

Die Investoren am Aktienmarkt stört das alles nicht. Sie kaufen bei exportstarken Werten wie den Autobauern und Zulieferern, oder Unternehmen mit einem großen US-Geschäft wie der Deutschen Telekom, sowie Unternehmen, die Übernahmen in den USA tätigen, wie Infineon oder Merck, kräftig zu. Entsprechend sind Aktienbesitzer die großen Profiteure von Draghi’s Politik – und genau das bezweckt der EZB-Chef.

Die Zeche zahlen die Verbraucher

Während der Export etwas angekurbelt wird, belastet ein anhaltender Verfall des Euro die Verbraucher deutlich. Wegen des Einbruchs des Ölpreises war die Inflation immer weiter gesunken und die Verbraucherpreise im Februar um nur mehr 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Sollten die Ölpreise stabil bleiben, während der Euro weiter zur Schwäche neigt, werden die Konsumenten das bald an der Tankstelle zu spüren bekommen. Gleichzeitig müssen Verbraucher für den Import von Waren außerhalb der Euro-Zone mehr Geld auf den Tisch legen. In dem Umfeld könnten etwa die Preise für Elektrogeräte schnell um zehn Prozent steigen. Und auch der Urlaub, beispielsweise in der Türkei, dürfte deutlich teurer werden. Gleichzeitig entgehen den hiesigen Sparern zig Milliarden Euro an Zinsen, liegen doch rund zwei Billionen Euro an Bargeld und Einlagen zu Minizinsen herum. Das Geld fehlt für den Konsum, wodurch die Wirtschaft insgesamt gebremst wird.

Während sich Anleger über die Dax-Rally freuen, wächst das Risiko, dass es zu einem unkontrollierten Verfall des Euro kommt. Sollte es dazu kommen, könnten ausländische Investoren ihre auf Euro lautenden Aktien und Anleihen auf den Markt werfen, weil die Investoren hohe Währungsverluste einfahren würden. Dann dürften auch die Aktionäre die Währungsturbulenzen zu spüren bekommen.

Quelle: ntv.de

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