Wirtschaft

Krisenfestes Geschäft Jacobs soll an die Börse

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Das Geschäft mit dem Kaffee lässt sich auch in Krisen nicht so leicht erschüttern.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Geschäft mit Kaffee und Tee ist einigermaßen krisensicher. Selbst in Corona-Zeiten wächst die Holding JDE Peet's. Für die Eigner ein guter Moment zum Sprung aufs Parkett. Mit den Erlösen sollen Schulden reduziert werden.

Mitten in der Coronakrise wagt die deutsche Milliardärsfamilie Reimann den größten Börsengang des Jahres in Europa. Die Kaffee- und Tee-Holding JDE Peet's soll in den nächsten Wochen an die Börse Amsterdam gebracht werden, wie das Unternehmen ankündigte. "Wir sehen gerade ausreichend Stabilität in den Kapitalmärkten", sagte JDE-Peet's-Chef Casey Keller. Der Markt für Kaffee und Tee sei selbst in einer Krise wie dieser relativ widerstandsfähig. Das Unternehmen mit den Kaffee-Marken Jacobs und Douwe Egberts, der kalifornischen Kaffeehaus-Kette Peet's und der Tee-Marke Pickwick ist in der Branche weltweit die Nummer zwei hinter dem schweizerischen Nahrungsmittelkonzern Nestle.

JDE Peet's selbst will mit dem Börsengang 700 Millionen Euro einnehmen, um einen Teil seiner Schulden zu tilgen. Daneben sollen Minderheitsaktionäre - allen voran der ehemalige Jacobs-Eigentümer Mondelez - Gelegenheit bekommen, sich von JDE-Aktien zu trennen. Mondelez hält 26 Prozent an der früheren Tochter. Insgesamt dürfte die Emission damit Insidern zufolge zwischen 1,5 und 2,0 Milliarden Euro schwer werden. Die Familien-Holding der Reimanns, JAB, will keine Anteile abgeben und "langfristig die Mehrheit halten", wie es in der Mitteilung heißt. JDE Peet's werde einschließlich Schulden mit rund 25 Milliarden Euro bewertet, allein der Börsenwert dürfte bei 16 Milliarden liegen, sagte einer der Insider.

Digitales Schaulaufen - schnellerer Börsengang?

Organisiert wird der Börsengang von den Investmentbanken BNP Paribas, Goldman Sachs und JPMorgan. In Zeiten von Kontakt- und Reisebeschränkungen werde die übliche Werbetour des Vorstands bei Investoren anders als gewohnt vorwiegend digital ablaufen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Damit könnte es vom offiziellen Startschuss des Börsengangs bis zur Erstnotiz sogar weniger lang dauern als die üblichen vier Wochen.

Im vergangenen Jahr erlöste JDE Peet's 6,9 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich auf 1,26 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben mit 585 Millionen fast 80 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. 50 bis 60 Prozent des Gewinns will JDE Peet's künftig als Dividende ausschütten.

Gutes erstes Quartal

Die Corona-Pandemie habe sich nur auf die Belieferung von Hotels und Büros mit Kaffee ausgewirkt, sagte Keller. Der Rest des Geschäfts habe sogar davon profitiert. JDE Peet's macht den Löwenanteil des Umsatzes mit Kaffeebohnen sowie Tassimo- und Senseo- Kapseln sowie Pickwick-Teebeuteln. Im ersten Quartal sei der Umsatz um drei Prozent, das Ebit sogar um mehr als zehn Prozent gestiegen. Mittel- bis langfristig sollen der Umsatz pro Jahr um drei bis fünf Prozent, das Ebit um fünf bis acht Prozent wachsen.

Die verschwiegene Familie Reimann gilt mit einem Vermögen von 35 Milliarden Euro als eine der reichsten in Deutschland. Grundstein des Reichtums war die Beteiligung am Ludwigshafener Chemieunternehmen Johann A. Benckiser (heute Reckitt Benckiser). Sie hält die Mehrheit an der börsennotierten Kosmetik-Holding Coty und am US-Getränkekonzern Keurig Dr. Pepper, der mit JDE Peet's konkurriert.

Quelle: ntv.de, jwu/rts