Wirtschaft

Welt-Handelsindex Globaler Handel verliert an Dynamik

Das Abkühlen der globalen Konjunktur schlägt sich im Welthandel nieder. Allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden. Der "Welt-Handelsindex" zeigt besonders für Deutschland eine deutliche Entwicklung.

Mit einer leichten Abschwächung gegenüber dem Vormonat verdeutlicht der "Welt-Handelsindex" die Situation im globalen Handel, wenn es um den Austausch von Waren, Gütern und der Nachfrage nach Dienstleistung geht. Messbar ist auf allen vier Transportwegen - Schifffahrt, Luftfahrt, Schiene und Wasser -, dass die großen Volkswirtschaften wie die USA, Europa und Asien verschiedene Verlaufsmuster zeigen.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Während in den USA weiterhin von einer stabilen konjunkturellen Nachfragesituation auszugehen ist, die zwar gemessen an der Potenziallinie des vergangenen Jahres schwächer ausfällt, gerade was das Thema Dienstleistung angeht oder auch Vorleistungsgüter in der Kette der Komplettfertigungen, zeigt sich auf der anderen Seite der Welt ein anderes Bild. Insbesondere in Märkten wie China, Südkorea, Taiwan, Thailand und auch Indien sowie Japan ist eine weiterhin hohe Nachfrage nach Dienstleistungen zu sehen, gemessen an den vergangenen zwölf Monaten. Das betrifft ebenfalls den Industrieanteil der Vorleistungsgüter, die aus den Märkten Europas, USA und Großbritanniens importiert werden, um beispielsweise in der Endfertigung dann für den asiatischen Markt verarbeitet zu werden. Dieser Anteil ist zwar messbar weniger geworden, dennoch im Fünfjahresdurchschnittsvergleich auf einem hohen und noch akzeptablen Niveau.

"Der Welthandel leidet deutlich unter den möglichen zusätzlichen Handelszöllen beziehungsweise den bisherigen Umsetzungen gerade in China", Markus C. Zschaber. "Vor allem die psychologische Angstkomponenten vor höheren und weiteren Zöllen belastet die Handlungen in den Unternehmen sehr und spielt eine sehr ausgeprägt Rolle bei zukünftigen Investitionsentscheidungen", erläutert der Chef der V.M.Z. Vermögens-verwaltung in Köln, die monatlich den "Welt-Handelsindex" veröffentlicht.

Insbesondere Asien wird derzeit von einer Stärke der benannten Länder innerhalb der Infrastrukturinvestitionen basierend auf binnen-konjunktureller Nachfrage stimuliert und liefert positive Signale zum Ergebnis des Welthandels, so dass man hier zwar unter der Expansionskurve liegt, aber mit Blick auf die Zukunft die Potenziallinie weiterhin aufrecht erhält. Vor allem Südkorea weist erneut auf eine hohe Produktivität hin, gefolgt von den Ländern Taiwan, Thailand, insbesondere im Bereich der Software- und Informationstechnologie. Dieses verdeutlicht erneut, dass das chinesische Wachstumsmodell hin zu einem aktiven und stärkeren asiatischen Binnenmarkt, sich in seiner Funktionalität verbessert und in der Handelsdynamik dadurch gegenüber dem Rest der Welt unabhängiger wird. Die gemessene Wertschöpfung unterstützt damit die Weltindustrieproduktion. Ebenso wird auch unter der Zoll-Last die globale Nachfrage insbesondere aus den USA bedient, allerdings mit abnehmender und schwächerer Tendenz.

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Für Europa sehen wir ein gemischtes, jedoch nicht ganz negatives Bild, welches bereits Rezessionssignale sendet. Zwar wird eine ganz klare Abschwächung der strukturellen Nachfrage aus Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal sowie weiteren EU Ländern nach Gütern und Dienstleistungen erkannt. Dies führt zwangsläufig zu einem sehr mageren Exportgeschäft, wie es sich aus den aktuell ermittelten Zahlen ablesen lässt. Aber ein Hoffnungsschimmer bietet derzeit das Drittstaatenexportgeschäft, welches sich etwas verbesserte, mit einem Ausfuhranteil in Höhe von plus drei Prozent. In diesem Zusammenhang leidet besonders Deutschland gemessen an den Vorjahreszahlen, denn diese erreichten mit einem Exportwarenvolumen in Höhe von 1317,9 Milliarden Euro einen absoluten Spitzenwert sowohl innerhalb unseres Wirtschaftsraumes als auch außerhalb.

Auch der dagegen zu rechnende Import in Höhe von 1090 Milliarden Euro verdeutlicht die Stabilität. Der Außenhandelsbilanzüberschuss stellte mit einem Volumen in Höhe von 227,8 Milliarden Euro zwar einen niedrigeren Wert als im Vergleich zum Vorjahr da, dieses ist auf die höheren Importe zurück zu führen. Die jetzt ermittelten Daten zeigen allerdings einen starken Dynamik- und Nachfrageverlust, basierend auf der möglichen Zoll-Last, unter anderem für den Automobilsektor. Aber auch das weiterhin viel diskutierte Thema Brexit hat einen großen Einfluss ausgeübt. Insbesondere die Tatsache, dass die Industrieproduktion in Deutschland wohl im ersten Quartal eine Stagnation durchlaufen wird, beunruhigt den Markt. Auf der anderen Seite zeigt sich der Arbeitsmarkt mehr als stabil und der Beschäftigungsaufbau sieht weiterhin positiv aus.

Das Bild des Welthandels lässt sich gut am Ergebniss des "Welt-Handelsindex", mit einem Punktestand in Höhe von 72,1 Prozent (zuvor 73,3 Prozent), ablesen. Als Indikator für einen schwächeren globalen Handel bestätigt dieser frühzyklisch die Verlaufskurve und bestätigt die meisten Prognosen und damit den Verlauf einer flacheren Konjunkturkurve im Jahr 2019. Mit Blick auf die Risiken im Welthandel hat sich zwar die Gefahr steigender Zinskosten relativiert, aber die politischen Risiken bleiben weiterhin der größte Einflussfaktor.

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de

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