Wirtschaft

Bleibt Schönefeld am Start? Mehdorn entlässt BER-Chefplanerin

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Der Flughafen Berlin-Brandenburg "Willy Brandt" wird seit 2006 gebaut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der nächste Rückschlag für das Flughafenprojekt BER: Geschäftsführer Mehdorn schickt seine jüngste Hoffnungsträgerin für eine rasche Fertigstellung nach nur wenigen Monaten in die Wüste. Die Spekulationen, wie das Flugaufkommen am Himmel über Berlin künftig bewältigt werden soll, bekommen derweil neue Nahrung.

Am künftigen Hauptstadtflughafen geht es jetzt Schlag auf Schlag. Allerdings nicht bei der Fertigstellung, sondern bei den Entlassungen. Einem Bericht zufolge ist der zentrale Planungsposten nach wenigen Monaten wieder vakant. Die Taktung der Entlassungen unter BER-Chef Hartmut Mehdorn ist damit deutlich schneller geworden.

Der Vertrag von Regina Töpfer sei zum Ende  der Probezeit nicht verlängert worden, berichtete die "Frankfurter  Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Berliner Branchenkreise. Offenbar habe sie die hohen Erwartungen der Geschäftsführung nicht erfüllen können. Ihr Vertrag wurde daher nicht über die Probezeit hinaus verlängert, die in diesem Monat endet.

Töpfer habe ihren Posten bereits geräumt, ein Nachfolger stehe noch nicht fest, heißt es. Flughafensprecher Ralf Kunkel habe sich auf Anfrage der Zeitung nicht äußern wollen, da es um "Interna" gehe. Gegenüber der "Berliner Morgenpost" bestätigte Töpfer den Rauswurf. "Die Entscheidung traf mich ohne Vorwarnung", sagte sie dem Blatt.

Töpfer hatte den Job als Chefplanerin erst im Herbst übernommen, nachdem sich Mehdorn und sein damaliger Hoffnungsträger und technischer Geschäftsführer Horst Amann überworfen und die Zusammenarbeit beendet hatten. Dem Bericht zufolge sollte Töpfer eigentlich als Projektleiterin den Airport zu Ende bauen. Sie war vorher für den Arbeitsschutz auf der Baustelle zuständig.

"Wer widerspricht, fliegt"

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus Martin Delius (Piratenpartei) sagte "Handelsblatt Online", die Entlassung Töpfers erwecke den Eindruck, als wolle Mehdorn "allein und eigenhändig" den Hauptstadtflughafen zu Ende bauen. "Seine Personalpolitik im Zusammenhang mit der Baustelle zeugt von Selbstüberschätzung. Wer Mehdorn widerspricht, fliegt", sagte Delius.

Der Rauswurf Töpfers dürfte für die Fertigstellung des Flughafens nicht förderlich sein. Die Eröffnung ist bereits mehrfach verschoben worden. Seit die Inbetriebnahme des Airports im Juni 2012 platzte, ist völlig offen, wann die ersten Flugzeuge von dort starten werden. Flughafen-Geschäftsführer Mehdorn will die Bauarbeiten möglichst bis zum Ende dieses Jahres abschließen. Danach sind nach früheren Angaben allerdings noch verschiedene technische Abnahmen und Genehmigungen nötig.

Mehdorn will Schönefeld weiternutzen

Wie bekannt wurde, erwägt die Flughafengesellschaft nunmehr, den alten Airport Schönefeld nach der Öffnung des BER nebenan weiterzubetreiben. "Das ist eine Option, die wir prüfen", bestätigte Flughafen-Sprecher Kunkel auf Anfrage. Die Zeitungen "BZ" und "Bild" hatten über den Plan berichtet. Im Gespräch sei, Schönefeld-Alt als Billigflieger-Terminal weiterzunutzen.

Hintergrund ist die jährliche Kapazität des neuen Airports von 27 Millionen Passagieren. Sie dürfte bei der Eröffnung, die frühestens im Jahr 2015 erwartet wird, bereits erreicht sein. Mehdorn soll den Vorschlag nach dpa-Informationen schon im Aufsichtsrat zur Sprache gebracht haben. Das Gremium hat aber noch nicht darüber beraten.

Mehdorn hatte bereits kurz nach Amtsantritt im März 2013 mit der Forderung für Aufsehen gesorgt, den Flughafen Tegel offenzuhalten. Für die neuen Schönefeld-Pläne zeigte sich Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) "grundsätzlich offen". Es sei "richtig, sich auf das so nicht vorhersehbare außergewöhnliche Wachstum des Flugverkehrs in der Region strategisch und konzeptionell einzustellen. Da hat die jetzt ins Spiel gebrachte Option bei allen noch offenen Fragen durchaus positive Aspekte".

Was kostet der BER?

Zu den Spekulationen über die Mehrkosten des neuen Flughafens muss sich Brandenburgs neuer Finanzminister und Aufsichtsrat Christian Görke (Linke) am morgigen Donnerstag im Finanzausschuss den Fragen der Landtagsabgeordneten stellen. Bislang werden für das Projekt offiziell 4,3 Milliarden Euro angesetzt. Görke nannte bislang keine konkreten Zahlen, forderte aber von der Flughafengesellschaft mehr Eigenfinanzierung.

Quelle: n-tv.de, ddi/AFP

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