Wirtschaft
Vom Flächenbedarf her beansprucht der runde Flughafen nur ein Drittel eines herkömmlichen.
Vom Flächenbedarf her beansprucht der runde Flughafen nur ein Drittel eines herkömmlichen.(Foto: The Endless Runway)
Mittwoch, 29. März 2017

Projekt "Endless Runway": Forscher planen kreisrunden Flughafen

Von Kai Stoppel

Ein Flughafen mit einer runden Start- und Landebahn soll künftig die Lärmbelästigung verringern. Zudem soll er deutlich weniger Fläche in Anspruch nehmen. Die Entwickler hoffen, dass bereits in 20 Jahren der erste Kreis-Airport öffnet.

Immer mehr Menschen bevorzugen das Flugzeug als Transportmittel, auch für mittlere Distanzen. Die Zahl der Passagiere wächst Jahr für Jahr und soll bis 2035 von weltweit derzeit 3,8 Milliarden auf dann 7,2 Milliarden steigen. Das macht immer mehr Kapazitäten an Flughäfen notwendig, deren Ausbau kostspielig ist und auf Widerstände der Bevölkerung trifft. Ein Konzept von europäischen Luftfahrtforschern könnte Abhilfe schaffen. Sie haben mit Fördermitteln der EU einen Flughafen mit einer runden Start- und Landebahn entwickelt.

Das Eckige muss in diesem Fall ins Runde: Mehrere Flugzeuge gleichzeitig sollen auf der kreisrunden Piste starten und landen können.
Das Eckige muss in diesem Fall ins Runde: Mehrere Flugzeuge gleichzeitig sollen auf der kreisrunden Piste starten und landen können.(Foto: The Endless Runway)

Was zunächst verwunderlich klingt, hat laut den Forschern unter der Leitung des Netherlands Aerospace Centre (NLR) mehrere Vorteile: Das Konzept mit dem Namen "The Endless Runway" (Die unendliche  Rollbahn) beansprucht weniger Fläche als herkömmliche Flughäfen, verringert den Ausstoß von klimaschädlichen Abgasen und reduziert die Lärmbelästigung.

Der wesentliche Clou der runden Start- und Landebahn: Es gibt für die Flugzeuge keine Vorgaben, an welchem Punkt sie starten oder landen müssen. Sie können in alle Richtungen abheben und aus allen Richtungen landen. Das ermöglicht es den Flugzeugen zum einen, immer eine Stelle zu finden, an der es nur Gegenwind und keinen Seitenwind gibt, erläutert der Forschungs- und Entwicklungsleiter bei NLR, Henk Hesselink, dem "Magazin International Airport Revue". So soll unabhängig von der Wetterlage der Betrieb stabil bleiben. Anders sei es bei herkömmlichen Flughäfen, wo starke Winde die Kapazität einschränkten.

Treibstoff sparen und Lärm mindern

Zum anderen können Flugzeuge sofort in die Richtung ihres Ziels abheben und müssen nach dem Start keine nachträglichen Kurven fliegen. Damit kann der Aufenthalt der Flugzeuge im Luftraum um den Flughafen reduziert werden. Gleichzeitig gibt es keine festgelegten Einflugschneisen mehr, in denen es zu einer erhöhten Lärmbelästigung kommt. Obendrein wird auch noch Treibstoff eingespart und dadurch der Ausstoß klimaschädlicher Gase verhindert.

Der Endless Runway soll einen relativ großen Durchmesser von 3,5 Kilometern haben, was einer Länge von zehn Kilometern entspricht. "Dadurch fühlen sich die Passagiere bei Starts und Landungen nicht wie auf einer Achterbahn", sagte Hesselink. Vielmehr würden sie Kräfte von maximal 1,2 g erfahren - dies sei vergleichbar mit einem Reisezug in einer Kurve.

Die Rollbahn ist mit 140 Meter allerdings sehr breit und zur Mitte geneigt. Beim Starten drückt die Zentrifugalkraft ein Flugzeug vom inneren Rand nach außen, beim Landen wird es beim Abbremsen wiederum von außen nach innen gelenkt. Versuche mit Militärmaschinen aus den 1960er-Jahren hätten ergeben, dass eine derartig geneigte Start- und Landebahn für Piloten einfach zu benutzen sei - allerdings nach anfänglichen Schwierigkeiten.

Inbetriebnahme in 20 Jahren?

Die Kapazität des Konzepts mit runder Start- und Landebahn sei ähnlich der eines konventionellen Flughafens mit vier Start- und Landebahnen, so Hesselink. Wobei die Länge der Piste der von lediglich drei herkömmlichen entspricht. Das ist möglich, weil die runde Bahn von mehreren Flugzeugen gleichzeitig benutzt werden kann. Durch die Kreisform können alle notwendigen Gebäude in der Mitte gebaut werden, was wiederum Platz spare: Es würde nur ein Drittel der Fläche eines vergleichbaren herkömmlichen Flughafens benötigt.

Allerdings gibt es auch ein paar Hindernisse, räumt Hesselink ein. Zum einen wären da die Baukosten. Diese sind um etwa das 1,5-Fache höher als bei konventionellen Flughäfen. Grund sind die breiteren Piste, für die mehr Beton benötigt wird, und die Neigung der Bahn, welche eine komplexere Konstruktionsweise erfordert. "Zu den größten Herausforderungen gehört die Sicherheit", so der Chef-Entwickler. Bei künftigen Versuchen werde daher vor allem die Möglichkeit eines sicheren Betriebs im Mittelpunkt stehen.

Bisher handelt es sich bei dem Flughafen nur um eine Simulation. Ursprünglich sei das Konzept für Lösungen nach 2050 gedacht gewesen, so Hesselink. "Aber bei der Aufmerksamkeit, die wir erhalten, hoffe ich, dass das Thema schneller umgesetzt wird." Optimistisch geschätzt könnte es in 20 Jahren schon den ersten kreisrunden Flughafen geben.

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Quelle: n-tv.de