Wirtschaft

Abhörskandal zieht weiter Kreise Murdoch-Manager wirft hin

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Murdoch entschuldigt sich in sieben großen britischen Zeitungen mit einer Anzeigenkampagne für den Abhörskandal.

(Foto: dpa)

Medienmogul Rupert Murdoch verliert eine weitere wichtige Führungsfigur in seinem Imperium: Les Hinton tritt zurück. Er ist Chef der Tochterfirma Dow Jones, deren Aushängeschild das "Wall Street Journal" ist. Hinton hatte lange die britische Verlagstochter News International geleitet, zu der auch das Skandalblatt "News of the World" gehörte. Reporter der Sonntagszeitung hatten offenbar die Telefone von Prominenten, Politikern und Verbrechensopfern abgehört.

Der Aderlass im Management des Konzerns News Corp von Medienunternehmer Rupert Murdoch setzt sich fort. Wenige Stunden nach dem Rücktritt der Chefin der britischen Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, nahm auch der Chef der Tochterfirma Dow Jones, Les Hinton, seinen Hut. Murdoch startete in sieben großen britischen Zeitungen eine Anzeigenkampagne, um sich für den Abhörskandal zu entschuldigen.

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Les Hinton hatte an Besserung geglaubt.

(Foto: REUTERS)

Hinton erklärte, er habe "hunderte Artikel über tatsächliche und mutmaßliche professionelle Fehler" gesehen, die unter seiner Führung als Chef von News International begangen worden seien. "Der Schmerz, der unschuldigen Menschen zugefügt wurde, ist unvorstellbar." Zwar habe er nicht gewusst, "was offenbar passiert ist", doch halte er seinen Rücktritt für angemessen. "Ich entschuldige mich bei denjenigen, die durch die Taten von 'News of the World' verletzt wurden." Zu Dow Jones gehört die angesehene US-Zeitung "Wall Street Journal".

Hinton hatte Ende 2007 News International, die britische Tochter von News Corp, für einen anderen Konzernposten verlassen. Damals habe er gedacht, dass die "verdorbenen Elemente" bei "News of the World" ausgesondert worden seien und die "journalistische Integrität" wieder hergestellt worden sei.

. Die Ex-Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Boulevardblatts entschuldigte sich ebenfalls für die illegalen Abhörpraktiken. Auf Brooks folgt der Neuseeländer Tom Mockridge, bisheriger Chef des Murdoch-Senders Sky Italia

Noch eine Entschuldigung

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Murdoch nach dem Treffen mit Milly Dowlers Eltern.

(Foto: Reuters)

In britischen Medien, neben der "Sun" und der "Times" auch in Murdochs Konkurrenzzeitungen "Daily Mail", "Financial Times" und "The Independent" sowie im "Guardian" erscheinen am Samstag Entschuldigungsschreiben. "Es tut uns leid", ist die von Murdoch unterzeichnete Anzeige betitelt. Darin entschuldigt er sich für das "ernsthafte Fehlverhalten" der "News of the World" und dafür, dass Menschen hätten leiden müssen.

Murdoch hatte die "News of the World" eingestellt, nachdem herausgekommen war, dass Journalisten Handy-Mailboxen von Angehörigen getöteter Soldaten sowie eines entführten Mädchens geknackt hatten. Angesichts der Empörung zog Murdoch am Mittwoch auch sein Übernahmeangebot für den Bezahlsender BSkyB zurück.

Murdoch im Schadenseinsatz

Murdoch traf sich zudem mit den Eltern des ermordeten Mädchens Milly Dowler, dessen Handy 2002 mutmaßlich von "News of the World"-Journalisten gehackt worden war. Nach dem Treffen sagte Murdoch, er sei "entsetzt" gewesen, als er erfahren habe, was passiert sei. Am Dienstag sollen Brooks sowie Murdoch und sein Sohn James im Medienausschuss des britischen Unterhauses angehört werden.

Der britische Schauspieler Jude Law verklagte die zum Murdoch-Konzern gehörende Boulevardzeitung "The Sun" wegen mutmaßlicher Abhörungen seiner Handy-Mailbox. Es geht laut Anwälten um vier Artikel des Blatts aus den Jahren 2005 und 2006. News International wies die Vorwürfe als "bewusst boshaften Versuch, die 'Sun' in den Skandal mit hineinzuziehen", zurück.

In den USA geriet der Murdoch-Konzern ins Visier der US-Bundespolizei. Wegen des Vorwurfs, auch in den USA seien Telefone angezapft worden, seien vorläufige Ermittlungen eingeleitet worden, sagte eine FBI-Sprecherin. In den USA gehört unter anderem der TV-Sender Fox News zum Murdoch-Imperium.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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