Wirtschaft
Mittwoch, 09. Dezember 2009

VW stärkt sich mit Suzuki: Gipfelsturm der Wolfsburger

Diana Dittmer

Bis 2018 will VW-Chef Martin Winterkorn Toyota vom Thron der besten Autohersteller der Welt gestoßen haben. Mit dem Einstieg bei Suzuki ist er seinem Ziel entschieden näher gekommen. Der indische Markt liegt ihm jetzt zu Füßen. In den Augen der Experten ein ausgesprochen geschickter Schachzug, um an die Weltspitze vorzurücken.

Der Weg zum Gipfel führt in diesem Fall durch das Tor von Indien.
Der Weg zum Gipfel führt in diesem Fall durch das Tor von Indien.(Foto: REUTERS)

"Wir spielen auf Angriff", unterstrich Winterkorn Anfang des Monats aus Anlass der Porsche-Übernahme die Ernsthaftigkeit seines Plans. So großspurig solche Sprüche auch klingen mögen, eins muss man Winterkorn lassen, er lässt – mit Ferdinand Piech im Nacken - seinen Worten Taten folgen.

Das Potenzial für Synergien uwischen den beiden Autobauern ist in der Tat vielversprechend. Denn während VW auf Mittelklasseautos spezialisiert ist, liegt der Fokus bei Suzuki auf günstigen Kleinwagen und Zweirädern. Das Segment der Kleinwagen ist besonders attraktiv, denn es ist der am schnellsten wachsende Bereich in der Autowelt, weil Millionen Menschen in den größten Schwellenländern Indien oder China in den nächsten Jahren noch mobil machen werden. Auch hier ergänzen sich die Firmen. Denn Suzuki ist im Unterschied zu Volkswagen in Ländern wie Indonesien und Indien bereits gut aufgestellt.

Suzuku ergänzt die VW-Palette nach unten. Das kommt an der Börse gut an.
Suzuku ergänzt die VW-Palette nach unten. Das kommt an der Börse gut an.(Foto: REUTERS)

Suzuki öffnet dem deutschen Autobauer somit das Tor nach Indien. Der Deal ist in den Augen des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer so gut, dass VW seiner Ansicht nach in den nächsten fünf bis zehn Jahren Suzuki sogar komplett übernehmen dürfte. Die Autobauer haben vorsorglich eine langfristige strategische Partnerschaft vereinbart. Europas größter Autokonzern erwirbt 19,9 Prozent an Suzuki, im Gegenzug will der japanische Konzern bis zur Hälfte des erhaltenen Kaufpreises in VW-Aktien investieren. Mit dem Einstieg von VW bei Suzuki haben wochenlange Spekulationen endlich ein Ende. Und die Anleger an der Börse honorieren das.

Millionen wollen Mobilität

Wirtschaftsexperten sind sich einig: Neben China ist Indien der Automarkt der Zukunft. Hier sollte auch ein Autobauer engagiert sein. Denn die Wachstumsrasten sind enorm. In den vergangenen fünf Jahren lag das Wachstum bei durchschnittlich 17 Prozent. Auch in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise wird der Wunsch nach individueller Mobilität in Indien großgeschrieben. Einige Experten gehen davon aus, dass der Automobilmarkt dort bis 2014 von derzeit 1,2 Mio. auf über 2,0 Mio. Fahrzeuge jährlich wachsen wird. Andere sprechen sogar von mehr als 3,0 Mio. bis zum Jahr 2015. Im Jahr 2030 – so die weiteren Prognosen – soll Indien Europa und Japan überholt haben und nach den USA und China auf Rang drei der Auto-Weltrangliste stehen.

Täglicher Verkehrsinfakrt in Delhi: Subjektiv gesehen hat der Subkontinent schon heute zu viele Auitos.
Täglicher Verkehrsinfakrt in Delhi: Subjektiv gesehen hat der Subkontinent schon heute zu viele Auitos.(Foto: REUTERS)

Suzuki hat sich auf diesem Markt bereits die absolute Marktanteil-Mehrheit gesichert. Das vorherrschende Auto ist der Suzuki Alto, der zu Preisen ab etwa 8.000 Dollar zu haben ist. Das halbstaatliche Joint Venture Maruti Suzuki war mit einem Anteil von 54 Prozent Ende 2008 in Indien erfolgreicher als der VW-Konzern in Deutschland in den allerbesten Zeiten. Das setzt neue Maßstäbe für die Deutschen.

Vorstoß nach Indien

Die Zeichen der Zeit haben die Wolfsburger allerdings schon vor Jahren erkannt. Indien ist kein Neuland für sie. Schon längst sind sie strategisch mehrgleisig unterwegs. Während der Konzern seine europäische Führungsposition – auch in Zeiten der Krise - verteidigt und hierzulande am Projekt Porsche schraubt, hat er sich bereits in den Schwellenländern in Position gebracht. Seit 2001 fertigt der Autobauer in seinem Werk im indischen Aurangabad Fahrzeuge der Marken Skoda, Volkswagen und Audi. Der Konzern investiert neben der Erweiterung der Produktionskapazitäten in eine leistungsfähige indische Zulieferindustrie und baut sein Händlernetze aus.

Indien steht erst am Anfang der Massenmobilisierung.
Indien steht erst am Anfang der Massenmobilisierung.(Foto: REUTERS)

Noch vor dem Engagement bei Suzuki hat Volkswagen die Tür zum umkämpften indischen Markt für Billigwagen aufgestoßen. Als erster deutscher Autobauer nahm der Konzern eine Vollproduktion auf. Bei der Fabrik in Pune handelt es sich um eine der modernsten Fertigungsstätten des VW-Konzerns. Gleichzeitig ist es die einzige Produktionsanlage eines deutschen Automobilherstellers in Indien, die eine gesamte Fertigung vom Presswerk über Karosseriebau und Lackiererei bis hin zur Montage umfasst.

Seit Mai läuft die Produktion mit dem Kompaktwagen Skoda Fabia. Aber dabei soll es nicht bleiben. Ab Frühjahr 2010 läuft zusätzlich die Produktion einer speziell für den indischen Markt entwickelten Fliessheck-Version des Volkswagen Polo an. Allein das finanzielle Engagement in Pune lag bei 580 Millionen Euro. Damit ist das Werk die bisher größte Investition eines deutschen Unternehmens in Indien. Die maximale Jahreskapazität in dem Werk liegt bei 110.000 Stück.

Erfolgreiche Aufholjagd 

Günstige Kleinwagen kann Volkswagen nicht in Deutschland entwickeln, denn Indien schützt seinen Markt mit hohen Einfuhrzöllen. Also müssen die Massenmodelle statt in Wolfsburg, Stuttgart oder am US-Standort Detroit in Delhi, Pune oder Channai gebaut werden. Hier gab es also Handlungsbedarf.

Mit seiner neuen Allianz hat Volkswagen nicht nur einen Fuß im Tor von Indien, sondern rückt mit der Verstärkung durch Suzuki auch ganz dicht an Toyota heran. Laut Dudenhöffer hat Volkswagen nun sogar den Schlüssel, "weltweit die Marktführerschaft zu erringen". Und auch wenn Toyota selbst Expansionspläne auf dem Kontinent verfolgt und die Marktführerschaft nicht so leicht zu knacken ist, der Markt auf dem indischen Subkontinent sollte doch groß genug sein, um  mehreren Wettbewerbern Platz zu bieten.

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Quelle: n-tv.de