Wirtschaft
Michail Prochorow, russischer Milliardär, steigt über seine Holding Onexim bei Uralkali ein.
Michail Prochorow, russischer Milliardär, steigt über seine Holding Onexim bei Uralkali ein.(Foto: REUTERS)
Montag, 18. November 2013

Uralkali bekommt neues Gesicht: Oligarch steigt bei K+S-Rivale ein

Über Langeweile können sich K+S-Anleger nicht beklagen: Erst der Kurssturz nach dem Ausstieg Uralkalis aus dem Kali-Konsortium BPC. Dann die Aufholjagd, auch infolge eines rigiden Sparplans. Nun gibt es eine weitere kurstreibende Nachricht.

Die Aktien des deutschen Kaliproduzenten K+S gehören zum Wochenauftakt am deutschen Aktienmarkt zu den Gewinnern. Hintergrund ist ein sich abzeichnender Deal um den Welt-Branchenprimus Uralkali. Der russische Investmentfonds Onexim steigt ein - und dieser könnte den Streit über das Ende eines Exportkonsortiums entschärfen.

Die Übernahme der knapp 22-prozentigen Beteiligung von Uralkali-Großaktionär Suleiman Kerimow solle bald abgeschlossen werden, teilte die Investmentgesellschaft des russischen Milliardärs Michail Prochorow mit. Weitere Details wurden nicht bekanntgegeben. Laut russischen Agenturberichten liegt der Kaufpreis bei geschätzt 4,35 Milliarden Dollar.

Kreisen zufolge werden derzeit auch Gespräche über den Verkauf der Anteile von Kerimows Partnern geführt. Filaret Galtchew hält 7 und Anatoli Skurow 4,8 Prozent an Uralkali.

Prochorow gilt als einer der reichsten Oligarchen. Bei den russischen Präsidentschaftswahlen im März 2012 trat er gegen Wladimir Putin an und erhielt knapp acht Prozent der Stimmen. Er bekam dabei große Zustimmung in der städtischen Mittelschicht. In Moskau erreichte er sogar ein Ergebnis von gut 20 Prozent.

Neuauflage von BPC?

Uralkali hatte Ende Juli seine Zusammenarbeit mit dem weißrussischen Kaliunternehmen Belaruskali aufgekündigt. Die beiden Bergbauunternehmen hatten ihre Erzeugnisse bis dahin über das Gemeinschaftsunternehmen BPC exportiert. Minsk machte für diesen Strategiewechsel vor allem Kerimow verantwortlich. Die weißrussische Justiz nahm Uralkali-Chef Wladislaw Baumgertner in Minsk fest, als sich dieser auf Einladung der Regierung dort aufhielt.

Die Ende Juli verkündete Entscheidung Uralkalis hatte de facto ein informelles globales Preiskartell beendet und die Aktien von Kaliproduzenten weltweit auf Talfahrt geschickt. Kali ist einer der wichtigsten Devisenbringer des Weißrusslands. Seitdem die Verkaufspartnerschaft mit Uralkali platzte, ist das relativ isolierte Land finanziell deutlich unter Druck geraten.

Die Justiz in Minsk hatte auch Anschuldigungen gegen Kerimow erhoben. Präsident Alexander Lukaschenko hatte den Verkauf von Kerimows Uralkali-Anteil zu einer Bedingung für die Auslieferung von Baumgertner an Russland gemacht. Die russischen Behörden hatten ein Gerichtsverfahren gegen den Manager eröffnet. Er soll seine Vollmachten als überschritten haben. Analysten rechnen damit, dass selbst bei einer Verurteilung in Russland Baumgertner seine Strafe vielleicht gar nicht absitzen müsste. "Das sieht so aus, als könnte jeder sein Gesicht wahren, zumindest auf Regierungsebene", vermutete Timothy Ash von der Standard Bank

Beobachtern zufolge öffnet der Ausstieg Kerimows nun die Tür für neue Verhandlungen zwischen Uralkali und Belaruskali. Damit könnte der Preisrutsch nicht so stark ausfallen wie zuletzt befürchtet. Seit dem Ausstieg der Russen aus dem Exportkonsortium BPC Ende Juli sind die Preise für Kali-Düngemittel unter Druck. In Folge brach der Betriebsgewinn des im Dax notierten K+S-Konzerns ein. Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herab. Der stemmt sich mit einem groß angelegten Sparpaket gegen den Abwärtstrend und lauter werdende Übernahmegerüchte.

Trendwende auch an der Börse

An der Börse kam die Nachricht über den neuen Investor bei dem größten Kalihersteller der Welt positiv an. Die Aktie von K+S legten in der Spitze rund 2 Prozent zu und kosteten fast 21 Euro das Stück.

Das im Dax notierte Papier war im Sommer nach dem Ende des Lieferkartells von Belaruskali und Uralkali innerhalb weniger Tage um mehr als 40 Prozent auf rund 15 Euro gefallen. Von seinem Tief am 6. August konnte sich das Papier jedoch wieder deutlich erholen, liegt aber immer noch rund ein Fünftel unter dem Niveau, das es vor der Ankündigung von Uralkali Ende Juli hatte.

Quelle: n-tv.de