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"Wachstumsinsel Deutschland" Ifo-Index hebt die Stimmung

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Das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft überrascht im November. Der Ifo-Index, ermittelt aus einer Befragung von rund 7000 deutschen Managern, legt überraschend stark zu. Vorfreude auf Weihnachten?

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"Die deutsche Wirtschaft blickt zuversichtlich auf die kommenden Wintermonate", sagt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Chefetagen der deutschen Wirtschaft werden zum Jahresende immer optimistischer. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung der Manager misst, kletterte im November unerwartet deutlich - auf 109,3 von 107,4 Punkten. Das teilte das Münchner Ifo-Institut mit. Ökonomen hatten mit einem leichten Anstieg auf 107,7 Zähler gerechnet.

"Die deutsche Wirtschaft blickt zuversichtlich auf die kommenden Wintermonate", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Die rund 7000 befragten Manager schätzen ihre Geschäftslage und vor allem die Aussichten für die kommenden sechs Monaten besser ein als zuletzt. Der Index für die Geschäftserwartungen legte von 103,7 auf 106,3 Punkte zu. Aber auch mit ihrer derzeitigen Lage zeigten sich die Unternehmen zufriedener, entsprechend stieg der Lage-Index von 111,3 auf 112,2 Punkte.

Vorfreude auf Weihnachten

Vor allem in der Industrie ging es im November mit der Stimmung kräftig aufwärts. Wichtiger Treiber dabei seien die Exporterwartungen, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Deutschland profitiere sowohl von der Belebung der Weltkonjunktur, als auch von den besseren Verdienst- und Beschäftigungsaussichten im Inland. "Auch in der Eurozone sieht man ein bisschen Licht am Ende des Tunnels", sagte Wohlrabe.

Im einzelnen Einzelhandelssparten macht sich die Vorfreude auf das Weihnachtsgeschäft bereits bemerkbar, so im Geschäft mit Unterhaltungselektronik. Insgesamt ist der Einzelhandel deutlich zuversichtlicher für die kommenden Monate, auch wenn sich die Einschätzungen zur aktuellen Lage kaum verändert haben. Der Großhandel wiederum profitiert von den guten Geschäften der Industrie. Auch die Baufirmen zeigten sich für die kommenden Monate erheblich zuversichtlicher als noch im Vormonat, während sie ihre derzeitige Lage etwas weniger positiv beurteilten.

Im Vormonat hatte der Frühindikator nach zuvor fünf Anstiegen in Folge überraschend leicht nachgegeben. Volkswirte sahen darin allerdings ein vorübergehendes Phänomen. Sie gehen fest davon aus, dass sich die Konjunkturerholung in Deutschland fortsetzt.

"Wachstumsinsel Deutschland"

Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sieht Deutschlands Konjunktur im Aufwind, womit man allerdings im Euroraum eine Wachstumsinsel sei. Neben dem ifo-Index zeigten dies auch die Einkaufsmanagerindizes. Im kommenden Jahr dürfte das deutsche Wachstum nach seiner Ansicht über der Trendrate liegen.

"Die bisher eher verhaltene Erholung der deutschen Wirtschaft dürfte im kommenden Jahr etwas an Tempo gewinnen", glaubt auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Auch für den Aktienmarkt gab es heute ein positives Signal: Der kräftige Anstieg der Geschäftserwartungen lässt erwarten, dass bald auch die Gewinnerwartungen für 2014 nach oben drehen werden."

Nur eine kurzfristige Delle

Ein Blick auf die Daten aus den vergangenen zehn Jahren ordnet die aktuelle Entwicklung in das Gesamtbild ein: Die großen Stimmungseinbrüche im Zusammenhang mit der Krisenangst und der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers hat die deutsche Wirtschaft offensichtlich überwunden. Zugleich lässt sich jedoch auch sehr gut ablesen, welche Prognosekraft den Erhebungen zum Geschäftsklima zukommen kann.

Erste Vorzeichen für bevorstehende Turbulenzen sind aus den Daten im Nachhinein bereits ab April 2007 zu erkennen. Am US-Immobilienmarkt fielen da bereits die Preise, zwei große Hedgefonds gerieten in Schieflage. Die steile Abwärtsbewegung der Krise beginnt in Deutschland dann im Mai 2008 - also kurz nach dem Scheitern der Rettungsbemühungen um die Investmentbank Bear Stearns und ein gutes Vierteljahr vor dem Lehman-Crash.

Der Ifo-Index gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. Er wird aus der monatlichen Befragung von rund 7000 Unternehmen aus Industrie, Einzel- und Großhandel sowie aus der Bauwirtschaft ermittelt.

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Quelle: n-tv.de, bad/mmo/rts/dpa/AFP

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