Wirtschaft

"Verloren sind wir so oder so" Griechische Nerven liegen blank

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Tausende frustrierter Griechen mobilisieren ihre letzten Kräfte. Ein Generalstreik soll das Land 24 Stunden lang lahmlegen.

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Der Frust der Griechen sitzt tief. Rigorose Spareinschnitte für das Pleiteland sind unausweichlich, aber die Schmerzgrenze der Bürger ist bereits überschritten. Wie soll es bloß weitergehen? Tausende machen ihrem Unmut wieder auf der Straße Luft. Währenddessen beraten die Politiker in Athen und beraten ...

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Weitere unpopuläre Sparmaßnahmen stehen unmittelbar bevor.

(Foto: REUTERS)

Aus Protest gegen die Sparmaßnahmen ist in Griechenland wieder einmal das öffentliche Leben weitgehend zum Stillstand gekommen. Während bei den Regierungsvertretern in Athen und bei den internationalen Geldgebern die Köpfe rauchen, kennen die Gewerkschaften kein Halten. Unermüdlich machen sie gegen die Sparauflagen der Regierung mobil.

Die Bilder sind mittlerweile kaum mehr von denen der vorhergegangenen Proteste zu unterscheiden. Die Streikgeschichte des Landes und seiner empörten Bürger wird von Monat zu Monat lediglich länger. Wieder einmal laufen am Haupthafen des Landes, Piraeus, keine Schiffe aus. In Athen kommen Touristen nicht auf die Akropolis, der öffentliche Nahverkehr wird während der Hauptverkehrszeit am Morgen unterbrochen. In den staatlichen Krankenhäusern ist lediglich eine Notbesetzung im Einsatz. Auch Lehrer, Bankangestellte und Mitarbeiter von Telekomfirmen wollten dem Aufruf der führenden Gewerkschaften folgen und in den Ausstand treten, hieß es aus Griechenland.

Die Koalitionsregierung aus den großen Parteien des Landes hat es bislang nicht geschafft, sich auf die von der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) geforderten Reformen zu verständigen. Besonders die Senkung des Mindestlohns sowie die Streichung des Urlaubs- und Weihnachtsgelds stoßen auf harten Widerstand.    

Ein Treffen ging in der Nacht ergebnislos zu Ende. Im Laufe des Tages soll es fortgesetzt werden. Sollte sich die Regierung nicht verständigen, soll dem Land der Kredithahn zugedreht und das zweite Rettungspaket im Volumen von 130 Mrd. Euro nicht auf den Weg gebracht werden.

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Gestrandete Griechen vor einer geschlossenen Metro-Station in Athen.

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"Verloren sind wir so oder so", sagte Kosmas Georgiou, ein 31 Jahre alter Unternehmensprüfer. "Zur Drachme zurückzukehren ist keine Option, es ist eine Katastrophe." Er nahm aber auch die Politiker seines Landes in die Pflicht: "Sie verzögern das nur, um hinterher als Helden dazustehen."

Juncker sieht Sonderkonto als Option

Während die Beobachter die Luft anhalten und weiter auf den großen Befreiungsschlag für Griechenland warten, werden immer neue – durchaus auch verzweifelte - Möglichkeiten durchgespielt, wie Griechenland vor dem Staatsbankrott in allerletzter Minute gerettet werden kann.

So sieht selbst Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker mittlerweile den deutsch-französischen Vorschlag eines Sonderkontos für Griechenland als mögliches Mittel im Kampf gegen die Schuldenlast des Euro-Sorgenkindes. "Dass man versucht sicherzustellen, dass unsere griechischen Freunde Schulden auch zurückzahlen, dies dann über ein Sonderkonto abzuwickeln, ist keine abwegige Idee", sagte Luxemburgs Premierminister im rbb-Inforadio. Die Einzelheiten müssten aber noch geklärt werden. "Wie immer liegt der Teufel im Detail", betonte Juncker. Ihm lägen bislang nur kurze Textentwürfe vor. Diese reichten für eine endgültige Entscheidung noch nicht aus.

Im März fällt der Vorhang

Juncker forderte Athen erneut dazu auf, zusätzliche Sparanstrengungen zu unternehmen, ohne die es keine weiteren Hilfen für das von der Staatspleite bedrohte Land geben könne. Erst wenn diese Maßnahmen verabredet seien und eine Einigung mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt erzielt sei, "kann man davon ausgehen, dass es dieses zweite Griechenland-Programm gibt".

Ohne diese Hilfen werde Athen im März kein Geld mehr zur Verfügung haben, um seine Schulden bedienen zu können. "Das ist keine Drohung, das ist einfach eine Beschreibung der eingetretenen Lage", sagte Juncker. 

Quelle: ntv.de, ddi/rts