Wirtschaft

Verkauf an Konkurrenten gesichert Miet-Einigung rettet A.T.U

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Die Einigung kam erst kurz vor Ablauf der Frist.

dpa

Mit Ablauf der Frist einigen sich die Parteien über die Werkstatt-Mieten von rund 600 A.T.U-Standorten. Damit ist der Weg frei für den alles rettenden Verkauf. Rund 10.000 Beschäftigte dürfen aufatmen.

Die von der Insolvenz bedrohte Werkstattkette A.T.U ist gerettet. "Die Kuh ist vom Eis. Bei den Verhandlungen in New York wurde in letzter Sekunde eine Einigung erzielt", sagte der Weidener Oberbürgermeisters Kurt Seggewiß. Auch der Weidener Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch bestätigte, ATU-Chef Jörn Werner habe ihm von einer Einigung berichtet. Der SPD-Politiker sprach von einem "Sieg der Vernunft". Insidern zufolge sind die Verträge noch nicht unterschrieben.

Um Mitternacht wäre die Drei-Wochen-Frist abgelaufen, innerhalb derer sich A.T.U mit dem Vermieter von fast der Hälfte seiner rund 600 Standorte, der niederländischen Lino, einigen musste. Hinter Lino stecken als Kreditgeber die Deutsche Bank und der Hedgefonds Davidson Kempner.

An der ausgehandelten deutlichen Senkung der Mieten hängt der rettende Verkauf von A.T.U mit rund 10.000 Beschäftigten an den französischen Konkurrenten Mobivia. Diese hatte den Kaufvertrag im September nur unter dem Vorbehalt unterschrieben, dass die bisherigen, hohen Mieten für die Werkstätten gesenkt werden würden. Die Frist für eine Einigung lief nun ab. Am 17. November war bei A.T.U eine Notgeschäftsführung eingesetzt worden.

Der Machtpoker habe bis zum Schluss gedauert, sagte Oberbürgermeister Seggewiß, in dessen Stadt A.T.U seinen Hauptsitz hat. Er habe nach der Einigung mit Firmenchef Jörn Werner gesprochen. "In allerletzter Sekunde hat die Deutsche Bank eingelenkt", sagte er. Zu Details wollte er sich nicht äußern. A.T.U lehnte eine Stellungnahme ab.

"Vorgezogener Heiligabend"

Eine mit den Verhandlungen vertraute Person sagte Reuters, die Zahlungen für die 273 von Lino an A.T.U vermieteten Standorte sollen von zuletzt rund 57 Millionen Euro auf unter 30 Millionen Euro sinken. Über eine Laufzeit von 20 Jahren hinweg ergäben sich dadurch Einsparungen von rund 600 Millionen. Die Werkstattkette aus Weiden ist im Besitz von mehreren Hedgefonds wie dem US-Unternehmen Centerbridge; sie waren 2013 durch einen Tausch von Schulden in Anteile bei A.T.U eingestiegen und hatten den Finanzinvestor KKR als Eigentümer abgelöst.

SPD-Politiker Seggewiß sagte, der Verkauf an Hedgefonds habe für die Werkstattkette viele Probleme mit sich gebracht. A.T.U sei die Schuldenlast aufgebürdet worden, so dass nie Geld für die Weiterentwicklung des Geschäfts da gewesen sei. Mit Mobivia kann sich A.T.U nach Ansicht des Oberbürgermeisters jetzt strategisch und langfristig aufstellen. Für die rund 10.000 Beschäftigten sei die Einigung "ein vorgezogener Heiligabend".

A.T.U leidet seit Jahren unter dem Trend zu Markenwerkstätten und unter zahlreichen Management-Wechseln. A.T.U betreibt 577 Autowerkstätten in Deutschland und weitere in Österreich und der Schweiz und kam im Geschäftsjahr 2015/16 (30. Juni) auf rund eine Milliarde Euro Umsatz.

Quelle: n-tv.de, lou/rts/dpa