Wirtschaft

Verbot offener Immobilienfonds Fondsbranche läuft Sturm

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Immobilienfonds investieren vor allem in große Gewerbeobjekte wie Bürohäuser.

(Foto: picture alliance / dpa)

Um Kleinanleger vor Verlusten zu schützen, will Finanzminister Schäuble einige riskante Formen der Geldanlage für private Investoren verbieten. Betroffen davon sind auch offene Immobilienfonds, die nicht mehr neu aufgelegt werden sollen. Die Fondsbranche schäumt und fordert Änderungen - und selbst Verbraucherschützern geht ein Verbot zu weit.

Die Fondsbranche stemmt sich gegen ein geplantes Verbot neuer offener Immobilienfonds in Deutschland, das derzeit im Bundesfinanzministerium erarbeitet wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will künftig untersagen, dass weitere solcher Fonds aufgelegt werden. Er hält die Produkte nach der Finanzkrise für nicht mehr zeitgemäß. Vor allem Kleinsparer sollen auf diesem Wege vor Verlusten geschützt werden, indem ihnen der Zugang zu riskanteren Anlageformen verwehrt wird. Betroffen von der geplanten Verbot sind darüber hinaus auch Hedgefonds für Privatanleger.

Immobilienfonds

Mit Immobilienfonds können sich private und institutionelle Investoren an der Finanzierung großer Immobilienprojekte beteiligen. Ein Fonds investiert dabei üblicherweise in mehrere Immobilien gleichzeitig.

Bei einem sogenannten offenen Immobilienfonds können Investoren grundsätzlich jederzeit Fondsanteile kaufen oder verkaufen. Wegen einer Reihe von Fondsschließungen müssen Anleger größere Anteile von 30.000 Euro und mehr für mindestens 24 Monate halten und müssen die Rückgabe mit 12 Monaten Vorlauf ankündigen.

Bei geschlossenen Immobilienfonds sammelt die Fondsgesellschaft dagegen während eines Platzierungszeitraums Geld bei Anlegern. Anschließend investiert der Fonds dieses Geld in Immobilien, wo es oft für viele Jahre fest gebunden ist.

In den vergangenen Jahren haben offene Immobilienfonds ihren Anlegern reihenweise Ärger und Verluste beschert. Die Crux: Aus Sorge vor drohenden Verlusten im Zuge der Finanz- und Staatsschuldenkrise verkauften viele Anleger ihre Fondsanteile. Dadurch zwangen sie die Fondsgesellschaften in einem äußerst ungünstigen Marktumfeld zum Verkauf von Immobilien, wodurch Verluste entstanden und einige Fonds geschlossen werden mussten. Anleger, die sich bis dahin noch nicht von ihren Fondsanteilen trennen konnten, waren daraufhin zum Abwarten gezwungen, bis der Fonds im besten Falle nach einer Schonfrist wieder geöffnet wurde. Mehrere Fonds wurden jedoch bereits abgewickelt, darunter die Größen SEB Immoinvest und der Euroreal der Credit Suisse.

Das nun geplante Verbot neuer offener Immobilienfonds entrüstet die Branchenanbieter, sie sprechen von einer Entmündigung der Anleger. Zudem befürchten sie Geschäftseinbußen in ohnehin schwierigen Zeiten. Die Immobilienbranche, die mit dem Geld auch von offenen Immobilienfonds arbeitet, fürchtet sogar eine Kreditklemme. "Wir werden auf Nachbesserungen drängen", kündigte Bärbel Schomberg, Vizepräsidentin des Zentralen Immobilien Ausschuss, an.

Fonds wandern ins Ausland

Im Kern geht es bei dem Gesetzentwurf des Finanzministeriums um die Umsetzung einer EU-Richtlinie (AIFM), die bis spätestens 22. Juli 2013 in nationales Recht gegossen werden muss. Ziel ist eine einheitliche europäische Regelung. Die hiesige Fondsbranche befürchtet aber, dass die Regierung über das Ziel hinausschießt und den Standort Deutschland schädigt, weil neue Produkte dann eher in weniger regulierten Märkten aufgelegt werden. "Der über viele Jahre zu beobachtende Abwanderungstrend der deutschen Fondsbranche Richtung Luxemburg oder Irland sollte Anlass genug sein, sich aktiv für den Fondsstandort Deutschland einzusetzen", mahnt der Bundesverband Alternative Investments (BAI), der vor allem die Hedgefonds aus der Schusslinie nehmen will. Und auch der Finanzchef eines großen Immobilienunternehmens gibt zu bedenken: "Das hier ist eine sehr verunglückte Operation. Wir werden mit unseren Immobilienfonds dahin gehen, wo es für den Anleger am besten ist."

Noch handelt es sich bei dem fast 600 Seiten dicken Papier um einen ersten Referentenentwurf. Das Kabinett wird sich voraussichtlich erst im Herbst mit dem Thema befassen. "Da ist noch viel Verhandlungsmasse drin", verlautet aus dem Umfeld des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), der für die klassischen Fondsanbieter spricht. Das Ministerium lässt sich bislang nicht in die Karten schauen, an welchen Punkten es kompromissbereit sein könnte.

Selbst Verbraucherschützer mosern

Dass sich die Kritik vor allem am geplanten Verbot der offenen Immobilienfonds entzündet, liegt daran, dass diese Produkte gerade erst mit dem Anlegerschutzgesetz neu reguliert wurden. Es sieht feste Haltefristen für Fondsanteile vor, damit die Produkte nicht erneut - wie in der Finanzkrise - in Schieflage geraten, wenn auf einen Schlag Milliardensummen abgezogen werden. Doch das Gesetz konnte seine Wirkung noch gar nicht entfalten, weil es erst im Januar 2013 in Kraft tritt. Deshalb plädiert auch der Verbraucherzentrale Bundesverband dafür, zunächst einmal abzuwarten und zu prüfen, "ob dann tatsächlich nachgesteuert werden muss".

Nach dem bisherigen Gesetzentwurf sollen nur jene offenen Fonds bestehen bleiben, die die Krise überlebt haben. Wenn aber keine neuen Produkte mehr aufgelegt werden, dann schließe das viele Kleinsparer vom Immobilienmarkt aus, kritisiert der BVI. Denn über die für jedermann zugänglichen Publikumsfonds könnten sich Privatanleger schon mit sehr kleinen Beiträgen beteiligen, während Investments in geschlossene Fonds mit nur einem Objekt künftig nur noch ab 50.000 Euro möglich sein sollen.

Noch schwerwiegender wäre das Verbot für die offenen Immobilien-Spezialfonds, die Gelder von institutionellen Kunden wie Versicherern einsammeln. Allein hier hat sich das Fondsvolumen in den vergangenen zehn Jahren auf über 34 Mrd. Euro vervierfacht. Der Immobilien-Spitzenverband ZIA beklagt, diese Produktgruppe werde völlig zu Unrecht in Sippenhaft genommen, da sie in der Vergangenheit keine Probleme verursacht habe. Stattdessen drohten sich die Finanzierungsprobleme im Immobiliensektor zu verschärfen. "Offene Immobilienfonds würden künftig als Kapitalsammelstelle ausfallen", erklärt ZIA-Vizepräsidentin Schomberg. Und in geschlossene Vehikel dürften Versicherer nicht investieren.

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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