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Nächster Währungsschocker In Dänemark ticken die Uhren anders

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Der Kurs der Krone hat zuletzt viele Zacken geworfen.

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Nach der Schweiz ist vermutlich Dänemark dran: Wie lange können die Dänen die Bindung der Krone an den Euro aufrechterhalten? Die Aufgabe ist seit dem Start des EZB-Anleihenkaufprogramms nicht leichter geworden.

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Die dänische Notenbank ist immer für eine Überraschung gut: Nachdem sie am Jahresanfang innerhalb weniger Wochen die Zinsen mehrmals gesenkt hatte, woraufhin die Strafzinsen zuletzt bei 0,75 Prozent lagen, hat die Notenbank auf der jüngsten Sitzung am 12. Februar überraschend keine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Dabei hatte mancher Experte erwartet, dass Notenbankchef Lars Rohde auf den anhaltenden Aufwertungsdruck auf die dänische Krone reagieren würde.

Die jüngste Entscheidung deutet daraufhin, dass die Notenbank stattdessen verstärkt am Währungsmarkt intervenieren und Euro kaufen wird, um die eigene Währung zu schwächen. Laut den Schätzungen der Nordea Bank hat die Notenbank allein im Februar für umgerechnet 26 Milliarden Dollar Kronen auf den Markt geworfen. Dadurch ist die Bilanzsumme der Notenbank auf den Rekord von rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach oben geschossen. Die Bilanzsumme der Schweizer Nationalbank (SNB) hatte hingegen rund 80 Prozent der Wirtschaftsleistung erreicht, ehe die SNB den Mindestkurs des Franken gegenüber dem Euro aufgegeben hatte. Rohde hat bislang immer betont, dass es keine Grenzen für die Bilanzsumme der dänischen Notenbank gäbe. Daran zweifeln allerdings etliche Investoren.

Zinsen noch weiter nach unten

Die Krone ist an den Euro gekoppelt und darf in einem Band von 2,25 Prozent um die Marke von 7,46038 Kronen je Euro, also zwischen 7,29252 Kronen und 7,62824 Kronen, schwanken. Allerdings lässt die Notenbank üblicherweise nur eine Schwankung um 0,5 Prozent zu. Die Währungskurse am Devisenterminmarkt schwanken aber um mehr als ein Prozent um den Zielkurs der Notenbank und signalisiert damit, dass Investoren auf eine Aufwertung der Krone spekulieren.

Die Notenbank versucht alles, um die Zinsen am Anleihenmarkt weiter zu drücken. Denn während die Zinsen für 10jährige dänische Anleihen zuletzt bei 0,14 Prozent lagen, waren die Zinsen für gleichlaufende Schweizerische Anleihen zwischenzeitlich sogar ins Minus gerutscht. Die dänische Notenbank geht aber einen anderen Weg als andere Zentralbanken. Während letztere durch massive Anleihenkäufe die Nachfrage nach den Papieren künstlich stark erhöhen und so die Zinsen drücken, hat die dänische Notenbank die Regierung überzeugt, auf den Verkauf von Staatsanleihen erst einmal zu verzichten und so das Angebot zu verringern. Das Ergebnis ist das Gleiche wie bei den QE-Programmen der anderen Notenbanken: Die Zinsen für dänische Anleihen sinken deutlich. Rohde hat bereits gesagt, dass er notfalls Staats- und Hypothekenanleihen kaufen wird, sollten diese Schritte notwendig sein.

Warten auf weitere Zinssenkungen

Da die Nachfrage nach der Krone trotz der Maßnahmen der Notenbank stark ist, gehen etliche Investoren davon aus, dass die Notenbank die Zinsen möglicherweise noch weiter senken wird und die Strafzinsen beispielsweise ein Prozent erreichen. Die Notenbank kann sich bei ihrer Arbeit auf die Hilfe der EZB verlassen. Die Jahrzehnte alte Koppelung der Krone an den Euro sieht vor, dass die EZB notfalls eingreift, falls die Krone das Band von 2,25 Prozent brechen sollte. Sollte die dänische Notenbank allerdings noch weiter in das Marktgeschehen eingreifen, wachsen die Probleme für die Banken, denn ihre Zinsmarge sinkt noch weiter.

Die dänische Notenbank dürfte in den nächsten Monaten die Geldpolitik weiter deutlich lockern, um die Koppelung der Krone aufrechtzuhalten. Eine Bilanzsumme von "nur" rund 40 Prozent der Wirtschaftsleistung lässt Notenbankchef Rohde noch eine Menge Handlungsspielraum. Anleger werden jedoch genau darauf achten, wie schnell die Bilanzsumme im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung steigt. Denn langfristig dürfte die Koppelung der Krone an den Euro kaum aufrecht zu halten sein, zumal die EZB künftig noch viel mehr Geld drucken dürfte, als derzeit viele Experten erwarten. Die Analysten der Deutschen Bank erwarten, dass die EZB am Jahresende die geldpolitische "Bazooka" noch einmal verstärken werde.

Quelle: n-tv.de

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