Wirtschaft

Welt-Index Kursrückschläge bieten Chancen

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Die "Geldströme kehren nach Europa zurück", ist Markus Zschaber überzeugt.

(Foto: imago/Jan Huebner)

An den Aktienmärkten nimmt nach hohen Kursgewinnen in der Vergangenheit zuletzt die Volatilität zu. Dem "Welt-Index" von Markus Zschaber zufolge sprechen die fundamentalen Daten jedoch weiter für einen positiven Ausblick - vor allem für europäische Werte.

Die Weltwirtschaft befindet sich in einem gefestigten Gesamtzustand. Hervorzuheben ist das besser als erwartete Wachstum in Europa sowie aus China und Brasilien. In den USA schwächt sich das Wachstum allerdings gegenwärtig etwas ab, was aber eher der Zyklik zuzuschreiben ist. Natürlich bremst die strukturelle Verschuldungsproblematik in den USA seitens der Regierung sowie die Tatsache, dass die Nachfrage der Konsumenten ebenfalls zu sehr großen Teilen auf einen Anstieg der Kreditvolumina zurückzuführen ist.

Die Weltwirtschaft bleibt unterm Strich auf Wachstumskurs. Dies bestätigt der "Index der Konjunkturdaten" mit einem aktuellen Niveau von 69% (Vormonat 72%), wenn auch ein leichter Rückgang der Wachstumsdynamik zu verzeichnen ist.

Die Erwartungen an die Weltkonjunktur sind immer noch recht hoch, wenn auch etwas weniger als noch im letzten Monat. Die Entwicklung der Konjunktur und das stabile Wachstumsgefüge, bei gleichzeitigem Abnehmen der politischen Risiken, sind hier sicherlich die maßgeblichen Hintergründe. Die Skepsis der Vergangenheit hat sich ein wenig aufgelöst, mit Blick auf die fundamentalen Fakten ist allerdings noch keine Übertreibung an den Aktienmärkten zu erkennen. Der "Index der Markterwartungen" steigt aktuell auf ein Niveau von 55% (Vormonat: 52%).

WELT-Index: Börsen im Sommerblues ?

  • Fundamentale Daten sprechen für einen positiven Ausblick 
  • Höhere Volatilität an Aktien- und Bondmärkten wahrscheinlich
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Die aktuelle Marktphase ist für den allgemeinen Anleger eine sehr schwierige. Auf der einen Seite sind die Aktienkurse bereits seit einigen Jahren weit gelaufen und gleichzeitig sind die Bewertungen in einigen Bereichen/Branchen nicht mehr günstig. Auf der anderen Seite sind alternative Anlagen ob auf den internationalen Zins- und Bondmärkten oder auf vielen Immobilienmärkten noch teurer bzw. rentieren schlichtweg nicht mehr. Zusätzlich steigt die allgemeine Marktvolatilität, so dass manch ein Anleger bereits beginnt, sich Sorgen zu machen, und über vermeidlich sichere Häfen, wie beispielsweise Bargeld, nachdenkt.

Auch die niedrigen Umsätze an den Börsen während der Sommerzeit führen zu Kursentwicklungen, welche eher irritieren, statt mehr Orientierung zu liefern. Dazu kommt der derzeit wieder an Stärke gewinnende Euro, der den exportorientierten Unternehmen zu schaffen machen könnte.

Dennoch, die Gesamtlage in der Weltkonjunktur hat nach wie vor ein breites Fundament, welches eine ganze Reihe an Potenzialen für die Erzielung von Umsätzen und Gewinnen bei guten Geschäftsmodellen liefert. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigt weiterhin und zwar sehr vielseitig. Dieses belegen die spezifischen Daten aus der Industrie, seitens der Konsumenten und auch seitens der Staaten und zwar in allen relevanten Industrie- und Schwellenländern. "Dies eröffnet Raum für steigende Gewinne im produzierenden Gewerbe sowie für den Dienstleistungssektor", so Dr. Markus C. Zschaber, Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltungsgesellschaft, welche monatlich den "Welt-Index" veröffentlicht.

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Mit Blick auf die globale Berichtssaison der Unternehmen, welche sich aktuell dem Ende zu neigt, werden die Auswertungen des "Welt-Index" im Großen und Ganzen bestätigt. Die Umsätze steigen in Asien, Nordamerika und Europa, gleichzeitig steigt die Gewinndynamik, wenn auch nicht überall mit gleicher Stärke.

Für Investments in Europa scheint die Zeit gekommen zu sein und ist als attraktiv einzustufen, denn bei europäischen Unternehmen sollte ein höheres Gewinnwachstum als noch in den Vorjahren möglich sein. Die hiesigen Quartsalzahlen belegen eindeutig, dass die Kostensenkungen aus den letzten Jahren weiterhin Früchte tragen und die operativen Margen, neben den höheren Umsätzen die in Asien, der USA oder im eigenen Binnenmarkt durchgesetzt werden können, ansteigen lassen.

"Die Dynamik in den operativen Margen sieht bei vielen Firmen in Europa sehr attraktiv aus. Die aktuelle Furcht in den Aktienkursen, gemessen am Anstieg der Kursschwankungen, dass der starke Euro eventuell in unerträgliche Höhen ansteigen könnte, sehe ich nicht. Im Gegenteil, nachdem der Euro zum US-Dollar in sechs Wochen von 1,11 auf 1,18 angestiegen ist, sollte eher eine technische Korrektur folgen. Aber selbst bei einem Niveau von 1,20 sehe ich keine schädliche Wirkung für die Geschäftsmodelle aus Europa bzw. auf die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, trotz der hohen Exportlastigkeit", beschreibt Markus Zschaber die aktuelle Lage. "Kurz um, ich sehe Kursrückschläge derzeit weiterhin als Chance, qualitative Aktienengagements in Europa weiter aufzubauen." Europa gehört zu den Favoritenmärkten in 2017 und zwar in Sachen Aktien und auch bei ausgewählten Unternehmensanleihen.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Ein Hinweis für die bessere Verfassung Europas wäre auch der Blick auf die Risikoaufschläge oder Zinsdifferenzen bei Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen. Diese Zinsdifferenz beispielsweise bei europäischen Hochzinsanleihen gegenüber europäischen Staatsanleihen reduzierte sich jüngst auf unter drei Prozent, obwohl die allgemeinen Marktzinsen eher ansteigen. Dieses kann ein eindeutiger Beleg dafür sein, dass das Vertrauen des Marktes in die Kontinuität und Robustheit der europäischen Konjunktur und in die Entwicklung der Umsätze und Gewinne weiter ansteigt.

"Ich bin davon überzeugt, dass die großen Geld- und Kapitalströme, welche in den letzten Jahren einen großen Bogen um Europa gemacht haben, sukzessive zurückkommen werden. Dieses birgt natürlich große Chancen für qualitative Anlagen, vor allem in den liquiden Märkten wie zum Beispiel Aktien", führt Zschaber aus. "In Deutschland, Spanien, Schweden und Frankreich sehe ich das größte Performancepotenzial bei guten Unternehmen in Europa.

Der V.M.Z.-Kommentar zum aktuellen Stand

Sorgen bereitet Zschaber das hausgemachte, von der Regierung ignorierte Schuldenproblem in den USA. "Die Lernkurven aus der Finanzkrise im Jahr 2008 scheinen sukzessive zu verschwinden. Alle Großbanken in den USA vermelden den Anstieg der Ausfallraten bei Konsumentenkrediten." Noch sieht der Geldmanager die Gefahr einer erneuten Finanzkrise ausgehend aus den USA für überzeichnet, dennoch beobachtet er diese Fehlentwicklungen.

Unterm Strich bleibt die Welt-Wirtschaft allerdings auf Wachstumskurs. Dies bestätigt der "Index der Konjunkturdaten" mit einem aktuellen Niveau von 69% (Vormonat 72%), wenn auch ein leichter Rückgang der Wachstumsdynamik zu verzeichnen ist.

"Neben Europa ist die Zyklik der Konjunktur in China sehr stark, bedenkt man wie viele Experten doch einen Abschwung in 2017 erwartet hatten. Fakt ist, dass das Geschäftsklima in China gegenwärtig sehr robust ist. Vor allem die Stimmung der kleinen und mittleren Unternehmen hat sich deutlich aufgehellt. Chinas Wachstum steht somit auf breiterer Basis, welches wiederum wenig Anlass zur konjunkturellen Sorge in den kommenden Wochen geben sollte. Die Gefahr einer dynamischen, kurzfristigen Abschwächung der chinesischen Wirtschaft ist derzeit zu vernachlässigen", so Zschaber weiter.

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China hat derzeit aufgrund der starken Wirtschaftsleistung eine essentielle Funktion in der Weltwirtschaft inne. Die unverändert hohe chinesische Nachfrage führt zudem auch am Rohstoffmarkt zur Stützung der Preise beispielsweise bei Kupfer und Stahl, dieses deutet ebenfalls auf die Verfassung der Wirtschaft hin. Kupfer verteuerte sich jüngst auf 6400 Dollar je Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit zwei Jahren. Auch die Preise für Eisenerz stiegen in den letzten Wochen weiter an. Die Stahlpreise erreichten sogar den höchsten Stand seit über dreieinhalb Jahren. "Die industrielle Nachfrage steigt, China übernimmt erneut die Lokomotivfunktion der Weltwirtschaft", konstatiert Zschaber.

Ebenfalls positiv ist die Industrieproduktion sowie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in Japan. Die Wirtschaft in Japan ist unerwartet robust. Die Lohnsummen in Japan steigen aktuell, was wiederum den Konsum belebt. Die Stimmungsindikatoren sind sehr positiv. Aktuell zeigt sich eine zyklische Belebung der Konjunktur.

Die Erwartungen an die Weltkonjunktur sind immer noch recht hoch, wenn auch etwas weniger als noch im letzten Monat. Die Entwicklung der Konjunktur und das stabile Wachstumsgefüge, bei gleichzeitigem Abnehmen der politischen Risiken, sind hier sicherlich die maßgeblichen Hintergründe. Die Skepsis der Vergangenheit hat sich ein wenig aufgelöst, mit Blick auf die fundamentalen Fakten ist allerdings noch keine Übertreibung an den Aktienmärkten zu erkennen. In den vergangenen Monaten wurden viele Investments bereits getätigt, so dass bei hohen Erwartungen und niedrigeren Umsätzen die Börsen erst einmal durchgeatmet haben. Der "Index der Markterwartungen", welcher aktuell auf ein Niveau von 55% (Vormonat: 52%) angestiegen ist, belegt diese Entwicklung.

Fazit & Ausblick für Anleger

Nach wie vor irritiert das derzeitige Auf und Ab an den Börsen, gerade beim Dax, die Anleger. Nach den breiten Kursanstiegen der Vergangenheit und der jetzt wieder etwas angestiegenen Marktvolatilität reduziert sich die Risikotoleranz bei diesen. Umso wichtiger sieht Zschaber die Auswahl der Unternehmen in einem Portfolio. "Das A und O neben der Analyse der großen Zusammenhänge und Trends ist die Auswahl der Investments. Qualität und Diversifikation sind hier die entscheidenden Kriterien. An erstklassigen Unternehmen mit einem starken Geschäftsmodell, einem sehr guten Management und einer substanzstarken Bilanz kommt derzeit kein Investor vorbei. Insofern sehen wir uns bei neu auftretender allgemeiner Marktvolatilität auf der Käuferseite", führt er aus.

Risiken sieht Zschaber in erster Linie auf den Zinsmärkten. Sollten die Zinsen zu steil ansteigen, könnte dies kurzfristig negative Folgen für die Aktienmärkte haben. Ansonsten sollte der Anleger auch weiterhin auf die geopolitischen Entwicklungen in Nordkorea und Katar Acht geben.

Strategie & Veränderungen im Musterportfolio:

  • Leichte Erhöhung der aktuellen Aktienquote (71%) innerhalb des Musterportfolios gegenüber dem Vormonat. Large Cap - Übergewichtung bleibt bestehen.
  • Cash-Quote wird auf 10% verringert, bleibt aber als wichtiger Asset-Baustein vorhanden
  • Rentenmarkt wird weitestgehend bis auf einzelne Bausteine untergewichtet
  • Neuaufnahme von europäischen Hochzinsanleihen
  • Edelmetallquote bleibt unverändert

Zukäufe/Nachkäufe aus den letzten vier Wochen: Airbus, Fielmann, Osram, Wacker Chemie, Iberdola, Telefonica, Immobilaria Colonial, Alphabet, ETF MSCI Europa, ETF Schweden, ETF Frankreich

Haltepositionen: ETF Global Titans 50, CSX Corp, VISA, Fresenius, General Electric, Allianz, Anheuser Busch, Fuchs Petrolub, Apple, Netflix, SAP, Bayer, Microsoft, BASF, Symrise, Beiersdorf, Rheinmetall, Amazon, Deutsche Post, MTU Aero Engines, Bechtle, RIB Software, LVMH, Continental, Mastercard, Siemens, Linde, Geberit, Duke Energy, Unilever, RATIONAL, Jungheinrich

Verkäufe aus den letzten vier Wochen: Facebook, Nike, 3M, Cisco Systems, Johnson & Johnson, Münchener Rück, ABB, Gilead Sciense, Oracle, Merck & Co

Asset-Allokation:

Erhöht/Neu aufgenommen werden: Aktien (Large Caps) Deutschland von 14% auf 16,5%; Aktien (Large Caps) Europa von 7,5% auf 9,5%; Aktien (Nebenwerte) Deutschland von 8% auf 9,5; Aktien (Nebenwerte) Europa von 5% auf 6,5%; Hochzinsanleihen von 0% auf 4%;

Beibehalten werden: Aktien (Large Caps) USA von 13%; Aktien Japan von 7%; Aktien Emerging Markets von 4%; Staatsanleihen Emerging Markets von 2%; Edelmetalle von 7%;

Reduziert werden: Aktien (Large Caps) Schweiz von 6% auf 5%; Aktien (Nebenwerte) USA von 4% auf 1%; Wandelanleihen von 3% auf 2%; Unternehmensanleihen von 4,5% auf 3%; Cash von 15% auf 10%.

Quelle: n-tv.de

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