Wirtschaft

Fed hat keine Hemmungen Wer hat Angst vor Inflation?

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Die Fed-Entscheidung traf den Dollar empfindlich.

(Foto: dpa)

Fed-Chef Bernanke überschwemmt die Märkte weiter mit billigem Geld, die Angst vor einem nennenswerten Anstieg der Inflation ist laut vielen Notenbankern aber unbegründet - zumindest in den Industriestaaten. Ein zweiter Blick verrät anderes.

Notenbanker aus den großen Industrieländern freuen sich. Obwohl die Weltwirtschaft über die vergangenen Jahre mit reichlich Geld versorgt wurde, bereitet die offizielle Inflation keine Probleme. So sind die Verbraucherpreise in den USA im Juli um 0,2 Prozent gegenüber Juni gestiegen. Gegenüber dem Vorjahr beläuft sich das Plus auf zwei Prozent nach 1,8 Prozent für den Vormonat. Die Sorgen vieler Experten, die Geldschwemme der vergangenen Jahre – alleine die Bilanzsumme der US-Notenbank ist seit September 2008 von 900 Mrd. Dollar auf aktuell 3,66 Billionen Dollar explodiert – würde zu einem starken Anstieg der Inflation führen, haben sich damit nicht bestätigt.

Zumal die Kernrate im Juli um lediglich 1,7 Prozent geklettert ist. Hier werden die Preise für Nahrungsmittel und Energie ausgeklammert, weil sie stark schwanken und das Inflationsbild verzerren könnten. Jeder Verbraucher, der zumindest gelegentlich an die Tankstelle fährt, weiß aber, dass der Ölpreis nicht zurückgeht. Kostete ein Barrel der Sorte WTI im September 2003 noch 28 Dollar, sind es heute 106 Dollar. Oder die Preise für Agrarrohstoffe. Sie sind zuletzt zwar deutlich gefallen. Mais kostet aber beispielsweise immer noch doppelt so viel wie vor zehn Jahren.

Nun hat die US-Notenbank Fed den Ausstieg aus der Ära des billigen Geldes überraschend wieder auf die lange Bank geschoben und will den Märkten weiterhin Geldspritzen verpassen. Der Dollar knickt ein, der Goldpreis zieht wieder an und all das soll keine Auswirkungen auf die Inflationsstatistiken haben?

Banken behalten Geld für sich

Nein, denn die Banken verleihen das Geld nicht, sondern parken das Geld bei der US-Notenbank, betonen Experten. So sind die Überschussreserven zuletzt auf den Rekord von 1,86 Billionen Dollar geklettert. Im September 2008 lagen sie bei nur 60 Milliarden Dollar. Und wenn das Geld nicht in den Wirtschaftskreislauf kommt, kann es nicht zu Inflation kommen.

In Europa ist auf den ersten Blick von Inflation ebenfalls keine Spur. So sind die Verbraucherpreise in Deutschland im August um lediglich 1,6 Prozent gestiegen. In der Euro-Zone lag das Plus zuletzt sogar nur bei 1,3 Prozent. Lediglich in Großbritannien ist eine etwas höhere Preissteigerung wegen der dortigen ultralaxen Geldpolitik zu erkennen. So lag die Inflation im Juli bei 2,8 Prozent. Die Zinsen für Geldmarktkonten liegen derweil nur bei 1,5 Prozent. Damit gibt es einen anhaltenden Vermögenstransfer von den Sparern zu den Schuldnern.

Häuser- und Aktienmärkte aufgepumpt

Wird der Begriff Inflation, also Geldentwertung aber nicht so eng gefasst, sondern auch auf den Preisanstieg bei Häusern und Aktien bezogen, ist die Geldentwertung mehr als offensichtlich. So sind die Häuserpreise in den 20 größten Städten der USA laut dem S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex im Juni um 12,1 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. Ähnlich starke Zuwächse hatte es zuletzt 2006 gegeben. Städte wie Las Vegas stechen mit einem Plus von 24,9 Prozent und San Francisco mit 24,5 Prozent hervor. Etliche Experten sprechen davon, dass sich wegen der im Langfristvergleich sehr niedrigen Zinsen erneut eine Blase am Häusermarkt gebildet hat.

Auch am Aktienmarkt lässt sich die Geldentwertung mehr als deutlich sehen. So haben Analysten zwar die Gewinnschätzungen für den S&P 500 für 2013 in den vergangenen 12 Monaten um 5,5 Prozent gesenkt. Die Erwartungen für 2014 gingen um 3,1 Prozent auf 122 Indexpunkte zurück. Der Index ist in dem Zeitraum jedoch um 15,5 Prozent gestiegen, weil die Bewertung, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) merklich geklettert ist. Für weniger Gewinn zahlen die Investoren also mehr Geld.

Der Wertanstieg bei Aktien und Immobilien ist jedoch gewollt. Das Vermögen der Amerikaner legt zu, die Stimmung verbessert sich und anschließend wird mehr eingekauft. Amerikaner fühlen sich durch die gestiegenen Aktien- und Immobilienmarkt reicher und geben mehr Geld aus. Auch anderswo zeigt sich stärkere Inflation. Die Preise fürs College-Studium sind seit Anfang 2005 um 80 Prozent gestiegen. In England sind zuletzt die Häuserpreise um 7,7 Prozent im Jahresvergleich gestiegen.

Schwache Währungen – hohe Inflation

Und was ist mit den Emerging Markets? Hier ist die Inflation unterschiedlich hoch. In China liegt der Anstieg der Verbraucherpreise mit 2,6 Prozent auf relativ niedrigem Niveau. Die Produzentenpreise deuten jedoch daraufhin, dass sich die Inflation in den nächsten Monaten allmählich beschleunigen dürfte. Der Anstieg bei den Häuserpreisen hatte sich im Juli bereits von 6,1 auf 6,7 Prozent beschleunigt.

Erhebliche Probleme gibt es hingegen in Indien und Brasilien. In Indien lag die Inflation im August bei 9,5 Prozent, weil der Verfall der Rupie zu höheren Importpreisen führt. Die sinkende Kaufkraft belastet die Konsumenten, weshalb zuletzt etliche Volkswirte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum reduziert haben. In Brasilien ist die Inflation zuletzt zwar auf 6,3 Prozent zurückgegangen, dennoch ist das ein ziemlich hohes Niveau. Die Notenbank hatte daher Ende August die Leitzinsen von 8,5 auf 9 Prozent angehoben.

Wie geht es weiter?

Die zuletzt schwer belasteten Währungen in Indien, Thailand, Indonesien und Malaysia reagierten mit kräftigen Erholungsbewegungen auf die ausgebliebene Drosselung der expansiven US-Geldpolitik. An den Aktienmärkten wird die Entscheidung mit ordentlichen Kurszuwächsen nahezu euphorisch gefeiert - und bestätigt so jene, die bezweifeln, dass die Börsen bereit sind, auf die "Droge" des billigen Geldes zu verzichten.

Die US-Notenbank wird ihren Kurs nicht ändern, so lange sie Risiken für die amerikanische Konjunktur - sei es ob für den Arbeitsmarkt oder die horrende Verschuldung - sieht. Die langfristigen Zinsen bleiben so niedrig. Und die Preise steigen.

Quelle: ntv.de

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