Wirtschaft

Zukunft des Sonnenstroms? Haushalte vernetzen sich zu Mega-Kraftwerk

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Stromspeicher von Sonnen.

(Foto: Sonnen GmbH)

Es ist eine gesellschaftliche Vision: Das Unternehmen Sonnen verbindet tausende privater Sonnenanlagen und Mini-Stromspeicher zu einem gigantischen Netzwerk. Mit diesem wird den großen Energieversorgern der Kampf angesagt.

Ein Haus mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach ist in Deutschland heute keine Seltenheit mehr. Allerdings nutzen noch wenige den produzierten Sonnenstrom selbst: Auf rund 1,5 Millionen Solarstromanlagen Anfang 2016 kamen gerade mal 34.000 Speicher. Allerdings nimmt die Zahl der privaten Energiespeicher rapide zu. Ein Unternehmen aus dem Allgäu setzt auf die steigende Beliebtheit der Akkus für Eigenheime - und vernetzt diese zu einem gigantischen virtuellen Sonnenkraftwerk.

Es handelt sich um die Sonnen GmbH aus bayerischen Wildpoldsried. Mit ihrem Speicher-Netzwerk, die sogenannte Sonnen-Community, verspricht es seinen Kunden eine ökologische Stromversorgung unabhängig von Stadtwerken oder den großen Energieversorgern. "Das Ziel ist, allen einen bezahlbaren und sauberen Strom zur Verfügung stellen zu können über unsere Community", sagt Mitbegründer und Geschäftsführer Christoph Ostermann. Man wolle die Versorgung selbst in die Hand nehmen und sich abkoppeln von der Strompreisspirale. Statt steigenden Strompreisen gibt es bei Sonnen nämlich eine Flatrate.

Unter den 50 innovativsten Unternehmen der Welt

Wie das alles funktioniert? Mit großen Akkus im Keller speichern Solaranlagenbesitzer den Strom, der tagsüber von den Photovoltaik-Modulen auf ihrem Dach produziert wird. Denn benötigt wird die Energie meist morgens und abends, wenn die Sonne nicht oder nur schwach scheint. Sollte der Haushalt mal mehr Energie benötigen, als der Speicher zur Verfügung stellen kann, - etwa, weil die Solaranlage wegen schlechtes Wetter weniger Strom produziert hat - musste bisher Strom aus dem Netz dazugekauft werden. Es blieb also eine Restabhängigkeit vom klassischen Stromversorger. Als Mitglied der Sonnen-Community soll das anders sein: Benötigt ein Haushalt zusätzlichen Strom, wird dieser über das Netzwerk von den Anlagen und Speichern anderer Nutzer zur Verfügung gestellt. Die großen Energieversorger bleiben außen vor.

Das Herz, oder besser, das Gehirn hinter der Idee sei die Software, sagt Ostermann. Dazu gehören etwa selbstlernende Algorithmen, die in der Lage sind, Wettervorhersagen einzubinden. Sie sind es auch, die Mitglieder miteinander vernetzen und Plattformen aufbauen, über die der erzeugte Strom miteinander geteilt wird. Das angesehene Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus den USA listet das deutsche Unternehmen in diesem Jahr unter der 50 innovativsten der Welt. Neben Sonnen gehört aus Deutschland nur Bosch zu diesem elitären Kreis.

Kosten soll die Installation einer Photovoltaik-Anlage samt Sonnenbatterie für ein Haus mit einem 3-Personen-Haushalt rund 15.000 Euro. Die Flatrate für die Mitgliedschaft in der Sonnen-Community kostet monatlich zusätzliche 19,90 Euro. Laut dem Unternehmen sollen in diesem Beispiel pro Jahr 1275 Euro an Stromkosten eingespart werden können. Die EEG-Vergütung mit eingerechnet soll sich die Investition nach zehn Jahren armortisieren.

Überschüssiger Strom im Netz wird zu Geld

Die Firma wirbt zudem mit den möglichen positiven Effekten für die Gesellschaft: Teure Stromtrassen vom Norden Deutschlands in den Süden etwa würden überflüssig. Zudem würden die deutschen Stromnetze bei einem Überangebot von regenerativem Strom entlastet. Denn das Sonnen-Netzwerk soll nicht nur dazu dienen, Energie zwischen den Teilnehmern zu verschieben. Die große Speicherkapazität wird auch dafür benutzt, Strom-Überschüsse aus Windparks aufzufangen und später wieder dem Netz zur Verfügung zu stellen. Dadurch erwirtschaftet die Community zusätzliche Einnahmen. Das Unternehmen wirbt mit der Vision, mit dem Konzept des Netzwerkes theoretisch hundert Prozent der produzierten erneuerbaren Energie nutzbar machen zu können.

Anfang September hatte Sonnen nach eigenen Angaben 13.000 Sonnenbatterien in ihren Netzwerken, mit denen bereits 50.000 Menschen versorgt werden können. Doch das Wachstum des Unternehmens ist enorm: Im November alleine wurden mehr als 1000 neue Speicher ausgeliefert. Das Beratungsunternehmen Deloitte zählte Sonnen jüngst zu den zehn am schnellsten wachsenden Unternehmen in Deutschland - zuletzt betrug laut Ostermann das Wachstum durchschnittlich 174 Prozent im Jahr.

Quelle: n-tv.de, Von Kai Stoppel