Wirtschaft

Entscheidungen und Märkte Nobelpreis für Roth und Shapley

Der Wirtschafts-Nobelpreis zeichnet in diesem Jahr zwei US-Forscher aus, die sich vor allem mit Marktstrukturen und Fragen individueller Entscheidungen befassen: Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley.

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Die Königlich-Schwedische Akademie gibt die Preisträger bekannt: Roth erreichte der Anruf aus Stockholm in Kalifornien zu nachtschlafender Zeit.

(Foto: REUTERS)

Der Wirtschafts-Nobelpreis 2012 geht an die US-Forscher Alvin E. Roth und Lloyd S. Shapley für ihre Verdienste auf den Gebieten der Spieltheorie, der experimentellen Wirtschaftsforschung und des Marktdesigns.

Der 1951 in New York geborene Roth lehrt Volkswirtschaft und Betriebslehre an der Harvard University in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Der 89-jährige Shapley ist emeritierter Professor an der Universität von Kalifornien (UCLA) in Los Angeles. Shapley kam 1923 in Cambridge zur Welt, der späteren Wirkungsstätte seines Kollegen Roth. Shapleys Spezialgebiet ist die mathematische Ökonomik, insbesondere die Spieltheorie.

Beide hätten bahnbrechende Erkenntnisse entwickelt, wie wirtschaftliche Akteure zusammenspielen, hieß es zur Begründung aus Stockholm. Insbesondere hob die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie Roths und Shapleys "Theorie zur stabilen Allokation und zur Praxis von Marktstrukturen" hervor und ihre Auseinandersetzung mit einem "zentralen wirtschaftlichen Problem: verschiedene Akteure auf bestmögliche Weise zusammenzubringen".

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Frischgebackene Nobelpreisträger: Lloyd Shapley (li) und Alvin Roth.

(Foto: AP)

Um das Wirken der beiden Wirtschaftswissenschaftler zu illustrierten, wählte die Jury ein Anwendungsbeispiel aus der Praxis: Die Arbeiten von Roth und Shapley könnten etwa dazu genutzt werden, den besten Organ-Spender für einen Transplantationspatienten zu finden, der ein neues Organ brauche. Weitere Beispiele seien Studenten auf der Suche nach der optimalen Universität oder Suchmaschinen, die Firmen den bestmöglichen Platz für ihre Werbeanzeige im Internet zuordnen.

Obwohl beide Forscher unabhängig voneinander arbeiteten, habe die Kombination von Shapleys grundlegenden Theorien und die empirischen Untersuchungen von Roth die wissenschaftliche Arbeit befruchtet und das Zusammenspiel in vielen Märkten verbessert, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Die Auszeichnung ist mit 8 Mio. Schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet entspricht das einer Summe von 930.000 Euro. Die beiden Forscher teilen sich den Preis zu gleichen Teilen.

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Die Medaille zum Preis trägt das Konterfei von Alfred Nobel.

(Foto: nobelprize.org)

Die gute Nachricht aus Stockholm verpasste Roth zunächst, denn beim ersten Anruf schlief er noch. Er sei "überrascht und glücklich" über den Nobelpreis, sagte er später. Dass sein Kollege Shapley den Preis gewinnen sollte, sei zu erwarten gewesen. "Es wäre ein schweres Versehen gewesen, hätte er den Preis nicht gewonnen. Deshalb bin ich froh, dass ich den Preis nun mit ihm teile", sagte Roth auf einer Pressekonferenz, zu der er per Telefon aus Kalifornien zugeschaltet war. Auf die Verleihung in Stockholm am 10. Dezember freue er sich, weil "das eine sehr gute Party sein soll".

Roth ist Professor an der Harvard-Universität in Cambridge. "Ich bin sicher, dass die Studenten aufmerksamer sein werden, wenn ich heute Morgen zur Vorlesung gehe." Der Tag verläuft für Roth ohnehin schon anders als üblich. In seinem Blog, den er täglich schreibt, stand zunächst nur "Dieses Blog könnte sich heute verzögern." Shapley kommt von der University of California in Los Angeles. Er ist der zweitälteste Empfänger der Wirtschafts-Auszeichnung zum Zeitpunkt der Vergabe. Überreicht werden die Preise am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Nobel.

US-Ökonomen nicht diskriminieren

Die Vergabe der diesjährigen Nobelpreise geht mit der Auszeichnung in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften zu Ende. Der umgangssprachlich Wirtschaftsnobelpreis genannte Preis bildet dabei eine Ausnahme, da er nicht wie die anderen Nobelpreise auf das Testament des schwedischen Preisstifters Alfred Nobel zurückgeht.

Der "Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften in Erinnerung an Alfred Nobel" - wie er offiziell genannt wird - wurde erst im Jahr 1968 von der Zentralbank Schwedens in Gedenken an den berühmten Erfinder und erfolgreichen Unternehmer Nobel ins Leben gerufen. Zum ersten Mal verliehen wurde er im Jahr 1969.

Im vergangenen Jahr waren die beiden US-Forscher Nobelpreis für zwei US-Ökonomen für Methoden ausgezeichnet worden, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftspolitik und volkswirtschaftlichen Rahmendaten wie Inflation, Beschäftigung und Bruttoinlandsprodukt  untersuchen.

Seit der ersten Vergabe 1969 ist die Auszeichnung meist in die Vereinigten Staaten gegangen, ein Punkt, der bei dem ohnehin umstrittenenen Preis für zusätzliche Kritik sorgt. "Wir können kein nationales Quotensystem einführen. Wir müssen den Preis für die beste Forschung geben", sagt der Stockholmer Nationalökonom und Nobel-Juror Mats Persson dazu. "Da ist nun mal Fakt, dass das meiste in unserem Fach aus den USA kommt. Das wirkt vielleicht langweilig, aber wir können doch die Forscher dort nicht wegen ihrer Herkunft diskriminieren. Die Europäer sollen sich lieber fragen, warum ihre Gesellschaftswissenschaft so hinter der in den Vereinigten Staaten hinterherhinkt."

Quelle: n-tv.de, AFP/DJ/dpa

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