Wirtschaft

Edelmetalle bleiben rätselhaft Gold ist wieder ein Kauf

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(Foto: REUTERS)

Gold ist die Angstwährung par excellence. Obwohl sich Anleger derzeit kaum Sorgen machen, is ist das Edelmetall gerade jetzt wieder ein Kauf.

Die Entwicklung des Goldpreises ist kaum vorherzusagen - zu diesem Schluss kam schon der Bankier Nathan Mayer Rotschild vor rund 200 Jahren. Die Schwierigkeit liegt darin, dass verschiedene und zum Teil gegenläufige Faktoren auf die Preisbildung einwirken. Außerdem sind die Zusammenhänge, die sogenannten Korrelationen, weitaus weniger klar als vielfach angenommen.

Gold, Feinunze
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Zu den wichtigsten Einflussfaktoren für den Goldpreis zählt angeblich die Inflation. Bei einer hohen Geldentwertung fungiert das Edelmetall als Stabilitätsanker. Zuletzt stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland schon um 1,6 Prozent, ohne Energie sogar um 1,8 Prozent. Das sollte eigentlich gut für den Goldpreis sein. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Phasen, in denen der Goldpreis bei einer steigenden Inflation zulegte. Es gab jedoch ebenfalls Zeiten, in denen das nicht der Fall war. Inflation erklärt - zumindest alleine - nicht den Goldpreis.

Noch wichtiger sind vielleicht die Zinsen. Je mehr es auf dem Sparbuch oder bei Anleihen gibt, desto weniger attraktiv ist das zinslose Gold. Noch einleuchtender ist der Zusammenhang mit den Realzinsen - und die sind seit geraumer Zeit negativ. Deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit werfen derzeit 0,5 Prozent Zinsen ab. Nach Abzug der Inflationsrate von 1,6 Prozent ergibt sich ein negativer Realzins von 1,1 Prozent. Eigentlich müsste das gut für den Goldpreis sein. Doch das Edelmetall dümpelt derzeit bei nur bei rund 1250 US-Dollar vor sich hin.

Aktienmärkte und Dollar ohne Einfluss

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Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Auch zwischen den Aktienkursen und dem Goldpreis besteht kaum eine Korrelation. Mal entwickeln sie sich parallel, mal in entgegengesetzter Richtung. Beim US-Dollar sieht es kaum besser aus. Da Gold - wie die meisten Rohstoffe - in Dollar notiert, wird gemeinhin unterstellt, dass der Goldpreis sinkt, wenn der Greenback steigt und umgekehrt. Zur Begründung heißt es: Eine steigende US-Währung verteuert das Edelmetall für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Menschen können sich dann einfach weniger Gold leisten. Klingt logisch - die Argumentation scheitert jedoch im Praxistest, der keinen signifikanten Zusammenhang zeigt.

Auch die Nachfrage aus Asien liefert keine wirklich brauchbaren Hinweise auf die Goldpreisentwicklung, obwohl sich dort mit Indien und China die beiden Länder mit der weltweit höchsten physischen Gold-Nachfrage befinden. Doch der Zusammenhang ist eher umgekehrt. Die Menschen in Asien kaufen mehr Gold, wenn es preiswert ist, und weniger, wenn es teuer ist. Der Preis bestimmt die Nachfrage und nicht die Nachfrage den Preis.

Etwas besser funktioniert der Zusammenhang mit dem Öl. Seit rund 30 Jahren laufen die Preise für den Energierohstoff und das Edelmetall mehr als 60 Prozent der Zeit parallel. Zum einen könnte das daran liegen, dass auch Gold für viele Anleger eher ein Rohstoff und weniger eine Währung ist. Zum anderen ist Öl ein wichtiger Konjunkturindikator. Wenn mehr Öl nachgefragt wird, spricht dies für eine brummende Weltwirtschaft. In wirtschaftlich guten Zeiten haben die Menschen mehr Geld in der Tasche, mit dem sie Gold erwerben können. Das gilt in diesem Fall vor allem für die Käufer aus den Öl produzierenden Staaten.

Politischer Goldpreis hat kurze Beine

Das vermeintlich stärkste Argument für oder gegen Gold sind geopolitische Risiken. Tatsächlich reagiert der Preis immer wieder auf Krisen. Doch meistens ist das nur von kurzer Dauer. Die Bürgerkriege im Nahen Osten, der Boykott Katars, die Provokationen Nordkoreas, die Ukrainekrise oder der unberechenbare Donald Trump in den USA - sie alle helfen dem Goldpreis derzeit nicht wirklich auf die Beine.

Unter dem Strich zeigt sich, dass fundamental begründete Goldpreisprognosen kaum funktionieren. Das liegt sicherlich auch daran, dass der Preis nicht nur vom physischen Angebot und der Nachfrage bestimmt wird, sondern zum guten Teil an den Terminmärkten gemacht wird. Für den Anleger heißt das, dass Gold vor allem bei Ausschlägen nach unten ein Kauf ist. Seit Anfang des Jahres pendelt der Preis zwischen 1200 und 1300 Dollar pro Unze. Im Augenblick bewegt sich die Notierung in der Mitte dieser Bandbreite und ist damit langsam wieder ein Kauf. Anleger können sich derzeit vergleichsweise günstig gegen wieder schwerere Zeiten an den Kapitalmärkten wappnen. Und die werden mit Sicherheit kommen.

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Quelle: n-tv.de