Wirtschaft

Bereits auf Vorkrisenniveau Konjunkturmotor brummt

Deutschland befindet sich auf dem aufsteigenden Ast. Im ersten Quartal legt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 1,5 Prozent stärker zu als erwartet. Auf Jahressicht ist es der stärkste Anstieg seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Das Vorkrisenniveau wird damit schneller erreicht als erwartet. Positiv ist dabei die Stärke der Binnenwirtschaft.

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Die deutsche Volkswirtschaft wirft den Turbo an.

(Foto: dapd)

Die deutsche Wirtschaft hat die Krise abgehakt: Sie wuchs im ersten Quartal mit 1,5 Prozent fast viermal so schnell wie am Jahresende 2010 mit 0,4 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurde damit das Vorkrisenniveau von 2008 bereits jetzt wieder erreicht.

Dafür sorgte vor allem der brummende Binnenmarkt: Investitionen und Konsum schoben die Konjunktur kräftiger an als die Exporte. Experten rechnen nun damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge mit mehr als drei Prozent wächst. Das hat es seit der Wiedervereinigung noch nie gegeben.

Das Wachstum übertraf selbst die optimistischsten Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt nur ein Plus von 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorquartal erwartet, wobei die Prognosen von 0,4 bis 1,3 Prozent reichten. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum gab es mit 5,2 Prozent sogar das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. "Deutschland ist der Wachstumsmotor unter den Industrieländern - und das nicht nur in Europa", sagte der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

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Erster Amtsakt von Philipp Rösler als Bundeswirtschaftsminister: Eine Reaktion auf eine eine gute Nachricht.

(Foto: dpa)

Analysten sehen das ähnlich. "Deutschland bewegt sich auf ein zweites Wirtschaftswunder zu", sagte Carsten Brzeski von ING. "Wir sind sehr schnell aus der Krise des Jahres 2009 herausgekommen - unerwartet schnell, unerwartet kräftig", sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, in der ARD. Und so gehe es in diesem Jahr weiter.

Getragen wurde der Boom von Januar bis März vor allem von der Binnenwirtschaft. "Sowohl die Investitionen in Ausrüstungen und in Bauten als auch die Konsumausgaben konnten zum Teil deutlich zulegen", hieß es. Die Baubranche profitierte dabei von Nachholeffekten, weil am Jahresende viele Arbeiten wegen Schnee und Frost liegen geblieben waren.

"Die Expansion von Exporten und Importen setzte sich ebenfalls fort", schrieben die Statistiker. Der Außenhandel habe aber weniger zum Wachstum beigetragen als die Binnenwirtschaft. Details wollen die Statistiker am 24. Mai nennen.

"Ein einmaliges Ereignis"

Die meisten Experten erwarten jetzt das zweite Jahr in Folge ein Wachstum von mehr als drei Prozent. "Ein in der gesamtdeutschen Geschichte einmaliges Ereignis", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. 2010 hatte es mit 3,6 Prozent den stärksten Zuwachs seit der deutschen Wiedervereinigung 1990 gegeben. Dem war 2009 wegen der Finanzkrise allerdings auch mit 4,7 Prozent der schwerste Einbruch seit rund 60 Jahren vorausgegangen.

Allerdings dürfte die deutsche Wirtschaft ihren Wachstumshöhepunkt überschritten haben. Analysten rechnen bis Ende 2012 nur noch mit einem durchschnittlichen Quartalszuwachs von 0,5 Prozent.

Quelle: ntv.de, rts