Wirtschaft

Löhne an der Armutsgrenze Immer mehr Deutsche verschulden sich

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Die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Obwohl deutsche Arbeitnehmer tendenziell mehr verdienen, können viele ihre Rechnungen nicht bezahlen. Die "Einkommensarmut" steigt, sagt das Arbeitsministerium. Trotz Arbeit leben viele an der Armutsgrenze.

Immer mehr deutsche Haushalte sind verschuldet. Das geht aus dem bisher unveröffentlichten Armutsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hervor. Waren 2013 dem Bericht zufolge noch 1,97 Millionen deutsche Haushalte verschuldet, waren es 2015 bereits 2,05 Millionen. Das betrifft rund vier Millionen Erwachsene in Deutschland, zitiert die "Bild"-Zeitung aus dem Bericht, dessen Zahlen das Ministerium gegenüber n-tv.de bestätigte. "Ein Trend, nach dem seit 2006 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen ist, setzt sich fort", heißt es in dem Bericht.

Die Überschuldung der Deutschen liege vor allem an der "Einkommensarmut", so die Begründung des Ministeriums. Dabei sind die Einkommensverhältnisse im Vergleich zu 2012 deutlich gestiegen. Im Jahr 2015 verdienten deutsche Arbeitnehmer im Schnitt 10,7 Prozent mehr. Das liege dem Ministerium zufolge vor allem an der guten Wirtschaftslage. Allerdings sind gleichzeitig die Mieten und die Lebenshaltungskosten proportional zum Lohnwachstum gestiegen.

Zudem arbeitet jeder fünfte Beschäftigte für einen Stundenlohn von unter zehn Euro. Der Verdienst liegt damit nur knapp oberhalb der Armutsgrenze. In Ostdeutschland erhalten mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer nur einen Niedriglohn. Auch in Westdeutschland steigt die Zahl der Niedriglohnempfänger laut der Erhebung. Die meisten Beschäftigten mit einem geringen Einkommen leben in Mecklenburg-Vorpommern. Dort beziehen über 35 Prozent aller Arbeitnehmer einen mageren Lohn. Die wenigsten Niedriglohnempfänger gibt es hingegen in Hamburg (15 Prozent).

Zahl der Hartz-IV-Empfänger nimmt zu

Auch zum Thema Mindestsicherung werden in dem Bericht neue Zahlen vorgelegt. 2015 waren beinahe acht Millionen Menschen in Deutschland auf Leistungen wie Hartz IV angewiesen. Das sind 800.000 Menschen mehr als fünf Jahre zuvor. Prozentual steigt der Anteil von Hartz-IV-Empfängern damit um zehn Prozent.

Hinzu kommt die zunehmende Zahl an Obdachlosen in Deutschland. So leben dem Bericht zufolge 335.000 Menschen ohne festen Wohnsitz. Etwa jeder Neunte von ihnen lebt sogar dauerhaft auf der Straße. In den vergangenen zehn Jahren ist damit die Zahl der Menschen ohne eigene Wohnung um fast 25 Prozent gestiegen.

Während am einen Ende der Gesellschaft immer mehr Menschen verarmen, steigt am anderen die Zahl der Millionäre. Konnten im Jahr 2009 noch etwa 12.500 Menschen ein Jahreseinkommen von einer Million Euro ihr Eigen nennen, gab es 2015 bereits 4000 Millionäre mehr. Diese brachten dem Staat im vergangenen Jahr knapp drei Millionen Euro an Steuern ein.

Der komplette Armuts- und Reichtumsbericht des Arbeitsministeriums wird im Frühjahr 2017 veröffentlicht. Der Bericht wird im Abstand von drei bis vier Jahren von rund hundert Experten erarbeitet.

 

Quelle: n-tv.de

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