Wirtschaft

IWF fordert Notfallplan G20 fürchten Unsicherheit nach Brexit

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Im chinesischen Chengdu trifft der britische Schatzkanzler Philiip Hammond (2. v.l.) auf seine internationalen Kollegen.

(Foto: REUTERS)

Auf dem G20-Treffen muss sich der neue britische Schatzkanzler Philip Hammond den kritischen Fragen seiner Kollegen stellen - denn an einem konkreten EU-Ausstiegskonzept fehlt es noch immer. Einen Streit wollen die Finanzchefs indes in jedem Fall vermeiden.

Die Gruppe der führenden Schwellen- und Industrieländer (G20) will sich von der Brexit-Entscheidung der Briten nicht beirren lassen und ihre Bemühungen um mehr Wachstum verstärken. Allerdings: "Der Ausgang des Referendums über die EU-Mitgliedschaft hat zu weiteren Unsicherheiten in der globalen Wirtschaft beigetragen", räumte die G20 im Entwurf ihres Abschlusskommuniques zum Treffen ihrer Finanzminister und Notenbankchefs im chinesischen Chengdu ein. Mit den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Folgen der Entscheidung könnten die Länder aber umgehen, so die G20.

Aus Furcht, dass ein von Streit geprägter Brexit die ohnehin verwundbare Weltwirtschaft ausbremsen könnte, drängten die Finanzminister Großbritannien und die EU dazu, beim Ausscheiden der Briten aus der EU zügig und freundschaftlich vorzugehen. Zudem fürchtet man, die Volatilität an den Finanzmärkten könnte dadurch angeheizt werden, was wiederum das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern beeinträchtigen würde. "Großbritanniens Ausscheiden aus der EU hat der Welt zusätzliche Komplexität gebracht", hatte der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang bereits am Freitag gesagt. "Die Entwicklung der Weltwirtschaft ist an einem kritischen Punkt".

IWF fordert Notfallplan

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte gewarnt, langwierige und feindselige Verhandlungen könnten die globalen Wachstumsaussichten belasten. Die G20 müsste angesichts der Risiken eines Abschwungs einen Notfallplan für ein gemeinsames Stimulierungsprogramm vorbereiten. "Das Letzte, was wir jetzt brauchen können, ist mehr Unsicherheit", sagte Angel Gurría, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Unglücklicherweise sei diese aber jetzt durch das Brexit-Votum gekommen. Das verschärfe die ohnehin schwierige Lage.

Der neue britische Schatzkanzler Philip Hammond musste sich bei seiner Premiere im G20-Kreis Fragen vieler Kollegen gefallen lassen. Ein fertiges EU-Ausstiegskonzept konnte er noch nicht vorweisen. Im Vorfeld der Brexit-Entscheidung hatten die meisten Partner-Regierungen die Briten vor einschneidenden Folgen gewarnt, sollten sie die EU verlassen.

Schäuble bleibt nach außen gelassen

Inzwischen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft zurückgenommen und dabei die Schätzungen für das Vereinigte Königreich massiv reduziert. Wirtschaftsdaten vom Freitag signalisieren, dass die wirtschaftliche Aktivität auf der Insel dramatisch einbrechen könnte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte indes nach dem Gespräch mit Hammond, man sei sich einig, dass die Schäden des Ausstiegs aus der EU für beide Seiten so gering wie möglich gehalten werden müssten. Stabilitätsgefahren auf den Finanzmärkten sieht der deutsche Minister derzeit keine. Und Stützungsmaßnahmen, um in dem Land die Brexit-Folgen abzudämpfen, hält Schäuble für eine Sache der Briten selbst. Sein italienischer Kollege Pier Carlo Padoan forderte von Großbritannien möglichst rasch Klarheit, wie sie weiter verfahren wollen. Frankreichs Finanzminister Michel Sapin sprach davon, dass Großbritannien selbst auf den Brexit nicht vorbereitet gewesen sei. In ihrem Kommunique äußerten die G20-Länder: "Wir hoffen, dass Großbritannien auch künftig ein enger Partner der EU bleibt."

Quelle: n-tv.de, jgu/DJ/rts

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