Wirtschaft

Kräftiger Stimmungsumschwung Investoren flüchten aus Trump-Trades

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Will mit massiven Steuersenkungen die Wirtschaft ankurbeln: Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Das Scheitern der Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump führt zu einem Kursrückgang am weltweiten Aktienmarkt. Gleichzeitig brechen die Zinsen ein. Hat es sich nun ausgetrumpt?

Zunehmende Verunsicherung bei Investoren: Nachdem US-Präsident Donald Trump wegen des Widerstands aus den eigenen Reihen die Abstimmung über die Gesundheitsreform am vergangenen Freitag abesagt hat, hofften Anleger kurz, dass sich Trump nun schnell auf die angekündigte Steuerreform fokussieren wird - und damit den Aktienmarkt stützt.

Inzwischen wachsen allerdings zusehends die Zweifel an deren Erfolgsaussichten. Denn nachdem die Gesundheitsreform gescheitert ist, fehlen dem Staat Einsparungen in Höhe von ein paar hundert Milliarden Dollar, die zur Finanzierung eines Teils der billionenschweren Steuerreform herangezogen werden sollten - also kein Winzigkeit. Das andere Problem ist, dass die von Trump favorisierte "Grenzsteuer" ebenfalls wegen des Widerstands in den eigenen Reihen möglicherweise nicht eingeführt wird. Hier würde dann noch einmal viel Geld fehlen. Die Steuer auf Einfuhren sollte im Laufe der nächsten zehn Jahre für Einnahmen in Höhe von von 1,2 Billionen Dollar sorgen.

Ein laues Trump-Lüftchen?

Viele Investoren gehen deshalb davon aus, dass die geplante Steuerreform viel kleiner ausfallen könnte, als bislang erwartet, weil plötzlich Einnahmen von insgesamt bis zu 1,5 Billionen Dollar fehlen könnten. Zumal etliche führende Republikaner zuletzt davon gesprochen hatten, dass die Steuerreform sogar aufkommensneutral ausfallen sollte, die Staatsschulden also nicht stärker steigen sollten als derzeit vom Weißen Haus geplant.

Daher könnte Trump gezwungen sein, die Unternehmenssteuern entgegen seinen Ankündigungen nicht von 35 Prozent auf 20 Prozent zu senken, sondern womöglich nur auf 25 bis 30 Prozent. "Dann würde die Wirtschaft wesentlich weniger angekurbelt werden, als Investoren bislang erwartet hatten", sagt Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank.

Damit trüben sich die Gewinnperspektiven für den US-Aktienmarkt ein. "Der Schub für die Gewinne der S&P 500-Unternehmen durch die niedrigen Sätze für Unternehmenssteuern könnte kleiner ausfallen und später auftreten, als Investoren ursprünglich erwartet haben", schrieben die Analysten von Goldman Sachs.

Investoren verkaufen Zykliker

Wegen der zunehmenden Konjunktursorgen sind Investoren derweil in US-Anleihen geflüchtet, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf nur mehr 2,36 Prozent gefallen sind.

Gleichzeitig weitet sich die Korrektur beim Dollar aus. Mit Kursen von um die 110,20 Yen je Dollar notiert der Greenback auf dem niedrigsten Niveau seit Mitte November 2016. Die Verkäufe beim Dollar stehen symptomatisch für die Auflösung der sogenannten "Trump-Trades". Sie basierten auf der Idee, dass Trump durch massive Steuersenkungen die Wirtschaft kräftig ankurbelt und damit die Inflation stark anheizen würde. Das hatte den Dollar nach Trumps Wahlsieg  deutlich beflügelt. Nun drücken die Investoren beim Dollar nach den Enttäuschungen aber zusehends auf den Verkaufsknopf, weshalb er nicht nur gegenüber dem Yen, sondern auch gegenüber etlichen anderen Währungen wie dem Euro im Rückwärtsgang ist.

Da sich die Perspektiven für die US-Wirtschaft und damit für die Weltwirtschaft insgesamt eintrüben, schichten Investoren am Aktienmarkt Geld aus Zyklikern, also konjunkturabhängigen Sektoren, in defensive Sektoren, wie Versorger, Telekom, oder Konsumgüter um. Unter Druck waren daher zuletzt vor allem die Aktien der US-Banken, wie JP Morgan oder Goldman Sachs. Sie leiden darunter, wenn die Zinsstrukturkurve flacher wird, wenn also der Zinsaufschlag für langlaufende US-Anleihen gegenüber kurzlaufenden Anleihen geringer wird. Denn damit engen sich die Zinsmarge und damit der Zinsüberschuss der Banken ein. Zudem wächst die Gefahr, dass es zu einem deutlichen Kursrückschlag am Aktienmarkt kommen könnte, wodurch das Investmentbanking der Institute unter Druck kommen könnte, also das Handelsgeschäft, das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen, oder Fusionen und Übernahmen.

Stützt die Fed den Aktienmarkt?

Bei anhaltender Unsicherheit über Trumps Politik könnte der S&P 500 kurzfristig unter Druck bleiben. In dem Umfeld könnte der Dax überproportional nachgeben, weil in dem Index der Anteil der Zykliker viel höher ist, als in vielen anderen Indizes der Welt. Möglicherweise beruhigt sich die Lage beim S&P 500 aber deutlich schneller als viele Investoren derzeit erwarten. Denn bei einem sinkenden Dollar verbessern sich die Perspektiven für die US-Exportwirtschaft und damit die Wirtschaft insgesamt, weil US-Produkte im Ausland billiger werden, während ausländische Produkte in den USA teuer werden. Gleichzeitig könnten die sinkenden Zinsen den US-Aktienmarkt allmählich stützen. Denn in einem schwächeren Konjunkturumfeld könnte die Fed die Zinsen eventuell nicht so stark anheben, wie Fed-Chefin Janet Yellen zuletzt signalisiert hat.

Gleichzeitig werden bei sinkenden Zinsen Aktien attraktiver, weil der Abstand zwischen den Zinsen für zehnjährige US-Anleihen von 2,36 Prozent und der Dividendenrendite des S&P 500 von 2,0 Prozent kleiner wird. Für deutsche Aktien sieht das Verhältnis sogar noch deutlich besser aus: Während die Dividendenrendite des Dax 2,7 Prozent erreicht, liegen die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei lediglich knapp 0,4 Prozent. Das stützt den Index deutlich.

Anleger sollten vor allem den Dollar und die US-Zinsen im Auge behalten. Sie spiegeln wider, ob Investoren die Trump-Trades weiter auflösen. Drehen die Zinsen wieder moderat nach oben, könnte sich der jüngste Kursrückgang nur als Sturm im Wasserglas herausstellen.

Quelle: n-tv.de

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