Wirtschaft

Insiderskandal in Japan Nomura-Chef wirft das Handtuch

Rücktritte wegen Regelverstößen bleiben nicht auf die europäische Bankenlandschaft beschränkt. Im japanischen Finanzhaus Nomura rollen jetzt wegen Insidergeschäften die Köpfe der zwei höchsten Angestellten.

Nomura.jpg

CEO Kenichi Watanabe hat das Ausmaß der Probleme unterschätzt.

(Foto: REUTERS)

Medienberichten zufolge sind der Firmenchef und der COO der japanischen Investmentbank Nomura wegen eines Skandals um Insiderhandel von ihren Ämtern zurückgetreten. Die Bank räumte ein, Hinweise über geplante Kapitalerhöhungen von Unternehmen unerlaubt weitergegeben zu haben.

Der Weggang von CEO Kenichi Watanabe und eines anderen Vorstandsmitglieds, Takumi Shibata, erinnert stark an die Demission von Vergleich im Zins-Skandal? wegen Zinsmanipulationen. Hier wie dort wurde gegen Bankenvorschriften verstoßen.

Nomura
Nomura 4,32

Der Vorwurf gegen das Top-Personal von Nomura: Wertpapierverkäufer sollen Informationen über Aktienangebote an Kunden weitergegeben haben, bevor sie öffentlich bekannt waren. Das sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Rücktritte könnten der größten japanischen Investmentbank auf ihrem Weg zu einem globalen Spieler Steine in den Weg legen. Mit dem Weggang verlassen die zwei Hauptarchitekten für die mutigen globalen Expansionspläne die Bank.

Die Abgänge kommen zu einer Zeit, in der zudem tiefe Enttäuschung über die Leistungskraft von Nomura herrscht. Schwache Zahlen verfolgen den größten japanischen Broker seit der Übernahme des internationalen Geschäfts vom insolventen Wertpapierhaus Lehman Brothers im Jahr 2008. Zu dieser Zeit kamen auch Watanabe und Shibata in ihre Ämter. Laut der Tageszeitung "Nihon Keizai Shimbun" ist bereits eine Nachfolgeregelung gefunden. Koji Nagai, Chef des Brokergeschäfts Nomura Securities Co, soll CEO werden. An die Stelle von Shibata soll der Chef der Investmentbanksparte Atsushi Yoshikawa treten.

Internationaler Kampf gegen Regelverstöße

Genau wie in Großbritannien greifen die Bankenaufseher auch in Japan inzwischen durch. Die Finanzaufseher ermitteln seit 2010 wegen Insiderhandels. In den konkreten Vorwürfen war Nomura dreimal Konsortialführer bei der Ausgabe von Aktien. Vor dem Handel mit den neuen Aktien war es zu ungewöhnlichen Kursschwankungen gekommen. Nomura nahm daraufhin eine interne Untersuchung vor. Das Ergebnis: Die Beschuldigten hatten wenig Ahnung von Japans Insiderhandelsvorschriften und dürften wahrscheinlich die noch nicht veröffentlichten Informationen an Kunden weitergegeben haben. Nomura und 11 weitere große, japanische Broker werden der Finanzaufsicht in der kommenden Woche detaillierte Berichte über ihre internen Kontrollen vorlegen.

Nomuras Vorstandsetage unterschätzte - genau wie die von Barclays - zunächst das Ausmaß der Probleme bei ihrer Bank. Sie erkannten auch nicht, wie unzufrieden die Aufseher und eine breitere Öffentlichkeit mit ihrer Reaktion waren. Bei Barclays hoffte CEO Diamond zunächst mit der Zahlung einer Strafe davonzukommen. Ähnlich bei Nomura: Watanabe hatte im vergangenen Monat angekündigt, einige Geschäftsbereiche aufzugeben und die Gehälter von Führungskräften einzudampfen. Außerdem hatte er weitere interne Ermittlungen ins Gespräch gebracht. Noch zählte der eigene Rücktritt nicht zu seinen Vorschlägen.

Immenser Imageschaden

Nomura wird nicht offiziell eines Vergehens beschuldigt, da japanische Insiderhandelsvorschriften nur für die Bestrafung von Unternehmen gelten, die direkt von den Geschäften profitiert haben. Der Schaden für die japanische Institution ist trotzdem immens: In den vergangenen Wochen strichen acht japanische Firmen Nomura von seiner Rolle als Konsortialführer in wichtigen Wertpapiergeschäften. Zudem hat Nomura seine Rolle als globaler Konsortialführer für den Börsengang von Japan Airlines verloren, der auf ein Volumen von 6 Mrd. US-Dollar und mehr geschätzt wird.

Auch in den Gewinnen spiegelt sich der Negativtrend wider. Gerade legte Nomura Quartalszahlen vor, wonach der Gewinn von April bis Juni um 89 Prozent auf 1,89 Mrd. Yen abgestürzt ist. Dies ist ein erstes Signal dafür, wie der Skandal Nomura beeinträchtigt. Die Nachricht von den beiden Rücktritten beflügelte dagegen: Der Aktienkurs legte um 5,7 Prozent auf 259 Yen zu.

Quelle: n-tv.de, DJ

Mehr zum Thema