Wirtschaft

Dax-Future bricht ein Kurssturz überrascht Börsianer

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dpa

Nun hat auch der deutsche Aktienmarkt seinen sogenannten Flash-Crash: Der Dax-Future fällt innerhalb von Sekunden kräftig. "Da ist alles mit rechten Dingen zu gegangen", sagt der Börsenbetreiber. Doch Händler haben daran Zweifel.

Ein ungewöhnlich starker Kurseinbruch beim Dax-Future hat für Rätselraten am Frankfurter Aktienmarkt gesorgt. Zeitgleich mit der Verkündung des Zinsentscheids der Europäischen Zentralbank gab der Terminkontrakt binnen Sekunden um fast zweihundert Punkte auf bis zu 9010 Punkte nach. Dann unterbrach die Deutsche Börse den Handel.

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"Es gab eine reguläre Volatilitätsunterbrechung", sagte ein Sprecher des Frankfurter Börsenbetreibers. Dieser Schutzmechanismus greift bei ungewöhnlich hohen Kursausschlägen - der Handel wird dann für einige Minuten unterbrochen. Im Fall des Dax-Future dauerte dies rund drei Minuten - anschließend notierte der Kontrakt wieder im Plus und lag zuletzt 45 Punkte höher bei 9170 Zählern. Der Leitindex Dax selbst fiel während des Flash-Crashs im Future nur um etwa 40 Punkte zurück

Mit einem Dax-Future können Anleger ein Portfolio der 30 im Leitindex Dax gelisteten Aktien zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem vereinbarten Preis kaufen oder verkaufen. Investoren nutzen den Dax-Future gerne zur Absicherung ihres Portfolios gegen Kursverluste, aber auch zu spekulativen Zwecken.

Böse Überraschung

Zu Spekulationen über eine Fehleingabe eines Marktteilnehmers ("Fat Finger") sagte der Börsensprecher: "Das schließen wir aus, denn unsere Systeme sind durch diverse Sicherheitsvorkehrungen davor geschützt." Vielmehr sei es eine normale Marktbewegung gewesen, die Systeme der Börse hätten darauf regulär reagiert. Börsianer wunderten sich jedoch, da die EZB die Zinsen erwartungsgemäß unverändert gelassen hatte und somit die heftige Kursreaktion nicht nachvollziehbar gewesen sei.

"Da ist alles mit rechten Dingen zu gegangen," erläuterte der Börsensprecher. Viele Anleger hätten Marken eingestellt, bei denen ihre Positionen automatisch verkauft würden, auch Stops genannt: "Solche Stops könnten ausgelöst worden sein." Er ergänzte, es habe Anträge auf Rückabwicklung ('Mistrades') von Marktteilnehmern gegeben. Diese wurden nach Prüfung von der Deutsche-Börse-Tochter Eurex, an der der Kontrakt gehandelt wird, aber abgelehnt. "Jeder Handel im Dax-Future zwischen 13:45 Uhr und der Wiederaufnahme 13:48:55 war rechtmäßig und bleibt bestehen", teilte die Terminbörse mit.

Eine böse Überraschung dürften einige Privatanleger erleben, die sogenannte Knock-Out-Calls auf den Future gekauft und damit auf steigende Kurse gesetzt haben. Denn diese Hebelprodukte verfallen vorzeitig, wenn der Kurs des Basiswerts eine bestimmte Schwelle erreicht - das dürfte mit der kräftigen Abwärtsbewegung am Nachmittag häufig passiert sein.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/DJ

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