Wirtschaft
Freitag, 07. Mai 2010

Komplizierte Rückabwicklung: Nasdaq kassiert Panik-Order

Der Schock an der Wall Street sitzt tief: Nach dem verheerenden Kurssturz vom Vortag ringen die Marktbetreiber um Erklärungen. An der Nasdaq hält man einen technischen Defekt für ausgeschlossen.

Auf Regen folgt Sonnenschein: Der Sitz der Nasdaq liegt am Broadway, Hausnummer 165 "One Liberty Plaza" in Midtown Manhattan.
Auf Regen folgt Sonnenschein: Der Sitz der Nasdaq liegt am Broadway, Hausnummer 165 "One Liberty Plaza" in Midtown Manhattan.(Foto: REUTERS)

Die Kursturbulenzen der Wall Street vom Vortag sind - zumindest an der Technologiebörse Nasdaq - nicht durch einen technischen Defekt ausgelöst worden. Dies teilte der Börsenbetreiber Nasdaq OMX in New York mit. Die Technologiebörse Nasdaq unternahm den ungewöhnlichen Schritt, die meisten Transaktionen aus der heißen Phase des Kursabsturzes von 14.40 Uhr bis 15.00 Uhr (Ortszeit, 20.40 bis 21.00 Uhr MESZ) kurzerhand zu annullieren. Damit müssen nun zahlreiche Orders rückabgewickelt werden.

Betroffen seien Kauf- und Verkaufsaufträge von jenen Werten, deren Kurs in der fraglichen Zeit um mehr als 60 Prozent ausgeschlagen habe. Die Entscheidung sei mit den anderen Handelsplattform-Anbietern abgestimmt. Gegen sie könne kein Einspruch eingelegt werden. Alle übrigen Verkaufsorders - ob automatisch oder nicht - bleiben demnach gültig.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones war am Donnerstagnachmittag zeitweise um ein Rekord-Minus von 1000 Punkten eingebrochen. Die Turbulenzen hatten weltweit Verunsicherung ausgelöst und zahlreiche weitere Indizes in die Tiefe gezogen. Die Börsenaufsicht leitete Ermittlungen ein, um den Auslöser für die "ungewöhnlichen Handelsbewegungen" zu ermitteln.

Nutzlose Wellenbrecher

Auch wenn die Auslöser des Börsenbebens zunächst im Dunkeln lagen, trat offen zu Tage, dass es offensichtlich erhebliche Schwachstellen im amerikanischen Aktienhandel gibt. Eigentlich verfügt die New Yorker Börse (NYSE) über ein Sicherheitssystem, um die Verkäufe im Fall einer Börsenpanik zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Börsianer an der Wall Street sprechen von "Wellenbrechern".

In den vergangenen Jahren sind allerdings im Schatten der NYSE ein gutes Dutzend elektronischer Handelsplattformen entstanden, die Panikverkäufe nicht stoppen. Während die NYSE am Donnerstag bremste, dürften die Händler zu anderen Plattformen wie Nasdaq oder Instinet ausgewichen sein. Dort konnten sich Panikreaktionen ungehemmt entfalten. Es gingen so viele Verkaufsaufträge ein, dass die Preise einzelner Aktien Richtung Null fielen.

Im Hochfrequenzhandel mit Super-Computern, die automatische Aufträge in Sekundenbruchteilen ausgeben, kann sich Panikstimmung beschleunigen. Bei deutlichen Abwärtstrends an den Finanzmärkten kann dies zu massiven Verkaufswellen führen, weil die Computer auf einmal massenhaft versuchen, die Verluste für die Anleger zu verringern.

Durch das computergestützte sogenannte "High-Frequency Algorithmic Trading" ist das Handelsvolumen in New York seit 2005 um mehr als 150 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte der Geschäfte werden automatisch durch Computer abgewickelt.

Bilderserie

In Deutschland ist die Entwicklung ähnlich: Großanleger wie Banken oder Versicherungen wickelten rund 60 Prozent ihres Handels über automatische Systeme ab, die Börsentrends analysierten, heißt es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

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Quelle: n-tv.de