Wirtschaft

Vom Bankenriesen zum Ausputzer Massiver Stellenabbau bei WestLB

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(Foto: picture alliance / dpa)

Nachdem das Ende der WestLB besiegelt ist, verlieren nun tausende Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Hoffnungsträger ist jedoch eine neue Servicegesellschaft, in der die Banker ihre Erfahrung in der Vermarktung ausgelagerter Schrottpapiere einbringen können.

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Will seinen Job erst erledigen: WestLB-Chef Dietrich Voigtländer.

(Foto: dpa)

Rund 2500 Mitarbeiter der WestLB müssen sich wegen der Zerschlagung der Landesbank in den nächsten Jahren einen neuen Job suchen. "Sie können sich vorstellen, dass die vorweihnachtliche Stimmung auf dem absoluten Null-Punkt ist", sagte WestLB-Chef Dietrich Voigtländer. Er hatte die Mitarbeiter zuvor über die Folgen der Aufspaltung der einst stolzen Landesbank informiert, die zuvor in Brüssel endgültig besiegelt worden war.

Von den derzeit rund 4300 Beschäftigten der Düsseldorfer Bank sollen bis 2016 maximal 1000 in einer neuen Servicegesellschaft SPM arbeiten, die Institute bei der Abwicklung von faulen Krediten, Wertpapieren und Derivaten hilft, sagte Voigtländer. 400 Mitarbeiter können in der separaten SPM-Bank unterkommen, die die Restrukturierung in vielen anderen Bereichen vorantreibt. Hinzu kommen weitere 400 Beschäftigte im Verbundgeschäft, das an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) angedockt wird. Die Verbundbank greift lokalen Sparkassen bei Geschäften unter die Arme, die sie alleine überfordern, etwa bei Großkrediten.

Voigtländer hofft zudem, bis Mitte 2012 durch den Verkauf von Beteiligungen weiteren Mitarbeitern bei anderen Instituten eine Perspektive zu schaffen. Da sich größere Geschäftsteile im derzeitigen Marktumfeld kaum verkaufen lassen, will der WestLB-Chef nun kleinere Bereiche in bestimmten Sektoren oder Regionen losschlagen. Er selbst wolle auf jeden Fall an Bord bleiben, bis alle wichtigen Restrukturierungsschritte auf den Weg gebracht seien, sagte Voigtländer. "Ich sehe es als meine Verantwortung, die Dinge jetzt in den Zielhafen zu bringen."

Nachschub für die Bad Bank

Die EU-Kommission hatte nach langem Streit die Zerschlagung der WestLB abgesegnet. Als Ausgleich für elf Mrd. Euro Staatsbeihilfen, mit denen das Institut jahrelang über Wasser gehalten wurde, muss die Bank bis Mitte 2012 vom Markt verschwinden. Dazu wird die derzeit noch drittgrößte Landesbank in drei Teile gespalten: Das Verbundgeschäft soll an die Helaba gehen, der große Rest landet aller Voraussicht nach in der seit 2009 bestehenden Bad Bank Erste Abwicklungsanstalt (EAA). Sie wird von der neuen Servicegesellschaft SPM unterstützt.

Ohne die Verbundbank würden wohl Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 85 Mrd. Euro in die EAA verfrachtet, sagte Voigtländer. Noch nicht mit eingerechnet ist dabei der ins Schaufenster gestellte Immobilienfinanzierer Westimmo, dessen Verkauf an den Finanzinvestor Apollo kürzlich geplatzt war. Auch er soll unter das Dach der EAA schlüpfen, wenn sich bis Mitte 2012 kein Käufer findet.

Abwickler vom Dienst

Große Hoffnungen setzt Voigtländer in die neue Servicegesellschaft SPM, da sie neben den bestehenden Kunden EAA und Verbundbank auch Neugeschäft machen darf. Da viele Geldhäuser derzeit riskante Papiere und Kredite abstoßen, gebe es einen großen Bedarf, diese Portfolien zu verwalten und abzuwickeln, sagte Voigtländer. "Ich sehe gute Chancen, diesen entstehenden Markt mit zu gestalten." Auch für die Bad Bank der Hypo Real Estate könnte die SPM solche Dienste übernehmen, deutete der WestLB-Chef an. "Selbstverständlich werden wir uns um Bad Banks, die schon da sind oder die eventuell noch entstehen, intensiv bemühen."

Die Servicegesellschaft SPM, die dem Land Nordrhein-Westfalen gehört, soll spätestens 2016 privatisiert werden. Voigtländer machte jedoch deutlich, dass er die Firma, die in Deutschland, London, New York und einem Standort in Asien vertreten sein wird, gerne schon früher verkaufen würde. Bis zu einer Privatisierung darf der Umsatz im Neugeschäft der Service-Gesellschaft laut der Vereinbarung mit der EU nicht größer sein als der mit den bisherigen Bestandskunden.

Auch ein letztes Nachtreten im jahrelangen Streit mit den EU-Aufsehern wollte sich Voigtländer nicht verkneifen. Die WestLB sei von der EU-Kommission unfair behandelt worden, sagt der Bank-Chef. "Ich glaube nicht, dass Justitia in Brüssel immer eine Augenbinde um hatte."

Quelle: n-tv.de, nne/dpa/rts

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