Wirtschaft

"Ab heute Arbeitskampf" Lufthansa droht Streikwelle

"Wir sind ab heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa": Zur Hochsaison am Ende der Ferien rufen die Flugbegleitergewerkschaft UFO zum Streik auf. Mit "Nadelstichen" soll es die nächsten Tage ohne Vorwarnung losgehen, der flächendeckende Streik wird vorbereitet. Lufthansa prüft eine Klage gegen die Gewerkschaft, denn schon den Kunden zuliebe könne es kein Verständnis für die Streikenden geben.

Die Flugbegleiter der Deutschen Lufthansa wollen streiken. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO werde ab Dienstag in den Arbeitskampf treten, sagte UFO-Vorstand Nicoley Baublies in Frankfurt am Main. Zuvor waren die Tarifverhandlungen zwischen der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation und der Lufthansa gescheitert.

UFO legte sich aus taktischen Gründen nicht genau fest, wann mit den ersten Maßnahmen begonnen wird. "Heute gibt es noch keine Streiks", hieß es zunächst lediglich. "Es werde aber sehr kurzfristig geschehen", sagte Verhandlungsführer Dirk Vogelsang. Man werde ohne Vorwarnungen in den nächsten Wochen zeitlich und punktuell zu Streiks aufrufen, erklärte der Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. Einen flächendeckenden Streik werde man in den nächsten Wochen vorbereiten.

Der Streik dürfte die Kranich-Airline empfindlich treffen, da die Gewerkschaft schlagkräftig ist - in der Branche wird geschätzt, das zwei von drei Flugbegleitern Mitglied sind. Offizielle Angaben dazu gibt es allerdings nicht. Die Lufthansa kündigte an, eine Klage gegen den Streik zu prüfen. Es gehöre zum professionellen Umgang, die juristischen Möglichkeiten abzuklopfen, sagte Lufthansa-Passagevorstand Peter Gerber in Frankfurt. Aus Kundensicht könne man kein Verständnis für Streiks haben, meinte der Manager. Die Lufthansa sei aber gut vorbereitet und bemüht, die Auswirkungen für die Fluggäste möglichst gering zu halten.

Fingerzeig in beiden Richtungen

Die Streikforderungen beziehen sich allein auf den offenen Tarifvertrag zu Vergütungsfragen, der Entgelte und Gehaltsstufen regelt. "Der Versuch, Leiharbeit und Ausflaggung zu verhindern, ist gescheitert", sagte Baublies. In der Nacht hatten langwierige Verhandlungen um eine Gesamtlösung kein Ergebnis gebracht. Die Verhandlungspartner wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für das Scheitern zu.

Das Gesamtforderungspaket der UFO sei zu hoch gewesen, erklärte dagegen ein Sprecher der Lufthansa. UFO habe die Chance verpasst, die Leiharbeit bei Lufthansa zu beenden. Auch Passagevorstand Gerber verteidigte das Angebot der Lufthansa: Es hätte nach seiner Einschätzung allen Flugbegleitern bei etwas längeren Einsatzzeiten mehr Geld gebracht und sie langfristig abgesichert. Verzichten sollten künftige Beschäftigte: "Für neue Mitarbeiter hatten wir uns neue Tabellen vorgestellt." Lufthansa sei bereit gewesen, auf befristete Verträge und den Einsatz von Fremdpersonal zu verzichten.

Lufthansa habe materiell zu wenig angeboten und sich bei den wichtigen Strukturfragen nicht bewegt, erklärte hingegen Vogelsang. Vor allem habe das Unternehmen darauf bestanden, im Konzern die neue Direktflugtochter mit niedrigeren Tarifen zu gründen. UFO fürchtet, dass bis zu 2000 Flugbegleiter von der Lufthansa zu der Billigtochter versetzt werden sollen. "Wo Lufthansa draufsteht, muss auch Lufthansa drinsein", sagte Vogelsang. Auch auf eine von UFO angebotene Schlichtung sei Lufthansa nicht eingegangen.

"Taktik der Nadelstiche"

der Lufthansa müssen nun erhebliche Verspätungen und Ausfälle von Flügen in nächster Zeit befürchten. Der neue Gewerkschaftschef hatte bereits eine Taktik der Nadelstiche angekündigt, bei der mit zeitlich begrenzten Aktionen an einzelnen Stationen der Flugplan nachhaltig durcheinandergebracht werden könne. "Wir könnten einzelne Flughäfen für fünf oder sechs Stunden bestreiken", so Baublies.

Die Lufthansa hat für Streiks Notfallpläne in der Schublade. Je nach Umfang des Arbeitsausstands werden unterschiedlich viele Verbindungen gestrichen, meist zunächst Kurz- und Mittelstreckenflüge innerhalb Deutschlands und Europas. Ausgenommen davon sind die Zubringerstrecken zu den Lufthansa-Drehkreuzen in Frankfurt und München. Ziel der Airline ist es, so viele Interkontinentalflüge wie möglich durchzuführen, weil das Unternehmen damit am meisten Geld verdient und die Passagiere nicht fernab der Heimat stranden sollen.

Verhärtete Fronten

Bereits seit gut einem Jahr schwelt der Tarifstreit. Die Flugbegleiter verlangten neben fünf Prozent höheren Entgelten das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen. Sie wollten zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.

Europas größte Fluggesellschaft sieht sich hingegen wegen des starken Wettbewerbs und anstehender Milliarden-Investitionen zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen und hat auch bereits den Abbau von 3500 Stellen angekündigt. Um diese Ziele zu erreichen, nahm der Konzern offenbar auch die Streiks in Kauf, so hatte unter anderem Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber eine Eskalation im Tarifstreit gefordert. "Besser man lässt es zum großen Knall kommen, bevor sich das Unternehmen aus dem Wettbewerb katapultiert", sagte Weber der Wochenzeitung "Zeit".

Bis auf kleinere Warnstreikaktionen im Jahr 2009 haben die Stewards und Stewardessen der Lufthansa noch nie gestreikt. Die Mitglieder sollen per Mail und SMS zu den Aktionen aufgerufen werden.

Quelle: ntv.de, sla/DJ/dpa/rts

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