Wirtschaft

Nachfolger mit Durchblick Fielmann löst Cheffrage

Den deutschen Markt fest im Blick und dabei einen Umsatz von 2 Mrd. Euro im Fokus: Die Optikerkette Fielmann hat Großes vor und Firmenpatriarch Günther Fielmann denkt noch weiter. Er will seinen Nachfolger behutsam aufbauen - und der ist mittlerweile gefunden.

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Günther Fielmann: Sein Nachfolger soll mit Weitblick die Erfolgsgeschichte von Europas größter Optikerkette weiterführen. Irgendwann wird er den Chefstuhl für seinen Sohn Marc räumen.

(Foto: REUTERS)

Günther Fielmann stellt die Weichen für seine Nachfolge an der Spitze seiner Optikerkette. Der 70-jährige Firmenpatriarch will seinen 21 Jahre alten Sohn Marc schrittweise an die Unternehmensleitung heranzuführen. "Wir werden eine Arbeitsteilung finden", sagte er. Den Zeitpunkt des Einstiegs in das von der Familie kontrollierte Unternehmen will Fielmann noch nicht nennen.

Der 1939 in dem 300-Seelen-Dorf Stafstedt bei Rendsburg in Schleswig-Holstein geborene Fielmann eröffnete sein erstes Optikergeschäft vor 38 Jahren in Cuxhaven. Mit der Idee, günstige Brillen in ganz Deutschland anzubieten, begann sein Aufstieg bis zum Marktführer deutlich vor der Apollo-Kette. Dabei legte sich Fielmann mit seinen oft als provokativ empfundenen Werbeaktionen mit der gesamten Brillenzunft an.

Sicherheit im Vordergrund

Da Fielmann alle Fäden in der Hand hält - noch heute verlässt keine Mitteilung das Unternehmen, ohne dass der Chef selbst noch einmal Hand angelegt hat - wird an der Börse mit Interesse verfolgt, wie die Nachfolge geregelt wird. Manch ein Analyst bezweifelt, ob der erst 21-Jährige Sohn in die großen Fußstapfen seines Vaters treten kann. Der Filius studiert an der London School of Economics. Die Tochter ist gerade 16. Daher will Fielmann senior auch noch möglichst lange weitermachen, obwohl er bald 71 Jahre alt wird. Der Übergang an der Spitze sei nicht "von heute auf morgen" zu erledigen, betont Fielmann.

Fielmann allerdings fährt zweigleisig: Er hat bereits früh die zweite Management-Ebene verstärkt und so die Voraussetzung geschaffen, dass das Unternehmen auch bei Überraschungen nicht in Turbulenzen gerät. Finanzvorstand Georg Alexander Zeiss ist für Analysten ohnehin der wichtigere Ansprechpartner.

Schweigsamer Patriarch

Der seit der Firmengründung an der Spitze stehende Patriarch ist dafür bekannt, dass er selten über seine Pläne spricht. Das seit 1994 an der Börse notierte Unternehmen wächst seit Jahren in kleinen Schritten, große Sprünge gibt es nicht. Der Brillenverkauf legt kontinuierlich zu, zuletzt auf 6,4 (Vorjahr: 6,1) Millionen Stück - auch weil immer mehr Menschen wegen der Computerarbeit eine Sehhilfe benötigen. Mehr als 23 Millionen Menschen tragen eine Brille von Fielmann. Der Anteil an teuren Gleitsichtbrillen steigt dabei ständig - und damit auch Umsatz und Gewinn. 2009 machte der Konzern mit über 13.000 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von knapp einer Milliarde Euro. Der Jahresüberschuss lag bei 114 Millionen Euro.

Fielmann gelingt es immer wieder, durch findige Werbeaktionen den Verkauf anzukurbeln. Bereits seit mehreren Jahren erfolgreich ist eine Brillenversicherung. Dabei arbeitet Fielmann mit dem Versicherer Hanse Merkur zusammen und gewährt Kunden alle zwei Jahre eine neue Sehilfe. Übernahmen, um das Wachstumstempo zu beschleunigen, zieht der deutsche Branchenführer zwar in Betracht. Konkrete Vorhaben gibt es aber nicht. "Jede ernstzunehmende Kaufoption wird von uns analysiert", erklärt der Unternehmenschef.

Deutschland im Blick

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Auch diese Modelle gibt's bei der Optikerkette Fielmann.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Expansion außerhalb des deutschsprachigen Raums steht nicht auf der Agenda. "Nach wie vor ist Deutschland unser wichtigster Markt", sagt Fielmann. "Unser Ziel ist es, in allen regionalen Märkten 50 Prozent Absatzmarktanteil zu erreichen." Bisher ist Fielmann neben dem Heimatmarkt Deutschland in Österreich, der Schweiz, Benelux, Polen und dem Baltikum vertreten.

Die weitere Entwicklung ist damit vorgezeichnet. Mittelfristig, das heißt in fünf Jahren, will Fielmann in Deutschland 700 Niederlassungen betreiben, Ende 2009 waren es 551. "Im deutschsprachigen Raum wollen wir mittelfristig 1,3 Mrd. Euro umsetzen, langfristig in Europa 2 Mrd."

Quelle: ntv.de, rts