Wirtschaft

"Staat ist ausreichend finanziert" Irland weist Gerüchte zurück

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Bettler auf der O'Connell Bridge in Dublin.

(Foto: REUTERS)

Irland steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Dadurch mehren sich Stimmen, die besagen, dass das westeuropäische Land ernsthaft den Gang unter den Euro-Rettungsschirm erwägt. Irland weist diese Darstellungen zurück. Laut Finanzminister Lenihan hat der Staat Reserven.

Die irische Regierung ist angeblich im Gespräch über Finanzhilfen des Euro-Schutzschirms. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Irland Hilfen erhalten werde, erklärten mehrere Vertreter von Euro-Ländern. Die Regierung in Dublin werde auf die Europäische Stabilisierungs-Fazilität (EFSF) der Euro-Staaten zurückgreifen.

Allerdings werde die Unterstützung keine Umschuldung oder Abschreibungen ausstehender Anleihen vorsehen. Die EU hatte gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds für Euro-Länder in Finanzierungsschwierigkeiten im Mai einen Schutzschirm mit Kreditgarantien über insgesamt 750 Milliarden Euro aufgespannt.

Diese Darstellung wird allerdings von der irischen Regierung vehement bestritten. Der Staat sei bis Juni 2011 ausreichend finanziert und habe ausreichend Reserven, sagte Finanzminister Brian Lenihan dem irischen Radiosender RTE. Irland sei daher "gar nicht in der Situation, in der es de Rettungsschirm anrufen muss". Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte, Irland habe bisher keinen Antrag auf Hilfen gestellt. 

Die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen waren zuletzt auf Rekordhöhen gestiegen. An den Finanzmärkten wird seit Tagen darüber spekuliert, dass Irland nicht mehr ohne die Hilfe seiner Partnerländer auskommt.

Verteilen von Beruhigungspillen

Zuvor haben Deutschland und weitere EU-Staaten angesichts neuer Rekordzinsen für irische Staatsschulden die Gläubiger des Landes zu beruhigen versucht. Ein neuer Krisenmechanismus werde frühestens Mitte 2013 in Kraft treten, derzeitige Absprachen zur finanziellen Unterstützung des Landes seien nicht betroffen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Finanzminister aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien, die am Rande des G20-Gipfels in Seoul unterzeichnet wurde. Auch Irland habe erklärt, keine Mittel aus dem Euro-Rettungsschirm zu beantragen und den Konsolidierungskurs fortzusetzen, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin. Die "Irish Times" hatte dagegen gemeldet, es gebe informelle Kontakte zwischen Brüssel, Berlin und anderen europäischen Hauptstädten, um den Euro-Rettungsschirm für den Fall einer irischen Zahlungsunfähigkeit zu aktivieren.

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Die Party ist vorbei.

(Foto: REUTERS)

An den Märkten war die Befürchtung aufgekommen, dass bei einer Umschuldung oder Umstrukturierung irischer Anleihen auch die privaten Gläubiger zur Kasse gebeten werden, wie es für einen künftigen Krisenmechanismus nach 2013 im Gespräch ist.

2013 laufen die Milliarden-Rettungsschirme der EU für Griechenland und andere Euro-Staaten aus. An deren Stelle soll ein dauerhafter Krisenmechanismus treten, um den Euro zu stabilisieren. Geprüft wird, inwiefern dann private Gläubiger wie Banken und Fonds die Lasten einer Schuldenkrise mittragen können, um den Steuerzahler zu schonen. Damit würde das Risiko für die Käufer von Staatsanleihen steigen, was diese sich durch einen Zinsaufschlag bezahlen lassen dürften.

Quelle: ntv.de, AFP/rts/dpa

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