Wirtschaft

Schwierige Zeiten Mythos Hedgefonds bekommt Kratzer

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"Die Niedrigzinspolitik verzerrt die Entwicklung am Anleihen- und Aktienmarkt": Das vergangene Jahr war für Hedgefonds schwierig.

(Foto: REUTERS)

Hedgefonds erzielen immer wieder spektakuläre Erfolge, allerdings waren die vergangenen Jahre mit vielen Unternehmensschließungen schwierig. Können Hedgefonds in diesem Jahr ein Comeback erleben?

Wirecard, Ströer und nun Aurelius - all diese Unternehmen mussten sich gegen Hedgefonds-Attacken wehren. Ihre Aktien sind durch Leerverkäufe dieser Profis mächtig unter Druck geraten. Dabei leihen sich die Leerverkäufer Aktien und verkaufen diese anschließend, um von fallenden Aktienkursen zu profitieren. Und tatsächlich gaben die Aktienkurse wie zuletzt beim Beteiligungsunternehmen Aurelius kurzfristig kräftig nach. Aurelius verlor innerhalb von zwei Tagen rund 50 Prozent seines Wertes.

Die Idee hinter dieser Hedgefonds-Strategie ist einfach: Hedgefonds nutzen eine eigens errechnete Überbewertung der Aktie, um die Aktie leer zu verkaufen oder "short zu gehen". Sie hoffen, dass sie die Aktien bis zur Ausleihfrist billiger zurückkaufen können und einen Gewinn erzielen. Schnell verabschieden sich Hedgefonds dann auch wieder von der Aktie. Danach erholen sich viele Titel auch wieder. So notiert Wirecard inzwischen auf einem Rekordhoch, allerdings liegt die letzte Attacke mehr als ein Jahr zurück.

Bei Wirecard hat sich die positive geschäftliche Entwicklung schließlich durchgesetzt. Ob sich Hedgefonds dabei eine blutige Nase geholt haben, ist aber ungewiss. Denn die Branche ist verschwiegen, und nicht immer gehen die Strategien auf. Ganz unbemerkt konnte die schwache Performance der Branche in den vergangenen Jahren aber nicht bleiben. Bekannte Hedgefonds gaben auf oder haben sich teilweise zurückgezogen. Der Mythos vom erfolgreichen Hedgefonds-Spekulanten hat schwere Kratzer bekommen, die Branche steckt in der Krise. Zuletzt wurden so viele Hedgefonds geschlossen wie seit der Finanzkrise nicht mehr.

Der Markt hat sich verändert

Dafür werden mehrere Gründe genannt, an erster Stelle das Eingreifen der Notenbanken in den Markt. "Die aktuelle Niedrigzinspolitik der Notenbanken verzerrt die Entwicklung am Anleihen- und Aktienmarkt, weshalb es zu einer Fehlallokation an den Kapitalmärkten kommt", erklärt Alexis Grutter, Fondsmanager für Alternative Investments bei La Financière de l´Echiquier (Echiquier). Der Markt habe sich sehr gewandelt, die Hedgefonds-Performance fiele schlechter aus als noch vor zehn Jahren. Das ist auch an der Performance 2016 abzulesen, wo Hedgefonds insgesamt schwächer abgeschnitten haben als globale Anleihen- und Aktienmärkte.

Eine schlechtere Performance in guten Börsenjahren ist aber nichts Außergewöhnliches für Hedgefonds. Sie sollen vergleichsweise konstante Erträge abliefern und Anleger besonders in schwierigen Zeiten vor Verlusten schützen. Denn starke Verluste sind schwer aufzuholen. Ein kleines Rechenbeispiel: Wer etwa einen Verlust von 50 Prozent in seinem Aktienportfolio erleidet, muss im nächsten Jahr schon ein Plus von 100 Prozent erzielen, nur um die Verluste auszugleichen. Daher haben Hedgefonds als Risikobegrenzungsinstrument ihre Berechtigung.

Ein Trend muss her

Es gibt verschiedene Hedgefonds-Strategien. Ein Großteil von Ihnen basiert auf quantitativen Modellen, die entweder Preisdifferenzen und Bewertungsunterschiede von Unternehmen oder Kapitalanlagen auszunutzen versuchen oder von Trends mit Kauf- oder Verkaufspositionen profitieren wollen. Zu letzterer Strategie zählen sogenannte CTAs, die quantitativen Modelle einsetzen.

Echiquier QME ist einer dieser CTAs, die ein Trendfolgemodell über verschiedene Assetklassen anwenden und die Kauf- oder Verkaufspositionen mit Hilfe von Futures umsetzen. Das vergangene Jahr war aufgrund der vielen Trendwechsel nach dem Brexit oder der US-Wahl schwierig, allerdings schafften Grutter und sein Co-Fondsmanager mit ihrem alternativen Fonds ein leichtes Plus. Sollte sich die zunehmende politische Unsicherheit im Gegensatz zum vergangenen Jahr auch in stärkeren Abwärtstrends (bei Assetklassen) niederschlagen, könnte wieder die Stunde der Trendfolgestrategien schlagen und Grutter möchte bei diesem Trend unbedingt dabei sein – im Gegensatz zu vielen Kollegen, die bereits aufgegeben haben.

Quelle: n-tv.de

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