Wirtschaft

Die 100-Milliarden-Dollar-Wette JP Morgan dreht das große Rad

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Nach der Bilanzsumme ist JP Morgan die größte Bank der USA.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Ausmaß der Zockerei von JP Morgan wird immer erschreckender. Die eingeräumten Verluste von 2 Milliarden Dollar nehmen sich gegen den Einsatz der Bank, mit dem sie am Markt für Kreditausfallrisiken aktiv war, geradezu lächerlich aus. Das geht aus Daten der US-Notenbank Fed hervor.

Undurchsichtige Fehlspekulationen im Eigenhandel bescheren JP Morgan einen Milliardenverlust. Nach und nach kommen nun immer weitere Details zur Zockerei der größten US-Bank ans Licht. Laut Daten der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die den Fall untersucht, geht der Handelsverlust von mindestens 2 Mrd. Dollar auf eine "Wette" zurück, deren Einsatz sich in wenigen Monaten vervielfacht hat. Am Ende habe sie sich auf 102 Mrd. Dollar belaufen, berichtete Reuters unter Berufung auf Daten der Bank aus dem bei der Fed eingereichten Quartalsbericht.

Die Zahlen beziehen sich den Angaben zufolge auf Geschäfte mit sogenannten Credit Default Swaps (CDS; Kreditausfallderivaten). Bereits Anfang April sei im Markt darüber spekuliert worden, dass JP Morgan ungewöhnliche hohe Summen bewege. Nachdem die Fehlspekulationen aufgeflogen waren, räumte Bankchef Jamie Dimon Verluste für die Bank von rund 2 Mrd. Dollar ein. Zu weiteren Details äußerte er sich indes nicht, auch nicht dazu, welche Summen die Bank dafür eingesetzt hat.

Die CDS sichern Anleihegläubiger im Idealfall gegen den Zahlungsausfall des Emittenten ab. Wie Reuters weiter aus der Fed-Statistik zitiert, trat die US-Großbank als Versicherungsgeber auf. Die Bank verkaufte bis Ende März CDS mit einem Investment-Rating im Volumen von 102 Mrd. Dollar. Allerdings war nur ein Teil dieser Summe wiederum durch Gegengeschäfte abgesichert. Netto solle sich das Risiko der Bank auf 84 Mrd. Dollar belaufen haben. Inklusive weiterer CDS ohne Investment-Grade habe JP Morgan sogar mit fast 148 Mrd. Dollar gezockt.

Daten erst später

JP Morgan will genaue Details zu den Milliardenverlusten erst vorlegen, wenn die Bank im Sommer ihre Zahlen für das 2. Quartal 2012 vorstellt. Bekannt ist jedoch, dass der verantwortliche JP-Morgan-Händler Bruno Iksil, in Finanzkreisen auch der "Londoner Wal" und "Voldemort" genannt, den Schaden mit zwei aneinander gekoppelten Geschäften verursacht haben soll.

JP Morgan Chase
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Iksil soll nach Informationen aus Finanzkreisen einerseits mit riskanten Kreditausfallversicherungen auf den Bankrott einzelner US-Firmen gewettet haben. Um das Risiko auszugleichen, spekulierte Iksil in einem Gegengeschäft auf die Kreditwürdigkeit eines Gesamtindex von US-Firmen.

Banken gegen Banken

Die Konstruktion funktionierte gut, solange einzelne Firmen wie beispielsweise American Airlines in Schwierigkeiten gerieten, sich die Kreditwürdigkeit der meisten US-Firmen aber nicht veränderte. Genau diese Rechnung ging nicht mehr auf, als die Europäische Zentralbank ab Dezember 2011 mit gigantischen Geldspritzen für die Banken eine Erholung des Gesamtmarktes auslöste.

Die Wetten auf den Bankrott von Einzelfirmen verloren an Wert, Iksil musste immer mehr Gegengeschäfte eingehen, um die Verluste auszugleichen - bis es zu Preisverzerrungen kam, auf die Hedgefonds und andere Banken aufmerksam wurden.

Von den mindestens 2 Mrd. Dollar an Handelsverlusten dürfte eine Gruppe von etwa einem Dutzend Banken, darunter Goldman Sachs und Bank of America, bis zu 1 Mrd. Dollar einstreichen, sagten Händler und mit der Angelegenheit vertraute Personen. Gelegentlich stünden JP Morgans Verluste direkt den Gewinnen der Konkurrenz gegenüber.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ

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