Wirtschaft

Beginnt der Drogenentzug? Fed entscheidet über Kurswechsel

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Was passiert hinter den dicken Mauern des Washingtoner Fed-Gebäudes?

(Foto: picture alliance / dpa)

Was macht die Fed? Die US-Notenbank ringt derzeit um einen Zeitpunkt, um aus der während der Finanz- und Wirtschaftskrise eingeleiteten ultralockeren Geldpolitik auszusteigen. Womöglich könnte sie eine baldige Drosselung ihres milliardenschweren Programms zum Aufkauf von Staatsanleihen bekanntgeben.

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Mit Spannung blicken die Finanzmärkte, aber auch Regierungen und Sparer weltweit auf Washington und die Ankündigungen des scheidenden Chefs der Federal Reserve, Ben Bernanke. Die US-Notenbank könnte jetzt Ernst machen mit dem Einstieg in den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Warum ist die heutige Entscheidung der Fed so wichtig?

Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 haben sich die großen Zentralbanken der Welt einer lockeren Geldpolitik verschrieben, um den Vertrauensverlust in das Bankensystem aufzufangen, die Zinslast der Staaten zu senken und die Konjunktur wieder anzukurbeln. Die Leitzinsen sind auf Tiefstständen oder sogar bei null wie in den USA. Um die Wirtschaft zusätzlich zu stimulieren, druckt die Fed jeden Monat frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Doch die US-Wirtschaft erholt sich, und die Anleihekäufe könnten nun etwas reduziert werden - es wäre der erste Schritt hin zu einem Kurswechsel der Notenbank. Was würde ein solcher Kurswechsel bewirken?

Eigentlich wäre die schrittweise Rückkehr zu "normalen" Leitzinsen ein Signal, dass die Krise der vergangenen Jahre überstanden ist. Doch die Finanzmärkte haben sich an die Droge frischen Geldes gewöhnt - auch die Börsen profitierten davon und erreichten in den USA oder in Deutschland neue Rekordstände. Bereits die Ankündigung von Bernanke im Mai, dass ein Kurswechsel bevorstehen könnte, sorgte für heftige Reaktionen an den Anleihe- und Aktienmärkten. Dies könnte ein Vorgeschmack darauf gewesen sein, was ein tatsächlicher Entzug in den kommenden Monaten auslösen wird. Aber im Moment laufen die Aktienmärkte doch wieder prima.

Leichtes Zurückfahren der Anleihekäufe?

Bei der Reaktion der Märkte schwingt viel Psychologie mit. Zu Wochenbeginn etwa bewirkte der Rückzug von Ex-US-Finanzminister Lawrence Summers als möglicher Nachfolger von Bernanke, der im Januar seinen Hut nimmt, einen Aufschwung an den Börsen. Denn damit wurde die US-Zentralbankerin Janet Yellen Favoritin in dem Rennen um den für die Entwicklung der globalen Wirtschaft wohl wichtigsten Posten der Welt - und sie gilt als Verfechterin einer eher lockeren Geldpolitik. Und noch ist der genaue Kurs der Fed ungewiss - mal überwiegt Hoffnung, mal Bangen an den Märkten mit Blick auf die mögliche Einstellung der Anti-Krisen-Maßnahmen. Welche Alternativen hat die Fed?

Am wahrscheinlichsten ist es, dass die US-Notenbank ihre monatlichen Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar etwas zurückfährt - zum Beispiel auf 75 Milliarden Dollar. Das dürfte den Erwartungen der Märkte entsprechen. Fällt die Reduzierung stärker aus, kann es wieder zu nervösen Reaktionen kommen. Die Fed könnte auch bei den Laufzeiten der zu kaufenden Papiere Änderungen vornehmen. Besonders wichtig ist der Ausblick: Zum Beispiel wenn die Zentralbank neue Angaben dazu macht, wann sie auch die Leitzinsen wieder erhöhen will - bisher ist dies daran gekoppelt, dass die Arbeitslosigkeit in den USA unter die Marke von 6,5 Prozent fällt. Was bedeutet das alles für die Anleger und Sparer in Deutschland?

Die US-Notenbankpolitik regiert die Finanzmärkte in aller Welt. Direkter Auslöser für die jüngste Währungskrise in etlichen Schwellenländern waren Bernankes Ankündigungen im Frühjahr. Auch der Dax wird sich nach Einschätzung von Experten kurz- und langfristig dem Einfluss der Nachrichten aus Washington nicht einziehen können.

Noch dramatischer könnten die Auswirkungen auf die Anleihemärkte sein: Kommt es zu keiner neuen Krise, dürften die Renditen von Staatspapieren dies- und jenseits des Atlantiks weiter steigen. Das wäre zumindest eine gute Nachricht für Sparer, die direkt - also nicht über einen Rentenfonds - in Bundesanleihen investieren wollen. Die immer noch mickrigen Zinsen dieser Papiere könnten dann nämlich höher ausfallen - was dem alten oder neuen Bundesfinanzminister allerdings etwas Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

Quelle: ntv.de, Alexander Missal, dpa

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