Wirtschaft

Intensivstation verlassen Lettland erholt sich

Abstürzende Wirtschaftsleistung und eine explodierende Arbeitslosenquote: Lettland stand im vergangenen Jahr vor dem Staatsbankrott. Nun ist das baltische Land ökonomisch wieder auferstanden. Die Wirtschaft erholt sich wieder. Allerdings müssen die Letten dafür kräftig bluten.

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Das Schwarzhäupterhaus (rechts) und die Petrikirche (links) auf dem Rathausplatz der lettischen Hauptstadt Riga.

(Foto: dpa)

Nach dem EU-Beitritt 2004 wildes Wachstum auf Pump, dann der totale Absturz in der Finanzkrise und jetzt die überraschend zügige Erholung: Lettland präsentiert sich wieder in deutlich besserer Verfassung als vor zwei Jahren beim drohenden Staatsbankrott. Die Zeche beim harten Sparprogramm von Ministerpräsident Valdis Dombrovskis allerdings müssen vor allem die schwächer gestellten Bürger mit empfindlichen Einkommenskürzungen, Krankenhausschließungen und drastischen Stelleneinsparungen im öffentlichen Dienst zahlen.

"Die letzte Umfrage brachte einen Anstieg beim Konjunktur-Barometer um 70 Prozent. Das ist überraschend viel Optimismus, aber eben auch von einem katastrophal niedrigen Basisniveau", sagt der dänische Volkswirtschaftler Morten Hansen in Riga. Er analysiert seit 17 Jahren vor Ort die Wirtschaftsentwicklung in dem baltischen Land und sieht es im Gefolge des Finanzcrash 2008 auf dem richtigen Weg: "Dombrovskis hat mit seinen harten Einschnitten zum Teil auch die Dinge gemacht, die ohnehin fällig gewesen wären."

Als Beispiele nennt er die bisher "ganz außerordentliche Dichte an Krankenhäusern" in Lettland und den noch aus alten Zeiten als Sowjetrepublik stammenden "aufgeblähten Beamtenapparat". Das sehen naturgemäß die Lehrer und Krankenschwestern ganz anders, die in den vergangenen zwei Jahren ihre Arbeit ganz verloren haben oder mit drastisch gekürzten Bezügen über die Runden kommen müssen.

Durch Geldtropf wiederbelebt

Um 19 Prozent stürzte im letzten Jahr die Wirtschaftsleistung ab, die Arbeitslosigkeit erreichte knapp 20 Prozent. Ohne Kredite über alles in allem 7,5 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU und nordeuropäischen Nachbarn wäre die junge Baltenrepublik mit ihren 2,3 Millionen Bürgern unwiderruflich bankrott gewesen. Jetzt erwartet der IWF für 2010 noch ein Minus von vier Prozent und im nächsten Jahr ein Plus von 2,7 Prozent.

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Valdis Dombrovskis fährt einen harten Sparkurs.

(Foto: dpa)

Dombrovskis erfüllt mit seinem Sparprogramm nicht zuletzt auch Auflagen des Währungsfonds. Als "finanzielle Besatzungsmacht" wird der im Wahlkampf schon mal beschimpft, ohne dass das aber jemand vom Hocker zu reißen scheint. "Es ist schon überraschend, dass der Wahlkampf angesichts der dramatischen Krise der letzen zwei Jahre so ruhig verlaufen ist", wundert sich Hansen an seinem Arbeitsplatz beim lettischen Ableger der "Stockholm School of Economics".

Die Planer in den nahe gelegenen Regierungsbüros halten vor diesem Hintergrund und mit der sich abzeichnenden Konsolidierung von Wirtschaft und Staatsfinanzen an ihren Zukunftsplänen fest: Lettland soll, als zweites baltisches Land nach Estland, 2014 den Euro einführen. Auch für dieses Ziel hat Dombrovskis seit seinem Antritt im chaotischen Krisen-Monat März 2009 der Versuchung einer kräftigen Abwertung des Lats widerstanden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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