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Warten auf die Jahresendrally Fünf Gründe, warum die Dax-Rally weitergeht

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Rally, Konsolidierung, Bilanzkosmetik: In den letzten Wochen des Jahren kann viel passieren.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Der deutsche Leitindex schwächelt. Ist das eine Konsolidierung im Aufwärtstrend oder müssen Anleger gar Schlimmeres befürchten?

Viele Dax-Investoren sind verunsichert, weil die erhoffte Jahresendrally nicht richtig in Schwung kommt. Dabei ist sogar der Crashmonat Oktober so gut wie lange nicht mehr gelaufen. Im November gab es zwar ein paar schwache Konjunkturdaten aus China, aber es spricht derzeit viel mehr dafür, dass der Dax nach dem jüngsten Kursrückgang wieder auf Rekordfahrt gehen könnte:

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1. Weltwirtschaft: Die Weltwirtschaft läuft besser als viele Investoren erwartet hatten - und sie dürfte sogar noch weiter an Schwung gewinnen. Das spiegelt beispielsweise das Ifo Weltwirtschaftsklima wider. Es ist zuletzt auf das höchste Niveau seit dem zweiten Quartal 2011 gestiegen. "Die befragten Experten beurteilten die aktuelle Lage erneut positiver als im Vorquartal. Auch ihre Erwartungen fielen optimistischer aus", erklärt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim englischen Broker ActivTrades. Die florierende Weltwirtschaft ist das beste Umfeld für den Dax, denn im deutschen Leitindex machen Zykliker, also Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren, 55 Prozent des Indexgewichts aus und damit mehr als in fast jedem anderen Index der Welt.

2. Gewinnschätzungen: Mit dem soliden Wachstum der Weltwirtschaft hellen sich die Geschäftsperspektiven der Dax-Unternehmen weiter auf. Zwar haben Analysten zuletzt die Gewinnschätzungen für 2017 ein wenig gesenkt, allerdings werden die Erwartungen für 2018 zusehends angehoben. So prognostizieren Finanzprofis für das nächste Jahr einen Gewinnanstieg um 10,1 Prozent auf 983,2 Indexpunkte. Vor zwölf Monaten lagen die Schätzungen noch bei 933,9 Punkten. Steigende Gewinnerwartungen sollten den Index beflügeln.

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3. Bewertung: Nach dem jüngsten Kursrückgang liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 13,4. Das ist ein Aufschlag um 20 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und zeigt, wie stark die Nullzinsen der EZB die Bewertung des Dax nach oben treiben. Allerdings ist der Dax viel niedriger bewertet als der S&P 500 mit 18. In einem anhaltend guten Konjunkturumfeld könnte daher weiterhin Geld in deutsche Aktien fließen, womit allerdings die Bewertung weiter aufgepumpt werden würde.

4. Nullzinsen: Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen liegen bei knapp unter 0,4 Prozent. Wegen der Niedrigzinsen greifen Investoren auf der verzweifelten Suche nach Rendite bei Dax-Aktien zu, zumal die Dividendenrendite des Index bei 2,8 Prozent liegt. Obwohl die EZB ihr Anleihenkaufprogramm ab Januar 2018 auf 30 Mrd. Euro pro Monat halbieren wird, dürften die Zinsen kaum steigen, denn die EZB dürfte weiterhin mehr Papiere kaufen, als die 19 Länder der Euro-Zone netto emittieren. Durch die massiven Käufe der EZB sinkt also der Anleihenbestand, der für institutionelle Investoren, wie Versicherer und Pensionsfonds, und Privatanleger zur Verfügung steht. Damit treibt die EZB die Preise nach oben und gleichzeitig die Zinsen nach unten - ein anhaltend gutes Umfeld für Dax-Aktien.

5. Stimmung: Es herrscht kein überbordender Optimismus, der eine allzu starke Euphorie signalisiert. Zuletzt hat die Deutsche Bank deutsche Aktien von "übergewichten" auf "untergewichten" abgestuft. "Auch die Put-Call-Ratio etwa am US-Terminmarkt, die quasi das Verhältnis von Pessimisten zu Optimisten misst, zeigt derzeit keine allzu starke Verzerrung in die eine oder andere Richtung an", erklärt Manuel Suckart vom Onlinebroker Degiro. Sollte die Hausse in den USA oder beim Dax wieder anspringen, könnten viele Investoren auf den fahrenden Zug aufspringen und die Aktienmärkte auf noch viel höhere Niveaus steigen.

Die Verunsicherung der Investoren könnte zwar noch kurzfristig anhalten. Das fundamentale Umfeld für den Dax ist allerdings weiterhin gut - abgesehen von der hohen Bewertung. Daher könnte der Index schon bald wieder seine Rekordfahrt fortsetzen.

Quelle: n-tv.de

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