Wirtschaft

Ältestes Atomkraftwerk abgeschaltet Grafenrheinfeld geht endgültig vom Netz

3q8z3419.jpg7188937279254117074.jpg

Abschied von Grafenrheinfeld.

(Foto: obs)

In der Nacht zum Sonntag ist das Atomkraftwerk im unterfränkischen Grafenrheinfeld endgültig vom Netz genommen worden. Es war der dienstälteste noch aktive Kernreaktor in Deutschland. Die Abschaltung sei planmäßig erfolgt.

Mit der Abschaltung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld hat die nächste Phase des Atomausstiegs in Deutschland begonnen. Der Reaktor in Nordbayern wurde in der Nacht zum Sonntag fast genau um Mitternacht vom Netz genommen. Das teilte der Energiekonzern Eon in Hannover mit. Damit wurde erstmals seit 2011 wieder ein AKW dauerhaft abgeschaltet. Die Industrie drängt indes auf einen "verlässlichen Fahrplan" zur Energieversorgung.

Mit dem Ende der Stromproduktion in Grafenrheinfeld nach 33 Jahren startete nun zugleich Phase zwei des gestaffelten Rückzugs aus der Atomenergienutzung in Deutschland, in der bis 2022 die letzten verbliebenen Meiler stillgelegt werden sollen. In der ersten Phase waren - nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima - zunächst die sieben ältesten AKW und das Pannen-Kraftwerk Krümmel abgeschaltet worden.

Zunächst geht es nun in einem Zweijahrestakt mit einzelnen Meilern weiter. Laut Ausstiegsgesetz erlischt Ende 2017 die Betriebserlaubnis des Reaktors Gundremmingen B, Ende 2019 die des Kraftwerksblocks Philippsburg 2. Danach folgen weitere Meiler unter anderem in Brokdorf. Spätestens bis Ende 2022 sollen als letztes die drei jüngsten deutschen Reaktoren Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 folgen.

333 Milliarden Kilowattstunden Strom

Das AKW im unterfränkischen Grafenrheinfeld ging 1981 ans Netz. Insgesamt erzeugte der Meiler nach Angaben von Eon mehr als 333 Milliarden Kilowattstunden Strom. Die Menge würde demnach ausreichen, um ganz Bayern rund vier Jahre mit Strom zu versorgen. Das vom Bundestag 2011 beschlossene Atomausstiegsgesetz legte fest, dass Grafenrheinfeld bis Ende 2015 abgeschaltet werden muss. Eon zog den Termin vor, weil der Brennstoff im Reaktor zur Neige geht. Beim Nachladen wären hohe Steuern fällig geworden.

Angesichts der Stilllegung eines weiteren deutschen Atommeilers verlangte der Bundesverband der Deutschen Industrie rasche Entscheidungen zur Energiewende. BDI-Präsident Ulrich Grillo sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag, die große Koalition müsse sich "sehr schnell" auf einen verlässlichen Fahrplan für die Energieversorgung einigen. "Diese Klarheit brauchen unsere Unternehmen noch vor der Sommerpause."

Mit Blick auf die Abschaltung von Grafenrheinfeld sagte Grillo, wenn ein Kraftwerk vom Netz gehe, werde es schwieriger, regional eine sichere Versorgung zu gewährleisten. Dazu komme der "überfällige Ausbau des Stromleitungsnetzes von Nord nach Süd". Er mahnte, Strom und Energie in Deutschland müssten "sicher, sauber und vor allem bezahlbar bleiben". Sonst würde die Produktion mit ihren Arbeitsplätzen schnell abwandern.

Quelle: n-tv.de, tno/AFP