Wirtschaft

Volle Lager Ölpreis in der Zwickmühle

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(Foto: imago stock&people)

Wie in einem Politthriller versuchen die Gegenspieler am Ölmarkt ihre Vorteile zu nutzen, ohne den Preis ins Bodenlose zu stürzen. Iran, Saudi-Arabien und die USA sind derzeit die bestimmenden Kräfte. Schaffen sie eine Wende zum Besseren?

Wer nur auf den Ölpreis schaut, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass dieser sich von einem spannungsgeladenen Rohstoff zu einem Langweiler entwickelt hat. Aber unter der Oberfläche brodelt es: Nach der ausgebliebenen Zinswende in den USA fordern die ersten Notenbanker ein neues Anleihenkaufprogramm, wenn sich die Inflation nicht dem Zielwert nähere. Diese Aussicht auf eine neue Dollar-Schwemme dürfte den Ölpreis beflügeln, da gleichzeitig der Greenback zur Schwäche neigt und mehr Dollar für das gleiche Barrel Öl auf den Tisch gelegt werden müssen.

Gestützt wird die Notierung des Rohstoffs auch von den Aussagen des saudischen Ölministers Ali al-Naimi. Er betonte, das Land sei bereit, die Preise zu "verbessern", falls andere Produzenten außerhalb der Opec ebenfalls bereit wären, etwas zu unternehmen. Investoren interpretierten das als Bereitschaft Saudi-Arabiens, mit Ländern wie Russland oder Mexiko zusammenzuarbeiten, um das weltweite Überangebot, das derzeit bei rund einem bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag liegt, zu reduzieren. Der Staatskonzern Saudi-Aramco hat zuletzt die Preise für Asien erhöht.

Dabei gibt es etliche Gründe, die für einen Rückgang der Preise sorgen könnten. Zwar ist die Zahl der aktiven Ölbohrtürme in den USA zuletzt auf 802 gesunken. Sie ist damit nur noch halb so hoch wie im Herbst 2014. Allerdings liegt die Ölproduktion mit 9,39 Millionen Barrel pro Tag in der Nähe des Rekordhochs. Entsprechend sind die Lagervorräte in den USA seit Jahresanfang von 382,39 auf den Rekord von 471,44 Millionen Barrel nach oben geschossen. Das entspricht einem Plus von 7,4 Millionen Barrel pro Woche für die vergangenen zwölf Wochen. Die gesamten US-Lagerkapazitäten belaufen sich auf 610,447 Millionen Barrel. Abzüglich der aktuellen Lagervorräte sind damit nur noch 139,0 Millionen Barrel frei. Wenn die Vorräte in dem aktuellen Tempo weiter steigen, werden die Lager Mitte August komplett voll sein. Danach muss jedes weitere Barrel zu immer niedrigeren Preisen verkauft werden, weil man es irgendwie loswerden muss. Diese Aussicht könnte für Druck auf den Ölpreis sorgen, sollten die Kapazitäten nicht weiter heruntergefahren werden.

Auch aus dem Iran könnte der Druck zunehmen, allerdings müssten die begonnenen Gespräche zwischen dem Iran und den USA auch zu einem Abschluss kommen. Die amerikanische Energy Information Administration (EIA) geht davon aus, dass der Iran Öl-Vorräte von mindestens 30 Millionen Barrel hat. Bei einer Aufhebung der Sanktionen könnte die Produktion bis Ende 2016 um 700.000 Barrel pro Tag gesteigert werden. Laut der EIA könnte das den Preis um fünf bis 15 Dollar drücken. Noch spiegelt sich dieses Szenario aber nicht im Ölpreis wider.

Der wichtigste Einfluss auf den Ölpreis dürfte aber immer noch aus den USA kommen. Wenn die Serie schwacher US-Konjunkturdaten anhält, werden die Investoren zusehends darauf spekulieren, dass die US-Notenbank ein neues Anleihenkaufprogramm auflegen und damit die Gelddruckpolitik der vergangenen sechs Jahre weitergehen wird. Die Aussicht auf eine neue Dollar-Schwemme könnte dann für einen nachhaltigen Anstieg des Ölpreises sorgen.

Quelle: ntv.de