Wirtschaft

Neue Lieferungen aus Asien Häfen droht Container-Stau

imago97743546h.jpg

Wohin mit den Container, die gerade aus China unterwegs nach Europa sind?

(Foto: imago images/Winfried Rothermel)

Wochenlang müssen Geschäfte wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Der Abverkauf stockt, die Lager sind voll. Nun kommen in den europäischen Häfen auch noch neue Container aus Asien an. Gerade im Bereich Mode könnten Rabatte die Folge sein.

Sechs Wochen dauert es, bis im Hamburger Hafen eine Bestellung aus Fernost ankommt. Die Auswirkungen positiver wie negativer Entwicklungen innerhalb der Wirtschaft bekommt man dort entsprechend verzögert zu spüren. So lief das Geschäft dort zuletzt eher schleppend, weil Teile Chinas unter Massenquarantäne standen und viele Fabriken keine Waren produzierten.

Wie der "Spiegel" berichtet, dürfte sich das nun bald ändern. Die wochenlangen Geschäftsschließungen und damit ausfallenden Abverkäufe könnten zu Problemen dort wie in anderen europäischen Häfen führen. "In den nächsten drei, vier Wochen wird eine Menge Fracht in Europa ankommen - und kaum jemand kann sie gebrauchen", sagte Lars Jensen, Chef des Kopenhagener Analysehauses Sea Intelligence, dem Magazin. "In den Terminals wird die Zahl der Container rapide steigen, die gar nicht abgeholt werden." Und diese könnten einen Container-Stau verursachen, glaubt er.

"Wohin bringe ich das Zeug?"

Ende März, Anfang April fuhren die Firmen in China die Produktion wieder hoch, während in Europa bei den großen Abnehmern, darunter Textil- und Handelshäuser, Stillstand eingekehrt war. "Jetzt kommen die Bestellungen von Ende Februar hier an - aber die Importeure haben noch massenhaft Ware in ihren Lagerhäusern, die sie in den letzten Wochen nicht verkauft haben", zitiert der "Spiegel" Jensen weiter. "Wenn die Lager voll sind, was mache ich dann mit weiteren 50 Containern? Wohin bringe ich das Zeug?" Seiner Einschätzung nach ist es also gut möglich, dass viele ihre bestellte Ware erstmal gar nicht abholen.

Auch der große Hamburger Terminalbetreiber HHLA hält laut "Spiegel" eine kurzzeitige Container-Flut für möglich. "Um ihren Versorgungsauftrag (…) zu erfüllen, wenn es zu Staus bei der Abholung von Containern im Hamburger Hafen kommen sollte, begutachtet die HHLA derzeit Flächen außerhalb ihrer Anlagen", schreibt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage des "Spiegel". "Um zu vermeiden, dass die Auslastung unserer Lager auf den Terminals die Kapazitätsgrenze übersteigt und es zu kilometerlangen Lkw-Staus auf den Hafenstraßen kommt, erarbeiten wir vorsorglich ein Flächenkonzept."

Warenströme aus Asien

Denn in den Häfen selbst fehlt der Raum für die Flut an den Containern, die erwartet wird. Und auch in den Zwischenlagern der Spediteure sei kaum noch Platz. "Die Lagerkapazitäten laufen bei vielen unserer Mitglieder am Anschlag, der Handel nutzt alle verfügbaren Flächen für Ware, für die es keine Verwendung gibt", sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik, dem "Spiegel". "Erst bleiben die Warenströme aus Asien aus, jetzt kriegen wir zu viel. Da kommen in den Häfen Container mit Inhalten an, von denen man weiß, dass man sie nicht braucht."

Vor allem bei Kleidung und Schuhen sei der Überfluss groß. "Der textile Einzelhandel ist zusammengebrochen, auch online funktioniert er nicht gut", sagt Michael Reink, Bereichsleiter Standort und Verkehrspolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE). "Die Warenlager sind voll, die Geschäfte sind voll." Der HDE sucht nun für seine Mitglieder nach Zwischenlagern in Industrieunternehmen. Doch gerade Modeprodukte verlieren schnell an Wert. Vor allem "Fast Fashion" hat aufgrund der im Wochenrhythmus wechselnden Kollektionen ein Problem. Deren rascher Abverkauf ist im wochenlangen Lockdown nicht möglich. "Es ist davon auszugehen, dass viele Händler Rabatte anbieten werden", glaubt Reink.

Quelle: ntv.de, nan