Wirtschaft

Nachfrage steigt auf Rekordhoch Gold-Boom in China

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Nicht nur Barren und Münzen, auch Goldschmuck ist in China eine beliebte Anlage.

(Foto: REUTERS)

Die Volksrepublik hat sich zum wichtigsten Goldmarkt der Welt entwickelt. Entgegen zahlreicher Prognosen setzt sich der chinesische Gold-Boom auch im laufenden Jahr weiter fort. Ein Ende ist nicht absehbar.

Im vergangenen Jahr kauften chinesische Anleger laut Gold World Council 1066 Tonnen Gold – so viel wie niemals zuvor. Während westliche Investoren sich von dem Edelmetall abwendeten, nutzten die Marktteilnehmer aus Asien die Kursschwäche, um ihre Bestände massiv aufzustocken. Mittlerweile stammt mehr als ein Viertel der weltweiten Goldnachfrage aus China. Das Gros der Edelmetall-Analysten ging davon aus, dass nach dem Nachfrage-Boom des vergangenen Jahres der Goldmarkt in China erst einmal konsolidieren werde. Zahlreiche Verbraucher hätten während und nach dem Preisverfall 2013 Goldkäufe zeitlich vorgezogen und ihren Hunger nach dem Edelmetall vorerst gestillt – so die Argumentation. Doch das Gegenteil ist der Fall.

An der Shanghai Gold Exchange – die Edelmetall-Börse erfasst alle offiziellen Goldtransaktionen in der Volksrepublik ohne etwaige Käufe der Notenbank - wurden im laufenden Jahr bis Mitte April bereits 635 Tonnen Gold gehandelt. Verglichen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum bedeutet dies einen weiteren Anstieg von zehn Prozent, so dass die Gesamtrekordnachfrage des Jahres 2013 von 2181 Tonnen Gold wieder erreicht oder sogar übertroffen werden könnte. Zudem zeigen die Statistiken der Shanghai Gold Exchange, dass die Angaben der Lobbyvereinigung World Gold Council zu tief ausfallen dürften.

Anlagenotstand spricht für Gold

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Die Goldnachfrage in China

Die Nachfrage nach Schmuck, Münzen und Barren aus Gold dürfte in China mittel- und langfristig aufgrund einer ganze Reihe von Gründen weiter wachsen. Nach einer Umfrage des World Gold Council vom Dezember 2013 erwarten 60 Prozent der chinesischen Verbraucher auf Sicht von zwölf Monaten einen steigenden Goldpreis. Nur 16 Prozent der Befragten rechnen mit niedrigeren Notierungen. Schon aufgrund dieser Preiserwartungen ist mit einer lebhaften Nachfrage zu rechnen.

Zudem befinden sich die chinesischen Anleger in einem umfassenden Anlagenotstand. Am Immobilienmarkt könnte sich eine bedrohliche Preisblase gebildet haben. In 14 von insgesamt 70 Großstädten stagnierten oder sanken im März bereits die Wohnungspreise. Damit befand sich der Wohnungsmarkt seit eineinhalb Jahren in seiner schwächsten Verfassung. Mit Zhejiang Xingrun Real Estate brach Mitte März ein erster großer Immobilienentwickler bereits unter seiner Schuldenlast zusammen und musste Insolvenz anmelden. Der Konzern hatte sich von verschiedenen Banken umgerechnet rund 280 Millionen Euro geliehen – weitere rund 50 Millionen Euro kamen von Privatpersonen.

Bereits zwei Wochen vor der Pleite von Zhejiang konnte Chaori Solar, ein Hersteller von Solarzellen, einen Corporate Bond nicht bedienen. Alleine in diesem Jahr werden von Investmentgesellschaften und Unternehmen Schuldscheine in einem Umfang von umgerechnet bis zu 600 Milliarden Euro fällig. Peking und die Regionalregierungen springen aber nicht mehr bei jeder Zahlungsschwierigkeit ein.

Sicheres Gold vs gefährlichen Investments

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Martin Mack und Herwig Weise verantworten gemeinsam den antizyklisch investierenden Aktienfonds M&W Capital sowie den vermögensverwaltenden Mischfonds M&W Privat.

Immer mehr chinesischen Sparern wird bewusst, dass die im Vergleich zu Banken höheren Zinszahlungen der Trusts und Unternehmen mit entsprechenden Ausfallrisiken verbunden sind. Aber auch Aktien erwiesen sich in der jüngsten Vergangenheit als eher gefährliche Investments. Der chinesische Aktienmarkt verlor gemessen am Shanghai Composite Index in den zurückliegenden viereinhalb Jahren bei hohen Schwankungen mehr als 40 Prozent an Wert.

Wenn Immobilien, Anleihen und Aktien für die Kapitalanlage nicht in Betracht kommen, bleibt eigentlich nur noch Gold. Der Anlagenotstand verschärft sich in China dadurch, dass der wachsenden Mittelschicht insgesamt immer mehr Kapital zur Verfügung steht, das investiert werden will. Die Unternehmensberatung Ernst & Young schätzt, dass sich die Zahl der chinesischen Mittelstandshaushalte von heute 300 Millionen bis 2020 auf 500 Millionen erhöhen wird. Die mittelfristigen Folgen für den Goldpreis sind absehbar. Die letzte Goldpreisrally setzte 2002 ein – genau in dem Jahr, in dem die Shanghai Gold Exchange ihren Betrieb aufnahm. Zuvor war der Handel mit Gold in China stark eingeschränkt gewesen.

Aber nicht nur die Privatanleger schätzen in der Volksrepublik das Edelmetall als langfristig stabile Geldanlage. Auch die chinesische Notenbank könnte 2013 ihre Bestände spürbar aufgestockt haben. China hat im vergangenen Jahr nämlich mehrere Hundert Tonnen Gold mehr produziert und importiert als der private Sektor und die Industrie nachgefragt haben. Trotz offizieller Dementis soll Gerüchten zufolge die People´s Bank of China diese nicht von privater Seite aufgenommenen Mengen aufgekauft haben. Dies würde zur Strategie passen, den Yuan schrittweise als international anerkannte Währung zu etablieren.

Nachfrageschub aus Indien und Japan

Gleichzeitig könnte in Indien die Nachfrage wieder zulegen. Die Regierung in Neu-Delhi hatte 2013 die Importe von Gold beschränkt und die Steuern erhöht. Am 16. Mai finden auf dem Subkontinent Parlamentswahlen statt. Es wird spekuliert, dass der Kandidat der bisherigen Oppositionspartei BJP, Narendra Modi, bei einem Wahlsieg diese Maßnahmen wieder aufheben oder zumindest spürbar abschwächen könnte. Bis 2013 war Indien der weltweit größte Nachfrager von Gold. Angesichts einer mittlerweile angesprungenen Inflationsrate könnte zudem aus Japan zusätzlicher Bedarf an dem Edelmetall entstehen.

Umgekehrt könnte die weltweite Goldproduktion 2013 ihren Höhepunkt überschritten haben. Angesichts des Preisverfalls von 29 Prozent im vergangenen Jahr haben zahlreiche Minengesellschaften neue Projekte und Explorationsvorhaben erst einmal auf Eis gelegt.

Noch scheint der Goldpreis über die US-Derivatebörse Comex fast beliebig steuerbar zu sein. Doch spätestens, wenn der physische Goldhandel bei der Preisbildung wieder die Oberhand gewinnt, sind höhere Notierungen so gut wie sicher.

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Quelle: ntv.de