Wirtschaft

Dax ignoriert Risiken Jetzt in den Markt einsteigen?

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Wohin tendiert der Dax?

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Dax steckt in einer Seitwärtsbewegung zwischen rund 9000 und 9700 Punkten fest. Eine gute Gelegenheit, um die Aktienquote aufzustocken - ohne die Risiken aus den Augen zu verlieren.

Was findet an der Börse mehr Beachtung: Die - vor allem im Vergleich zu Anleihen - noch immer  günstige Bewertung von Aktien oder die verschiedenen geopolitischen und konjunkturellen Risiken? Die Antwort lautet: Beides - und zwar abwechselnd.

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Bundesanleihen mit 10-jähriger Laufzeit rentieren derzeit mit weniger als 1,5 Prozent. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt damit weit oberhalb von 60. Für Immobilien in begehrten Stadtlagen zahlen Käufer das 20- bis 25-fache der Netto-Kalt-Miete eines Jahres. Dies bedeutet nichts anderes als ein KGV von 20 bis 25. Angesichts dieser Bewertungen ist der Dax mit einem KGV von 13 bis 14 auf Basis der für 2015 erwarteten Gewinne alles andere als teuer.

Dazukommt, dass vor allem inländische institutionelle Investoren kaum in Aktien investiert sind. Damit Lebensversicherungen oder Pensionskassen in dem bestehenden Niedrigzinsumfeld auch künftig ihre Zahlungsversprechen einhalten können, kommen sie an einer höheren Aktienquote kaum vorbei. Mit drei Prozent und mehr rentieren qualitativ hochwertige Dividendentitel mehr als doppelt so hoch wie als zahlungssicher geltende Anleihen. Das sehen auch immer mehr Unternehmen so und borgen sich preiswertes Geld am Rentenmarkt und kaufen damit eigene Aktien, um so bei den kostspieligen Ausschüttungen zu sparen.

Korrekturen absehbar

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Stefan Eberhardt ist bei der Unikat Vermögensverwaltung als Geschäftsstellenleiter sowohl für die Kundenbetreuung als auch für das Portfolio- und Risikomanagement tätig.

Allerdings dürfte den allermeisten Anlegern kla r sein, dass die Börse keine Einbahnstraße ist. Auch wenn wir mittel- bis langfristig aus den aufgeführten Gründen positiv für Aktien sind, kann es – wie im bisherigen Jahresverlauf schon dreimal geschehen – immer wieder zu signifikanten Korrekturen kommen.

Ursachen für ein zwischenzeitliches Abtauchen gibt es zur Genüge. Fangen wir mit den geopolitischen Risiken an. Auch wenn es kurzfristig in der Ukraine nach etwas Entspannung aussieht, wissen derzeit selbst die politischen Analysten nicht, wohin in dem Land zwischen Polen und Russland die Reise geht. Bei einer Eskalation in der Ukraine und ausgeweiteten Sanktionen gegen Russland wären in einem ersten Schritt vor allem europäische Bankinstitute und deren Kreditgeschäft sowie die Exportindustrie betroffen.

Aber auch in Zentral- und Westeuropa droht politisches Ungemach. Bei der Europawahl am 25. Mai ist zu erwarten, dass die Euro- und Europagegner Zulauf erhalten. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von zum Teil mehr als 50 Prozent darf es kaum verwundern, dass Wähler ganz demokratisch gegen den Euro stimmen. Sollten eurofeindliche Parteien in einem Land einmal die Mehrheit gewinnen, sind die Folgen kaum absehbar. Dies gilt auch in Hinsicht auf die Realwirtschaft und die Finanzmärkte.

Konjunktur wächst nur schwach

Ein guter Teil der antieuropäischen Stimmung ist auf die schwache wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen. Es ist nach wie vor völlig unklar, wie Länder wie Portugal, Spanien, Italien oder Griechenland jemals ihre Schulden zurückzahlen wollen. Das Wirtschaftswachstum ist dazu viel zu schwach. Deutlich wird dies unter anderem an der Kreditvergabe. Sie schrumpft derzeit in der Euro-Zone jeden Monat um rund zwei Prozent. Neben der schwachen Binnen-Nachfrage macht den Unternehmen zunehmend der feste Euro zu schaffen. Seit seinem letzten Tief Mitte 2012 stieg die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um immerhin 15 Prozent und verteuerte so die Exportgüter außerhalb der Euro-Zone. Darüber hinaus droht derzeit in verschiedenen Euroländern eher Deflation statt Inflation. Bei sinkenden Preisen würden die staatlichen Schuldenberge real weiter wachsen.

Schließlich bleibt die chinesische Wirtschaft fast so etwas wie eine Black Box. Sollte sich hier das Konjunkturwachstum auf deutlich weniger als die offiziell angestrebten 7,5 Prozent abschwächen, hätte dies gravierende Folgen für die Weltwirtschaft und damit auch für die Euro-Zone. Vor allem Deutschland wäre betroffen.

Ein Dax-Stand von mehr als 9500 Punkten bedeutet, vereinfacht gesagt, nichts anderes, als dass derzeit die Anleger die genannten Risiken weitgehend ignorieren. In den vergangenen Monaten korrigierte die Börse aber immer dann, wenn die aufgeführten Gefahrenfaktoren wieder stärker ins Bewusstsein der Marktteilnehmer rückten. Das ist auch in den kommenden Monaten wieder möglich. Solche Verschnaufpausen bieten dann immer wieder die Möglichkeit, eine zu niedrige Aktienquote zu erhöhen. Denn langfristig spricht deutlich mehr für als gegen Beteiligungen an Unternehmen.

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Quelle: ntv.de

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