Wirtschaft

"Der Alte muss jetzt weg" Front gegen Piëch wächst

Für den VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch wird es ungemütlich. Nicht nur, dass er den Machtkampf mit Vorstandschef Martin Winterkorn verliert. Nun könnte dem Patriarchen die Absetzung drohen - auch wenn er etwas Rückendeckung bekommt.

Nach dem gewonnenen Machtkampf um die Spitze des VW-Konzerns sieht Vorstandschef Martin Winterkorn sich und das Unternehmen gestärkt. "Dieser Vertrauensbeweis ist Rückenwind auf unserem Weg, Volkswagen zum erfolgreichsten Automobilkonzern der Welt zu machen", sagte Winterkorn der "Bild am Sonntag".

Winterkorn hat guten Grund, entspannt zu sein, denn offenbar wächst die Front gegen seinen Widersacher, den Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Dem Zeitungsbericht zufolge sieht sich Piëch im Aufsichtsrat zahlreichen Gegnern gegenüber. "Die Mehrheit ist gegen Piëch", zitiert das Blatt einen Aufsichtsrat.

Demnach wollen neben den zehn Arbeitnehmervertretern auch die jeweils zwei Aufsichtsräte des Landes Niedersachsen und der Porsche-Familie Piëch abwählen. Dies wären 14 der 20 Aufsichtsräte. "Der Alte muss jetzt weg", umschreibt laut der Zeitung ein Aufsichtsrat die Stimmung gegen Piëch.

Rückendeckung von Huber

Volkswagen-Aufsichtsrat Berthold Huber wies allerdings Spekulationen über ein Rücktritts-Szenario als substanzlos zurück. "Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piëch zu betreiben. Die Arbeitnehmer haben zum wiederholten Male erklärt, dass wir die Kombination zweier starker Persönlichkeiten an der Spitze von Volkswagen schätzen", sagte Huber. "Wir haben die feste Absicht, mit Dr. Piëch und Dr. Winterkorn den erfolgreichen Weg von Volkswagen auch in Zukunft fortzusetzen."

Auch das Land Niedersachsen als Großaktionär trat Spekulationen um Piëchs Zukunft entgegen. "Ministerpräsident Stephan Weil hat stets betont, dass er die erfolgreiche Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns als auch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden fortsetzen will. An dieser Haltung hat sich nichts geändert", teilte Regierungssprecherin Anke Pörksen mit.

Das sechsköpfige Präsidium des Volkswagen-Aufsichtsrats hatte sich am Freitag für den Verbleib des 67-jährigen Winterkorn an der Konzernspitze und eine Vertragsverlängerung für ihn ausgesprochen. Der 78-jährige Aufsichtsratschef Piëch konnte sich somit nicht durchsetzen.

Hintergrund des Machtkampfes war eine Äußerung Piëchs, der gesagt hatte: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Damit hatte er dessen Zukunft bei VW in Frage gestellt.

Piëch zunächst stur

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, der Streit im Präsidium des Gremiums sei am Donnerstag so weit eskaliert, dass es da schon fast zu einer Revolte gegen Piëch gekommen wäre. Piëch hatte sich demnach zunächst hartnäckig geweigert, Winterkorn im Amt zu belassen und einer entsprechenden Erklärung der übrigen fünf Mitglieder zuzustimmen.

Dem Bericht zufolge forderte er zumindest eine Kompensation für sein Wohlverhalten. Die fünf anderen Aufsichtsräte blieben demnach aber hart und schlugen Piëch jedes Zugeständnis aus. Sie seien sogar bereit gewesen, ihn notfalls zum Rücktritt aufzufordern. Am Freitag habe Piëch schließlich eingelenkt.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa

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